Viele Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sind auch von digitaler Gewalt betroffen. Das ist die Erfahrung von Jana Mohr und Michelle Sommer-Richler. Beide arbeiten bei der Opferberatung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen. Wir treffen beide, um mit ihnen über digitale Gewalt zu sprechen.
Opferberatung: Fernandes kein Einzelfall
Allein im vergangenen Jahr waren es 31 Frauen, die wegen häuslicher Gewalt bei der Opferberatung der Polizei Hilfe suchten. Häufig erfahren diese Frauen auch digitale Gewalt, spätestens dann, wenn sie es schaffen, sich von ihrem gewalttätigen Partner zu trennen, so Sommer-Richler.
Eine Frau sei beispielsweise im Dezember zu ihr gekommen, weil ihr Ex-Partner sie über Social-Media-Plattformen verfolgt und bedroht hatte, berichtet Michelle Sommer-Richler. Zudem habe er einen Fake-Account der Frau bei Facebook angelegt. Darauf habe er auch Nacktbilder veröffentlicht. Den Account habe er mit Freunden von ihr geteilt. "Das war extrem belastend für die Frau", sagt die Opferberaterin. Denn: "Das ist wirklich schwierig, bis so eine Seite dann gelöscht wird."
Digitale Gewalt: Was macht das mit den Opfern?
Egal, ob die Opfer im Internet gestalkt, gemobbt und bedroht werden oder ob sie gar Fake-Accounts ausgesetzt sind. Die Belastung bei digitaler Gewalt sei für die Opfer genauso hoch wie bei analoger, physischer und psychischer Gewalt, sagt Opferberaterin Jana Mohr: "Digitale Gewalt hat eine Omnipräsenz, weil sie ja nur aufhört, wenn ich das Handy weglege. Und das ist ganz wichtig, dass wir das auch benennen und nicht beschönigen, so nach dem Motto: Klicks doch weg."
Was hilft Täter zu überführen?
Schlimm für die Opfer sei auch, dass sich die Ermittlungen oft lange hinziehen. Denn gerade im digitalen Raum sei es für die Polizei sehr schwierig, die Täter zu überführen. Betroffenen rät Sommer-Richler, Beweise zu sichern, etwa Screenshots von den Posts zu machen, auf denen auch der Link und die Uhrzeit zu sehen seien.
Nach Fernandes-Fall Digitale Gewalt und Deepfakes im Internet: "Opfer werden zum Objekt degradiert"
Der Fall der Schauspielerin Collien Fernandes zeigt, dass sexualisierte Gewalt im Internet ein wachsendes Problem ist. Die Opfer leiden massiv, sagt eine Stuttgarter Anwältin.
Polizei Ludwigshafen: Was hilft den Opfern?
Jedes Opfer eines Verbrechens kann sich an die beiden Beraterinnen beim Polizeipräsidium Rheinpfalz wenden und bekommt auch kurzfristig einen Termin. Die Gespräche unterliegen der Schweigepflicht, das heißt die Infos werden nicht automatisch an die Polizei weitergegeben, erklären die Sozialpädagoginnen. Es werde also niemand dazu gedrängt, Anzeige zu erstatten.
So helfen die Beraterinnen
Dafür hören die Frauen einfach zu. Und sie klären die Betroffenen auch auf, etwa welche Möglichkeiten es gibt, sich zu schützen oder wie polizeiliche Ermittlungen ablaufen. Vor allem geben sie auch Tipps, wo Betroffene noch ganz gezielt Hilfe finden können. Denn beide sind gut vernetzt mit anderen Opferberatungsstellen, mit Frauenhäusern, mit therapeutischen Anlaufstellen und mit Vereinen, die auch rechtlich helfen können, dass etwa Beleidigungen oder auch Nacktfotos wieder aus dem Netz verschwinden.
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Fall Fernandes: Was sagen die Opferberaterinnen?
Beide sind froh über die Debatte, die die Schauspielerin Collien Fernandes angestoßen hat. Solche Fälle würden zeigen, wie viel Betroffene es in der Gesellschaft gebe. Und sie würden helfen, diese systematischen Formen der Gewalt sichtbar zu machen, sagt Jana Mohr und weiter: "Je mehr wir darüber sprechen, auch darüber welche Hilfsorganisationen es zum Beispiel gibt, was man tun kann, desto besser sind die Menschen informiert, falls es ihnen selbst passiert."
Und Michelle Sommer-Richler macht klar: "Was wir noch im Alltag merken ist, dass es für Frauen oft wahnsinnig anstrengend und frustrierend ist und sie viel kämpfen müssen - auch bei Gericht, mit Gewaltschutz, weil es einfach immer noch sehr schwierig ist und die Hürden hoch sind. Ich denke genau das wird sich in Zukunft verändern müssen und sich auch verändern, weil wir eben solche Debatten haben."