Damit das Handkeesfescht ausfällt, braucht es schon einen Weltkrieg oder eine globale Pandemie. Das sind zumindest die Erfahrungswerte aus den vergangenen 100 Jahren: Der 2. Weltkrieg und Corona - das waren die einzigen Gelegenheiten, bei denen sich die Lustadter vom gemeinsamen Käseessen abhalten ließen. Sonst ist das "Loschter Handkeesfescht" ein Fels im Südpfälzer Veranstaltungskalender - und das schon seit dem 03. Mai 1925.
Vier Tage Loschter Handkeesfescht
Jährlich kommen tausende Besucher in der Südpfalz in Lustadt zusammen. Und in diesem Jahr könnten es noch mal ein paar mehr werden: Denn zu seinem Jubiläum dauert das Handkeesfescht vier Tage. Bis zum Sonntag laufen dann die Feierlichkeiten im Maiblumenwald mit Livemusik, einer Hüpfburg – und natürlich ganz viel Handkees.
Hunderte von Helfer in Lustadt am Start
Entscheidend für den Andrang sei immer das Wetter, erklärt Anette Kloos, die Geschäftsführerin des Festes. Da in diesem Jahr Sonnenschein und hohe Temperaturen vorhergesagt sind, erwartet sie für den Auftakt einen vollen Platz und eine gute Auslastung der insgesamt 8.500 Steh- und Sitzplätze. Das Problem seien nicht die vielen Besucher. Das Problem sei, die Helfer zu finden, die es für ein Fest in dieser Größenordnung braucht: Alleine für den 1. Mai benötige sie 600 Leute, die sich um Ausschank, Verkauf und das Fest kümmern, so Anette Kloos. Wenn die ersten Käsebrote auf dem Festplatz über die Theke gehen, sitzt die Geschäftsführerin schon an den Plänen fürs kommende Jahr.
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100 Jahre Handkees: "Fliegen dürfen nicht fliegen"
Traditionell wird der Handkees mit Butter auf einer frischen Scheibe Schwarzbrot verkauft, dazu kommt sahniger Quark, gewürfelte Zwiebelstückchen, Schnittlauch und Radieschen. Der Handkees für das "Loschter Fescht" kommt von einer Käserei aus Hessen; das Besondere daran: sein hoher Fettgehalt, verrät Anette Kloos. Sie ist selbst in Lustadt aufgewachsen und genießt den Handkees nur im April. Ist das Handkeesfescht am 04. Mai vorbei, wird bei ihr - und bei den meisten anderen Lustädtern übrigens ebenso - kein Handkees mehr gegessen, auch im Supermarkt in Lustadt kommt er dann nicht mehr ins Regal.
Auch das hat mit der langen Tradition des Festes zu tun: Früher wurde das Molkereiprodukt nämlich in Tontöpfen aufbewahrt. Kamen die Fliegen im Mai, bestand die Gefahr, dass sie ihre Eier in den Handkees legten und der dann nicht mehr essbar war. "Deswegen hieß es bei uns zu Hause: die Fliegen dürfen nicht fliegen", erinnert sich Anette Kloos.