Unternehmen Geopfalz versucht zu beruhigen

Bürger in Waldsee verunsichert wegen Geothermie-Projekt

In Waldsee soll es bald Geothermie-Bohrungen geben. Doch viele Anwohner sind skeptisch und haben Angst. Bei einer Infoveranstaltung wollte die Projektgesellschaft beruhigen.

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Von Autor/in Anna Flörchinger

Es war ein bisschen wie bei einer Flughafenkontrolle: Die Anwohnerinnen und Anwohner von Waldsee mussten sich vorab für die Informationsveranstaltung anmelden und sich in die richtige Schlange reihen. Acht Security-Mitarbeiter kontrollierten die Personalausweise. Erst dann durften sie zu einer der beiden Infoveranstaltungen am Montagnachmittag über das geplante Geothermie-Projekt in ihrem Ort. Ohne Anmeldung durfte man nicht rein - einige Anwohner wurden daher wieder weggeschickt.

600 Menschen informierten sich über Geothermie-Projekt

Etwa 600 Menschen hatten sich angemeldet, doch den Aufwand und das Security-Aufgebot fanden viele übertrieben, erzählten sie im Gespräch. Der Veranstalter "Geopfalz" - eine Projektgesellschaft - hatte wohl mit extremen Auseinandersetzungen mit den Bürgern gerechnet. Deshalb hatten sie auch eine unparteiische Moderationsfirma aus der Schweiz engagiert.

Menschen stehen vor Eingang der Kulturhalle Waldsee
Die Anwohnerinnen und Anwohner von Waldsee mussten sich für die Infoveranstaltung vorab anmelden und beim Einlass ihre Ausweise vorzeigen.

Die Diskussion um das Geothermie-Projekt in Waldsee war dann auch aufgeheizt. Gegenüber der Kulturhalle, dem Veranstaltungsort, protestierte die Bürgerinitiative mit Plakaten gegen die Geothermie in Waldsee. Der Initiative haben sich bereits über 500 Menschen angeschlossen, sagte Thomas Biro von der Initiative. Mehr als 1.600 Personen hätten die Petition gegen das geplante Projekt unterschrieben.

Wo in Waldsee nach Tiefenwärme gesucht werden soll, steht noch nicht fest

Um die Geothermie in Waldsee kümmert sich die Projektgesellschaft "Geopfalz" zusammen mit den Stadtwerken Speyer und Schifferstadt. Doch auf welchem Grundstück genau später nach der Tiefenwärme gesucht und daher gebohrt werden soll, ist noch nicht ganz klar.

Geopfalz versicherte den Anwohnerinnen und Anwohnern dabei Transparenz. Geschäftsführer Jörg Uhde erklärte bei der Infoveranstaltung, dass erst im Frühsommer klar war, dass Waldsee überhaupt gute Standortbedingungen für eine Geothermie-Bohrung hätte.

Jetzt rollt eine Maschinerie auf uns zu

Doch genau diese Standortsuche bereitet den Anwohnern Sorge. Eine Bewohnerin von Waldsee erklärte: "Wir haben ein Naturschutzgebiet hier. Da darf man auch nicht mit dem Hund langlaufen. Aber jetzt rollt eine Maschinerie auf uns zu!" Sie sorge sich um das Naturschutzgebiet. Und auch um andere Risiken, wie Erdbeben, die bei anderen Geothermie-Projekten schon vorgekommen seien. Auch eine mögliche Grundwasserverschmutzung sorge sie, sagte sie.

Geopfalz: Keine Erdbebengefahr oder Grundwasserverschmutzung bei Geothermie in Waldsee

Geopfalz versuchte, bei der Infoveranstaltung zu beruhigen. Dem Grundwasser drohe keine Verschmutzung und auch eine induzierte Seismizität, also Erdbeben, die durch menschliche Eingriffe entstehen, könne man in Waldsee ausschließen, sagt die zweite Geschäftsführerin von Geopfalz, Claire Weihermüller. Und auch um Lärmbelästigung müsse sich niemand sorgen. Und: Waldsee werde selbstverständlich auch von der nachhaltigen Energie, die ab 2030 kommen könnte, profitieren.

Dennoch plane Geopfalz, sich umfangreich zu versichern: auf Schäden bis zu 100 Millionen Euro. Die Stadtwerke Schifferstadt und Speyer versichern, dass das eine viel zu hohe Summer sei, die man gar nicht brauchen werde.

Das Projekt solle zu 40 Prozent vom Bund und mit 100 Millionen Euro von den Stadtwerken finanziert werden, so Geopfalz. Das Unternehmen machte bei der Infoveranstaltung deutlich: Es gebe keine finanziellen Risiken für Bürger oder den Haushalt der Kommune.

Sorge wegen Geothermie-Projekt Landau

Gleich zu Beginn der einstündigen Präsentation erzählten die Geschäftsführer von Geopfalz, Uhde und Weihermüller, Geothermie-"Erfolgsstories". Zum Beispiel aus Unterhaching bei München.

Archivbild vom Geothermiekraftwerk in Landau
Geothermiekraftwerk in Landau aus dem Jahr 2010.

Doch die Negativbeispiele sind den Waldseern auch bekannt. In Landau zum Beispiel, da war es vor mehr als zehn Jahren wegen der Bohrungen zu Rissen in Häusern und Straßen gekommen.

Nach der Infoveranstaltung waren einige Bürger und Bürgerinnen beruhigt. Ein Mann sagte, er habe nicht das Gefühl, dass jemand ihnen in Waldsee etwas Böses wolle. Eine andere Anwohnerin sieht in der Geothermie gar eine Chance: "Warme Haushalte brauchen wir alle", sagte sie.

Doch viele bleiben weiter skeptisch. Thomas Biro von der Bürgerinitiative sagte, dass sie selbst Infoveranstaltungen für Anwohner planen würden - aber "neutrale", bei denen man sich nicht anmelden müsse. Sie wollen weiter Stimmen für eine Petition gegen das Erdwärme-Projekt in Waldsee sammeln. Und dieses verhindern.

Landau

Vertrag unterschrieben Landau soll deutlich stärker mit Hilfe von Geothermie heizen

Wenn es nach Landaus Oberbürgermeister Dominik Geißler (CDU) geht, war am Montag ein "bedeutsamer Tag" für Landau. Es wurden die Weichen dafür gestellt, dass die Stadt 35 Jahre lang mit Wärme aus Tiefengeothermie versorgt wird.

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Anna Flörchinger
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