Christiane Herz ist Vorsitzende der GEW Rheinland-Pfalz und vertritt rund 10.000 Lehrkräfte in Rheinland-Pfalz. Besonders kritisch sieht Christiane Herz, dass der Personalrat an der Problemschule in Ludwigshafen aufgelöst werden soll. Darüber soll das Verwaltungsgericht in Mainz entscheiden. So ein Vorgehen habe es noch nie gegeben, sagt Herz. Die ADD in Trier, das ist Schulaufsichtsbehörde, unterstützt damit den Antrag des bisherigen Schulleiters der Karolina. Der soll ja an eine andere Schule versetzt werden.
Das Verwaltungsgericht befasst sich mit dem Thema laut dem Evangelischen Pressedienst (epd) wohl erst im kommenden Jahr mit dem Fall.
Ministerin greift bei Skandalschule durch Schulleiter muss Karolina-Burger-Realschule verlassen
Reizgas, Gewalt und immer wieder Feueralarm - oft war die Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen in den Schlagzeilen. Jetzt greift Bildungsministerin Eiling-Hütig durch.
Ministerin: Personalrat hat Schulfrieden gefährdet
Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU) sagte als Begründung vor einigen Tagen, der Personalrat habe seine gesetzlichen Pflichten, wie etwa die vertrauensvolle Zusammenarbeit verletzt und das habe den Schulfrieden gefährdet. Gewerkschafterin Herz ist gespannt, ob das Verwaltungsgericht auch eine grobe Pflichtverletzung sieht.
GEW-Vorsitzende: Fraglich, ob Maßnahmen greifen
Herz zweifelt allerdings daran, dass die Maßnahmen des Ministeriums zu einem Neuanfang an der Karolina-Burger-Realschule plus führen. Das Maßnahmenpaket des Bildungsministeriums sieht auch vor, dass Personal von Schulaufsicht, Pädagogischem Landesinstitut und Ministerium zunächst täglich vor Ort die Lehrkräfte unterstützt. Zudem sollen zusätzliche Sozialpädagogen und Deutschförderkräfte an die Schule entsandt werden.
Schulleiter in Ludwigshafen wird abgeordnet
Die Minsterin hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass der Schulleiter bereits Mitte des Monats an eine andere Schule abgeordnet werden soll. Die Leitung soll zunächst die Konrektorin übernehmen. Zwei weitere Lehrkräfte - eine davon aus dem Schulleitungsteam - werden versetzt.
Die Art und der Zeitpunkt der geplanten Versetzungen von Lehrerin, Konrektor und Rektor würden zusätzliche Unruhe und Misstrauen schaffen, fürchtet Christiane Herz.
GEW: Ruhe und Unterstützung
Jetzt brauche es vor allem Ruhe und Unterstützung für das Kollegium, damit sich die Lehrkräfte versöhnen und gemeinsam nach vorne blicken können, meint Herz. Entscheidend sei weniger, wer die Schule verlasse, sondern wer künftig die Schule führt, welches Team Verantwortung übernimmt und welchen Plan die Landesregierung dafür hat.
Personalrat der Schule wird beraten
Der Personalrat wird laut Herz zurzeit von Bezirkspersonalräten beraten, denn es gehe um personalrechtliche Verfahren mit Fristen, Anhörungen und Zustimmungen, um für alle einen tragfähigen Weg zu finden.
Verband Bildung und Erziehung will genau beobachten
Lars Lamowski, der Vorsitzende des Landesverbandes Bildung und Erziehung (VBE), sagte dem SWR, das Land müsse gute Gründe haben, wenn es vor dem Verwaltungsgericht in Mainz Erfolg haben will. Sein Verband werde die Vorgänge genau beobachten. Für die Karolina-Burger-Realschule fordert er: "Wir brauchen dringend mehr Schulsozialarbeiter und Psychologen an der Schule."
VBE befürchtet Stigmatisierung von Schülern
Auch für die Lehrkräfte werde "dringend Supervision" benötigt. Die Lehrkräfte bräuchten eine "Reflexion über das, was passiert, damit sie sich als Team begreifen." Der VBE-Landesvorsitzende sagte, er mache sich auch große Sorgen um Schülerinnen und Schüler der "Karolina", weil sie stigmatisiert werden könnten, wenn sie von dieser Schule kommen.
Nach den Sommerferien hatte sich rund ein Drittel der Lehrkräfte krank gemeldet - offenbar auch aus Protest gegen den Schulleiter. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren Stand Montag elf Lehrkräfte erkrankt. Das Ministerium kann künftig ab dem ersten Krankheitstag amtsärztliche Atteste einfordern.
Lehrer beklagen alltägliche Gewalt Schulchaos in Ludwigshafen: Leitung der Karolina-Burger-Schule muss gehen
Viele Lehrkräfte der Karolina-Burger-Realschule plus haben die Nase voll. An ihrer Schule habe sich in den letzten Monaten gar nichts geändert. Jetzt muss der Direktor gehen.
Karolina-Burger-Realschule plus - wie geht es weiter?
Das Bildungsministerium teilte dem SWR mit, "derzeit wird intensiv daran gearbeitet, eine Nachfolge für den Schulleiter zu finden." Wann die neue Schulleitung die Arbeit aufnimmt: Das ist also zurzeit völlig offen.