In Kanada, Mexiko und den USA rollt aktuell der Ball bei der Fußball-WM 2026. Das Gefühl, eine Weltmeisterschaft auszutragen, kennen auch die Menschen in Kaiserslautern. In diesen Tagen ist es genau 20 Jahre her, dass die Welt zu Gast bei Freunden in der Pfalz war.
Unter anderem auf dem Stiftsplatz: Dort wo die Spiele der Fußball-WM gezeigt wurden, zieht es Brigitte Rottberg auch heute noch gerne hin. Sie und ihr Team haben die WM-Meile geplant - mit den Zelten in der Innenstadt und dem Public Viewing. Ein ziemlicher Kraftakt für Rottberg: "Es waren wahnsinnig lange Tage. Da trinkst du auch kein Bier vier Wochen lang. Höchstens nachts um zwei, wenn schon alle schlafen waren."
Als das Bier in Kaiserslautern leer war
Doch genau das Bier sorgte während der WM 2006 in Kaiserslautern für Stress bei Brigitte Rottberg. Beim ersten Gruppenspiel am 12. Juni 2006 zwischen Japan und Australien gab es plötzlich kein Bier mehr in der Stadt. Vor allem die australischen Fans hatten es leergetrunken. Nachschub musste her.
"Als Australien zum Achtelfinale wieder kam, da waren alle gewappnet. Ich glaube, es gab in ganz Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland kein Bier mehr, weil alles hier war, damit das nicht nochmal passiert", lacht Rottberg. Beim WM-Aus der Australier gegen Italien war dann genug Bier da.
Trotz der ganzen Arbeit bleibt ihr die WM 2006 in Kaiserslautern in schöner Erinnerung: "Es sind die Fanbegegnungen und wie sich die Menschen zurecht gemacht haben, aus allen Ländern. Oder auch die Polizeistreife auf Inline-Skates - das bleibt in Erinnerung."
Positive WM-Bilanz der Polizei
Der Polizeipräsident in Kaiserslautern war damals ein gewisser Wolfgang Erfurt. Heute blickt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern mit viel Stolz auf den Sommer 2006 zurück. Das WM-Fest in der Stadt verlief friedlich. Die Herausforderung war dennoch groß. "Das war eine spannende Zeit. Es war für ein Polizeieinsatz eine Dimension, die bis dato völlig unbekannt war", so Erfurt.
Laut des ehemaligen Polizeipräsidenten waren an den Spieltagen gut 100.000 Menschen in der Stadt unterwegs. Trotz der großen Menschenmassen kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Erfurt haben vor allem die internationalen Fans imponiert: "Die Stadt war am saubersten, wenn die Japaner da waren. Und die Australier haben bewiesen, dass man sich auch mit Anstand betrinken kann."
Stars treten zur WM in Kaiserslautern auf
Auf der Fanmeile wurde aber nicht nur getrunken, sondern auch viel gefeiert. Für das musikalische Programm war Timo Holstein zuständig. Die Liste der Acts, die er nach Kaiserslautern zur WM geholt hat, kann sich sehen lassen: unter anderem Reamonn, The Bosshoss, Revolverheld oder auch Roger Cicero. "Es war eine turbulente Zeit, mit einem Vorlauf von nur vier Monaten, um solche Acts herzuholen", erinnert Holstein.
Mit den Stars sollte auch der Blick nach Kaiserslautern gerichtet werden. "Ich habe Kollegen im Management bundesweit angerufen und gesagt, dass Kaiserslautern eine musikaffine Stadt ist, die sich gut anstellen wird", so Holstein. Durch die WM entwickelte der Eventmanager auch einen guten Draht zum 2016 verstorbenen Jazzmusiker Roger Cicero: "Er hat immer wieder über seinen Auftritt in Kaiserslautern gesprochen."
Emotionen wirken auch heute noch
Ins SWR PopUp Studio hat sich am Donnerstag (11. Juni) auch Alexander Hess eingefunden. Hess war damals für Veranstaltungen, das Catering oder auch die Plätze in der Innenstadt zuständig. Bei den Erinnerungen zum 20-jährigen Jubiläum der WM in Kaiserslautern kommen die Emotionen hoch: "Das sind tolle Bilder. Ich bin so stolz, dass wir das als Team stemmen und ein Wir-Gefühl für Kaiserslautern entwickeln konnten."
Kaiserslautern als Vorbild für andere Städte
Darüber hinaus hatte die WM 2006 in Kaiserslautern auch einen Vorbildcharacter für andere Großturniere. Alexander Hess nennt die Fußball-Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz stattfand. "Ich durfte mit dem EM-Koordinator von Klagenfurt sprechen. Die hatten uns gefragt, wie es geht, um vergleichbare Städte als Blaupause zu verwenden", verrät Hess.
Ob Kaiserslautern ein solches Turnier noch einmal austragen kann? "Möglich ist alles. Und es würde unserer Stadt auch gut stehen", sagt der Citymanager. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) denkt aktuell über eine Bewerbung für die WM 2038 oder 2042 nach. In einem ersten Vorschlag sind 14 Stadien aufgezählt worden – darunter das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern. Für eine finale Bewerbung müsste das Stadion aber ausgebaut werden.