Bischof Wiesemann sagte, ihm fehle wegen einer Depression die Kraft, den Reformprozess in der Diözese umzusetzen. Dabei soll die Zahl der Pfarreien deutlich reduziert werden. Außerdem sehe er sich nicht in der Lage, das 1.000-jährige Dom-Jubiläum im Jahr 2030 vorzubereiten.
"Vor 20 Jahren konnte ich locker 80 Stunden pro Woche arbeiten. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Ein Nachfolger solle sich mit voller Kraft um beide Projekte kümmern", so Wiesemann wörtlich.
Der 66-Jährige will weiter seelsorgerisch tätig bleiben, allerdings außerhalb des Bistums Speyer: "Wohin? Das weiß ich noch nicht. Ich weiß aber, dass ich weiter als Priester Zeugnis geben möchte, mit all der Kraft, die ich habe!"
Wiesemann, der am 1. August seinen 66. Geburtstag feierte, leitete das Bistum Speyer seit März 2008. Er hatte sich erst kürzlich öffentlich zu seiner überstandenen Depression geäußert. In einem SWR-Interview anlässlich seines 65. Geburtstags hatte er vergangenes Jahr den Wunsch angegeben, möglichst lange gesund zu sein und seinen Dienst tun zu können.
Glaube, Zweifel, Verantwortung Der Bischof von Speyer hat Geburtstag: 6,5 Fragen zum 65sten
Zum 65. Geburtstag spricht Bischof Karl-Heinz Wiesemann offen über Älterwerden, Glaubensfragen – und die dunklen Stunden in seinem Amt.
Speyer: Bischof Wiesemann bittet um Verständnis für Entscheidung
"Ich sehe es auch als Verantwortung an, wenn man weiß, dass man einer Aufgabe nicht mehr im nötigen Umfang gerecht werden kann, das auf Zeit verliehene Amt für einen anderen, nun besser Geeigneten, wieder freizugeben", schrieb Wiesemann ein Jahr später in einem Brief an alle Gläubigen. Er wisse, dass seine Entscheidung viele Menschen bewegen werde, und bitte um Verständnis für seinen Schritt.
Papst Leo XIV. hat das Rücktrittsgesuch angenommen. Das teilte der Vatikan am Mittwoch ohne weitere Angaben mit.
"Von Herzen dankbar" - Kirchenpräsidentin Wüst würdigt Wiesemann
Als eine der ersten hat sich am Mittwoch die Präsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, zu Wort gemeldet: Sie bedaure den Rücktritt des Bischofs, habe aber auch großen Respekt vor diesem Schritt. Sie sei dankbar für "die Weggemeinschaft, die uns miteinander verbindet."
Auch dank Wiesemann gebe es heute eine besondere ökumenische Nähe zwischen dem Bistum Speyer und der Evangelischen Kirche der Pfalz. "Dafür bin ich ihm persönlich und im Namen der Evangelischen Kirche der Pfalz von Herzen dankbar und werde ihn vermissen."
So geht es nun weiter im Bistum Speyer
Mit dem Rücktritt von Bischof Wiesemann ist die sogenannte Sedisvakanz des bischöflichen Stuhls eingetreten. Laut der Mitteilung des Bistums Speyer endet damit auch automatisch die Amtszeit des Generalvikars Markus Magin. Ebenso hören der Priesterrat und die Diözesanversammlung auf zu bestehen.