Wenn man im Westerwald mit dem Auto von Montabaur aus durchs Gelbachtal fährt, sieht man sie immer wieder am Bach stehen: die imposanten Stauden des Riesenbärenklau, auch bekannt als Herkulesstaude.
Bis zu dreieinhalb Meter groß können sie werden. Künftig kann sich die invasive Pflanze dort fast ungehindert ausbreiten. Wie zunächst die Westerwälder Zeitung berichtet hat, lässt der Westerwaldkreis sie nicht mehr weiter bekämpfen.
Land unterstützt Bekämpfung der Herkulesstaude nicht mehr
Bisher hat das Land Rheinland-Pfalz die Kommunen bei der Bekämpfung der Herkulesstaude finanziell unterstützt. Doch damit ist jetzt Schluss. "Die Landesregierung sagt, dass die Pflanze mittlerweile etabliert und nicht mehr wegzubekommen ist. Außerdem stimme das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht mehr", erklärt Roger Best von der Wasserbehörde des Westerwaldkreises.
Es sei über die Jahre immer schwerer geworden, Firmen zu finden, die die Stauden bekämpfen. Außerdem seien die Kosten drastisch gestiegen. In den 1990er Jahren habe der Westerwaldkreis noch rund 500 Euro bezahlt, um die Herkulesstauden im Gelbachtal bekämpfen zu lassen. Zuletzt habe das höchste Angebot einer Firma bei rund 15.000 Euro gelegen, so Best.
Herkulesstauden dürfen nicht mehr chemisch bekämpft werden
Die gestiegenen Kosten hängen maßgeblich mit der Art der Bekämpfung zusammen. "Früher durfte man die Herkulesstauden noch mit Pflanzenschutzmitteln bekämpfen, das ist aber bereits seit Jahren verboten, seit der Wirkstoff Glyphosat in die Kritik geraten ist", erklärt Roger Best.
Dabei sei das Mittel damals nur in geringen Mengen dafür verwendet worden. Man habe es mit einem Schwamm dünn auf die jungen Blätter der Stauden aufgetragen, ohne dass etwas auf den Erdboden tropfte. Die Pflanzen seien dadurch schnell abgestorben. Das sei eine effektive und kostengünstige Methode gewesen.
"Seit dem Verbot dürfen die Herkulesstauden nur noch ausgegraben werden. Oder man schneidet die Blütenstände ab, bevor sie Samen bilden", erklärt Best. Die Stauden müssten dann auf der Deponie entsorgt werden, das alles sei viel aufwändiger und teurer.
Sie ist außerdem eine gefährliche Schönheit, ihr Pflanzensaft hat es in sich.
Herkulesstaude bei uns nicht heimisch und gefährlich
Ursprünglich stammt die Herkulesstaude aus dem Kaukasus. In der EU gilt sie als sogenannte invasive Art, weil sie heimische Arten verdrängt und keine natürlichen Feinde bei uns hat. Sie wächst schneller als andere Pflanzenarten und kann große Bestände bilden.
Artenvielfalt Invasive Pflanzen können Jahrzehnte schlummern und dann zum Risiko werden
Zwischen der Einschleppung neuer Arten und ihrer massiven Ausbreitung liegen oft Jahrzehnte. Das erschwert die Bewertung des Risikos und den Schutz einheimischer Pflanzen immens.
"Sie ist außerdem eine gefährliche Schönheit, ihr Pflanzensaft hat es in sich", weiß Roger Best. Der Saft zerstöre den UV-Schutz der Haut, sodass Sonnenstrahlen ungehindert auf das Hautgewebe einwirken könnten. Das führe bei Menschen und Tieren bis zu Verbrennungen dritten Grades.
Blüten sind beliebt bei Insekten
Auch wenn die Herkulesstaude jetzt im Auftrag des Westerwaldkreises nicht mehr im Gelbachtal bekämpft wird, geht Roger Best nicht von einer massenhaften Ausbreitung der Pflanze dort aus. "Im Gelbachtal werden die Wiesen von den Landwirten bis nah ans Ufer gemäht, da kann sie sich also nicht weiter ausbreiten."
Außerdem seien viele Uferbereiche des Gelbachs durch Bäume beschattet, das möge die Herkulesstaude nicht. Im oberen Bereich des Gelbachtals setze die Verbandsgemeinde Montabaur zudem die Bekämpfung auf eigene Kosten fort. Und die Herkulesstauden, die jetzt ungehindert wachsen, hätten bei all dem Ärger auch etwas Gutes: Ihre großen, weißen Blüten seien ein wahrer Insektenmagnet.