Vierter Stock, fünfter Stock, sechster Stock und so weiter, immer im Kreis. Je länger man das karge Treppenhaus nach oben oder unten läuft, desto mehr kommt man in einen Zustand der geistigen Abwesenheit. Die Beine machen die Arbeit, der Kopf ist ganz woanders. Dazu ist es noch warm und stickig, die Fenster dürfen aus Brandschutzgründen nicht geöffnet werden. Kein Ort also, den man freiwillig allzu gerne betritt.
Defekter Aufzug für ältere Menschen ein riesen Problem
Für die Bewohner dieses neunstöckigen Hochhauses in der Von-Denis-Straße in Limburgerhof ist die kräftezehrende Tortur jedoch seit inzwischen fünf Wochen Alltag, denn es gibt keine Alternative. Grund ist der defekte Aufzug. Seit dem 27. Juni ist er schon außer Betrieb.
Gerade für Bewohner in den oberen Stockwerken ist das eine Zumutung. Die Tageszeitung "Rheinpfalz" hatte zuerst über den Fall berichtet.
90-Jährige im siebten Stock gefangen
Jutta Hoffmann, die selbst im sechsten Stock wohnt, erzählt entnervt, dass jeder Weg nach draußen gut überlegt werden muss: "Da leiden Laune und Lebenslust drunter." Vor allem ältere Menschen und solche, die nicht gut zu Fuß sind, trifft der lange Ausfall hart. Jutta Hoffmanns Mann ist pflegebedürftig und hat das Haus deshalb seitdem nicht mehr verlassen.
Besonders gravierend ist die Situation aber für eine 90-jährige Bewohnerin. Hoffmann, selbst 69 Jahre alt, berichtet, dass die Frau aus dem siebten Stock auf einen Rollator angewiesen ist und den Aufzug deshalb zwingend braucht. Seit fünf Wochen kann sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen, müsste aber eigentlich zum Arzt.
Tochter, Sohn und Jutta Hoffmann helfen ihr nach Möglichkeit aus, zum Beispiel mit Einkäufen. Trotzdem meint Hoffmann: "Sie erzählte mir, sie käme sich vor wie im Gefängnis."
Auch Pflegedienste und Paketboten betroffen
Der Ausfall des Fahrstuhls führt noch zu viel mehr Problemen, sagt Hoffmann: Zusteller würden die Pakete unten im Erdgeschoss an der Eingangstüre ablegen, Pflegedienste oder mobile Friseure kämen teils nicht mehr zu den Leuten in den oberen Stockwerken. Und auch der Wasserlieferant hätte zu Hoffmann gesagt: "Rufen Sie wieder an, wenn der Aufzug wieder geht."
Einzig die engagierte Postfrau bringe jedem Bewohner die Post bis an die Wohnungstüre und auch der Hausmeister tue, was er könne.
Defekter Aufzug: Hausgemeinschaft hält zusammen
Auch die Hausgemeinschaft hält zusammen. Man hilft sich gegenseitig. Mehrere jüngere Bewohner erzählen dem SWR, dass sie beispielsweise Einkäufe für andere erledigen oder im Keller die Wäsche waschen. Und nachdem der Wasserlieferant nun doch einmal kam, ist bei Jutta Hoffmann auf dem Balkon ein Vorrat an Mineralwasser entstanden, auf den bei Bedarf jeder zurückgreifen kann.
Dennoch, und das sagen alle, mit denen man spricht: Die Situation nervt und der Frust ist groß. Man könne nicht viel machen, außer abzuwarten und auf eine baldige Reparatur zu hoffen.
Diese Woche sollte der Fahrstuhl umgerüstet werden
Doch die ist bisher noch nicht in Sicht. Hoffmann, die auch Eigentümerin ist, schildert die Geschehnisse so: Nach dem Defekt Ende Juni versprach die zuständige Firma Otis in der darauffolgenden Woche, dass ein Ersatz für den kaputten Trafo geliefert werde. Per Express. Dieser hätte dann zeitnah eingebaut werden sollen.
Doch es tat sich nichts.
Bewohner sagen, zuständige Firma lässt Frist um Frist verstreichen
Nach über vier Wochen sei dann ein Experte von Otis vor Ort gewesen und hätte den Vorschlag gemacht, den Fahrstuhl umzurüsten. Statt mit einem Trafo sollte der Aufzug künftig über das Stromnetz versorgt werden.
Diese Woche sollte der Umbau eigentlich starten. Passiert ist nichts. "Wir werden nicht informiert", beschwert sich die 69-Jährige. "Man lässt die Leute im Stich. Mein Mann sagt, das ist unterlassene Hilfeleistung."
Hausverwaltung kritisiert Aufzugsfirma Otis
Auch die Hausverwaltung Michelbach mit Sitz in Ludwigshafen, die das Gebäude verwaltet, macht dem Aufzugsunternehmen Vorwürfe. Geschäftsführerin Barbara Michelbach teilt auf Anfrage mit, für sie sei es unvorstellbar, dass die Firma Otis "derart schlecht auf einen Ausfall des Betriebs vorbereitet sein kann."
Sie wage keine Prognose mehr, sondern könne nur hoffen, dass die Inbetriebnahme nur noch Tage statt Wochen dauert.
Eigentümer: "Aufzugsfirma bekommt 9.000 Euro im Jahr für reibungslosen Betrieb"
Ärgerlich ist laut Hoffmann zudem, dass der Aufzug erst vor drei Jahren saniert wurde. Otis bekomme von der Eigentümergemeinschaft pro Jahr 9.000 Euro dafür, den Fahrstuhl einsatzbereit und problemfrei zu halten.
Bei der nächsten Eigentümerversammlung wollen Eigentümer und Hausverwaltung einen anderen Anbieter suchen.
Aufzugsfirma sagt, Lieferschwierigkeiten sind das Problem
Die Firma Otis bedauert auf SWR-Anfrage die Unannehmlichkeiten und gibt an, sich nach Feststellung des Defektes sofort mit ihrem Lieferanten in Verbindung gesetzt zu haben. Nachdem dieser jedoch einen Liefertermin in einigen Monaten nannte, habe man mit der Hausverwaltung nach einer alternativen Lösung gesucht.
Man sei beauftragt worden, den Aufzug von Transformatorenbetrieb auf Netzbetrieb umzustellen. Auf ein für den Umbau notwendiges Ersatzteil warte man derzeit. Die Firma gehe davon aus, dass der Aufzug im Laufe der kommenden Woche wieder in Betrieb gehen kann.