Als das mutmaßliche Opfer - eine schlanke, jugendlich wirkende Frau - den Saal 20 im Frankenthaler Landgericht für ihre Aussage betritt, müssen alle Besucher und auch alle Pressevertreter den Saal verlassen. Denn das Gericht hat bei ihrer Aussage die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das hatte die Anwältin der Frau beantragt, um die Intimsphäre der Frau während ihrer Aussage vor Gericht zu schützen.
Zudem muss die Frau ihren aktuellen Wohnort nicht nennen. Auch das soll dem Schutz der Frau dienen – und zwar vor dem mutmaßlichen Täter. Der angeklagte Mann aus Bad Dürkheim muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht in Frankenthal verantworten.
Anklage: Brutale Schläge, Tritte und Vergewaltigung
Brutale Schläge, Tritte gegen den Kopf und in den Rücken: Die damalige Lebensgefährtin des 42-jährigen Angeklagten wurde laut Anklage über fast zwei Monate hinweg brutal misshandelt, mehrfach zu sexuellen Handlungen gezwungen und auch vergewaltigt.
Angeklagter aus Bad Dürkheim soll Videos von Vergewaltigung gemacht haben
Der Angeklagte hat laut Staatsanwaltschaft sogar Videos von der Vergewaltigung und einer anderen Tat gemacht - ohne das Einverständnis des Opfers. Die Taten seien im vergangenen August und September begangen worden. Nach Angaben seines Anwaltes Roman Schweitzer wird sich der Angeklagte im Verlauf des Verfahrens zu den Vorwürfen äußern.
Am Dienstag machte der 42-Jährige lediglich Angaben zu seiner Person. Dabei wirkte er ruhig und gefasst und beantwortete alle Fragen des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Nebenklägerin ausführlich mit deutlich hörbarem pfälzischen Tonfall. Der Anwalt sagte dem SWR, sein Mandant werde im Verlauf des Verfahrens alle Anklagepunkte zurückweisen. Seit Anfang des Jahres sei sein Mandant in Untersuchungshaft.
Täter und Opfer waren laut Landgericht zum Zeitpunkt der Taten in einer kurzzeitigen Beziehung. Mit dem Ende der Taten sei auch die Beziehung zu Ende gegangen, hieß es weiter.
Anklage: Gegenstände gegen Kopf des Opfers geworfen
In der Anklage sind insgesamt 20 Taten aufgelistet. So soll der 42-Jährige seine damalige Freundin mit dem Kopf gegen eine Wand und mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Zudem soll er ihr eine Taschenlampe und andere Gegenstände gegen den Kopf geworfen haben.
Freundin gezwungen, Drogen zu nehmen?
In zehn Fällen soll er sie teilweise durch Drohungen und Schläge gezwungen haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Dem 42-jährigen Angeklagten wird weiter vorgeworfen, im September 2024 seine Ex-Freundin in zwei Fällen bedroht zu haben, um diese dazu zu bringen, Amphetamin einzunehmen. Aus Furcht vor dem Angeklagten soll die Frau die Drogen zu sich genommen haben.
Angeklagter mehrfach vorbestraft
Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft – unter anderem wegen Drogenhandels, Fahren ohne Führerscheins und Körperverletzung. Schon mit 13 oder 14 Jahren habe er begonnen, Drogen zu nehmen, sagte der Mann am Dienstag vor Gericht aus. Er hat keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung und hat unter anderem als Hilfsarbeiter im Gerüstbau und bei Kanalreinigungsfirmen gearbeitet.
Der Angeklagte hatte bislang laut Landgericht zu den Vorwürfen in der Anklage geschwiegen. Für das Verfahren sind vier Verhandlungstage bis zum 4. August angesetzt.