Die Präsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, Dorothee Wüst, ist zugleich Medienbischöfin und hat sich im SWR-Interview deutlich für eine Beschränkung in den Sozialen Netzwerken zum Schutz für Jugendliche und Kinder ausgesprochen. Allerdings setzt sie mehr auf Freiwilligkeit als auf Verbote.
"Ein Mittel, das ich begrüßenswert fände, kennen wir aus der Filmindustrie: Die freiwillige Selbstkontrolle", sagte Dorothee Wüst dem SWR. Filme bekommen seit den 50er Jahren von einem inhaltlich unabhängigen Gremium ein Label, ab welchem Alter sie geeignet sind. Die Idee sei nicht von ihr, aber sie fände sie sinnvoll, denn eine Altersempfehlung für Online- und Social Media-Plattformen würde Eltern oder Lehrern eine Orientierungshilfe geben. Eine Plattform zum reinen Austausch von kurzen Nachrichten mit Bildern oder kleinen Videos, wie beispielsweise Snapchat, sei sicherlich auch für jüngere geeignet, wohingegen Plattformen, auf denen Jugendliche Fakenews ausgesetzt sind oder gewaltverherrlichenden Videos sicherlich eine Altersbeschränkung brauchten.
Ein Mittel, das ich begrüßenswert fände, kennen wir aus der Filmindustrie: Die freiwillige Selbstkontrolle
Jugendliche umgehen Verbote
Dorothee Wüst sieht Verbote und zwangsweise Medienbeschränkung auch aus anderen Gründen kritisch. Zum einen sei es technisch sehr schwer umsetzbar, dass Jugendlichen der Zugang zu bestimmten Plattformen versperrt bleibt. Zum anderen: Selbst wenn es technisch gelänge, bestimmte Inhalte oder Apps und Programme für bestimmte Altersgruppen zu sperren, so würden Jugendliche sehr schnell Wege finden, sich trotzdem Zugang zu verschaffen und damit diese Verbote zu umgehen. Viele junge Menschen sind technisch sehr viel versierter, als beispielsweise ihre Erziehungsberechtigten.
Jugendlichen Medienkompetenz verschaffen
Ein weiteres Problem: Es gibt Eltern, denen ist egal, was ihre Kinder sich wann anschauen, welche Spiele sie spielen oder auf welchen Plattformen sie surfen oder sich austauschen. Hier wäre es sinnvoller, die Jugendlichen selbst darauf vorzubereiten, was sie im Internet vorfinden und was das mit ihnen machen kann. Die Medienbischöfin sieht da vor allem Schulen gefordert.
Medienbildung müsse viel früher als bisher ansetzen. Wenn das erst in Klassenstufen mit Jugendliche von 14 oder gar erst mit 16 Jahren geschieht, dann haben die Jugendlichen schon viel zu viel gesehen und sehen es auch wohl kaum noch ein, sich selbst zu beschränken. Aber genau dass wäre ein erstrebenswertes Ziel: Das Jugendliche selbst erkennen, welcher Medienkonsum ihnen schadet, wieviel Zeit sie im Netz vergeuden. Statt dass sich Jugendliche anspornen, noch mehr zu konsumieren, könnte es ja vielleicht "cool" werden, weniger im Netz unterwegs zu sein.
Auch Eltern Medienberatung zukommen lassen
In dem Zusammenhang wäre es auch sinnvoll, Eltern zu beraten, meint Dorothee Wüst. "Es gibt viele Eltern, die technisch nicht auf demselben Stand sind, wie ihre Kinder." Man müsse gesamtgesellschaftlich überlegen, wie man diese Medienkompetenz nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern verschafft.