Der Umzug von des ZF Standorts aus dem Ahrtal nach Niederzissen in einen modernen Neubau ist eigentlich für 2026 geplant. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist laut ZF aber weiterhin unklar. Auch eine Versammlung der Belegschaft am Dienstag brachte keine neuen Sicherheiten für die Mitarbeitenden. Am Rande des Treffens äußerten sich Teile der Belegschaft kritisch und enttäuscht.
Mitarbeiter: "Uns wird der Boden unter den Füßen weggerissen"
Holger Dorben, der seit 42 Jahren im Betrieb arbeitet, betont zum Beispiel, man müsse die ganze Vergangenheit betrachten. Er uns seine Kollegen hätten schon viel erlebt. Nicht nur die Transformation von einem Produkt zum anderen, sondern auch die Flut im Ahrtal, bei der das Werk in Bad Neuenahr-Ahrweiler vom Hochwasser stark getroffen worden war: "Irgendwie sind wir immer wieder aufgestanden und jetzt schleicht sich irgendwie das Gefühl ein, dass wir so den Boden unter den Füßen weggerissen bekommen. Das ist jetzt nicht mehr ganz so prickelnd hier."
Stimmungslage bei ZF zwischen Frust, Hoffnung und Kampfwille
Vera Dernbach arbeitet seit 2003 bei ZF. Sie spricht von einer sehr gedrückten Stimmung. "Weil wir wie auf einem Resetknopf zurück in die Zeit katapultiert werden (...) vor unseren ganzen Verhandlungen, die wir schon geführt haben nach der Flut. Das war eine sehr, sehr schwere Zeit (...)." Und Michael Quirmbach, Betriebsratsvorsitzender des Standortes ZF Ahrweiler, gibt sich kämpferisch: "Den Beschäftigten, die seit der Flut wirklich alles gegeben haben, was in ihrer Macht steht, jetzt nicht einmal die Chance zu geben, den Umzug machen zu können, lassen wir uns nicht gefallen."
Laut ZF-Management ist Automobilkrise Schuld
Man müsse den Umzug grundsätzlich neu bewerten, hieß es in einer Stellungnahme von ZF. Nach aktuellem Stand sei das Werk in Ahrweiler - und damit auch das künftige Werk in Niederzissen - nicht profitabel, weil die Mitarbeitenden dort nicht ausgelastet seien. Als Hauptgrund dafür nennt der Konzern die Absatzkrise auf dem europäischen Automarkt, der auch die Zulieferer vor große Probleme stelle. Deswegen könnte auch an anderen Standorten wie Koblenz Personal abgebaut werden.
Sonderausstattung könnte ZF in Ahrweiler zum Verhängnis werden
Dazu komme, dass die Komponenten, die im Moment in Ahrweiler und künftig planmäßig in Niederzissen produziert werden, zu teuren Sonderausstattungen für Autos gehören. Hier zeigten sich Kunden immer weniger bereit, für solch eine Sonderausstattung zusätzlich Geld zu bezahlen, so ein Unternehmenssprecher.
Leider ist das Werk unter den veränderten Marktbedingungen nicht wettbewerbsfähig.
Das alles führe zu einer Neubewertung: "Leider ist das Werk unter den veränderten Marktbedingungen nicht wettbewerbsfähig," so ZF Vorstand Peter Holdmann. Es gehe nun darum, zusammen mit dem Betriebsrat und der Belegschaft Ideen zu entwickeln, wie die Auslastung in dem Werk erhöht werden könne, etwa durch ganz neue Produktionen. Ob dadurch grundsätzlich der Standort rentabel werden kann und den Gewinn abwirft, der aus Unternehmenssicht notwendig ist, scheint aber zumindest fraglich.
Verkauf des neuen ZF-Werks in Niederzissen möglich
Ein Indiz dafür ist, dass sich das Unternehmen auch einen kompletten Verkauf des neu gebauten Werks vorstellen kann. Idealerweise ein Unternehmen, welches das gesamte Werk einschließlich der Belegschaft übernimmt, heißt es von ZF. Wie es ansonsten mit den Mitarbeitenden aussieht, ist unklar. Schon in der Vergangenheit wurden Beschäftigte an andere ZF-Standorte versetzt.
Gewerkschaft IG Metall kritisiert
Gewerkschaft IG Metall setzt auf weitere Verhandlungen
Die Gewerkschaft IG Metall kritisiert die mögliche Kehrtwende des Automobilzulieferers. Man habe bereits versucht, den Konzern von einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell des neuen Standorts zu überzeugen, so ein Gewerkschaftssprecher. Bislang aber ohne Erfolg. Die Gewerkschaft setzt jetzt nach eigenen Angaben auf weitere Gespräche im Januar. Dann werde sich zeigen, ob ZF zu seiner Verantwortung stehe.
ZF hatte den Neubau und Umzug von Ahrweiler nach Niederzissen eigentlich beschlossen, weil der alte Standort im Ahrtal hochwassergefährdet war.