Der 60-jährige Thomas Hoffmann kann sich noch gut an den Moment erinnern: Es war Mitte Mai, kurz vor seinem Urlaub zur Silberhochzeit mit seiner Frau. Da wurde er zum Gespräch geschickt, schnell war klar: Er hat seinen Job verloren, bekam die Freistellung, das war's für ihn bei Nolte Möbel. Das Germersheimer Unternehmen ist endgültig nicht mehr zu retten.
"Alle waren fassungslos"
"Soll ich es auf pfälzisch sagen? Ich habe mich echt scheiße gefühlt", so Hoffmann. 30 Jahre lang arbeitete er als Möbelwerker und Betriebsratsmitglied im Familienunternehmen Nolte. Hier stellten er und seine Kollegen Schlafzimmermöbel her - vom Schrank über Kommoden bis hin zu Betten. Damit ist nun endgültig Schluss.
Ein bitterer Schlag auch für den 61-jährigen Horst Schmitt. Er arbeitete fast 40 Jahre hier und wurde auch Mitte Mai freigestellt. Jetzt ist auch er arbeitslos. Noch mehr sorgt er sich aber um seine Kolleginnen und Kollegen. "Alle waren fassungslos, sprachlos", so Schmitt, der auch im Betriebsrat war und als Maschinenführer arbeitete. "Mit Ende 50 ist es für viele schwer noch einen anderen Job zu finden."
Nach Freistellung bei Nolte "am Rande des Burnouts"
Das ist auch das, was seinem Ex-Kollegen Thomas Hoffmann Sorgen bereitet. Seit der Freistellung hat er schlaflose Nächte, sei "am Rande des Burnouts". Nicht seinetwegen, sondern wegen seiner Kollegen. "Mich rufen heute noch Leute an, die heulen am Telefon", so das ehemalige Betriebsratsmitglied. Am Tag der letzten Kündigungen war der Moment noch schlimmer. "Da sind mir Männer um den Hals gefallen, die haben geheult wie ein kleines Kind, die waren fix und fertig."
Für die beiden selbst ist die Situation einigermaßen in Ordnung. Sie bekommen beide nun erst einmal 60 Prozent ihres Gehaltes. Sind arbeitslos. Nach den zwei Jahren geht es für sie in Rente. Für Thomas Hoffmann eventuell mit Abschlägen, wenn er bis dahin nichts findet.
"Nolte Möbel hätte zweite Chance verdient"
Insolvenzverwalter Steffen Rauschenbusch kann die Enttäuschung der Mitarbeiter nachvollziehen. "Bedauerlich ist, dass es am Ende doch nicht gereicht hat. Nolte Möbel hätte eine zweite Chance verdient, aber die Rahmenbedingungen haben am Ende nur eine Schließung zugelassen", so Rauschenbusch.
Er hat, wie er erzählt, eineinhalb Jahre lang versucht, das Ruder herumzureißen, die Kosten zu reduzieren. 180 Mitarbeiter wurden als erste Maßnahme entlassen, doch die Fixkosten seien am Ende immer noch zu hoch gewesen.
"Hier kann man 90 Tonnen Möbel am Tag produzieren, am Ende haben wir keine 50 Tonnen Möbel mehr am Tag produziert", so der Insolvenzverwalter. Produktionshallen mit solchen Möglichkeiten könne man nicht einfach so verkleinern. Dadurch konnten irgendwann die Rechnungen nicht mehr bedient werden. "Die Möbelbranche in Deutschland kennt nur noch eine Richtung, es ist ein extrem schwieriger Markt."
Nach Pleite von Nolte: Hoffnung auf neuen Job
Thomas Hoffmann versucht nun einen neuen Job zu bekommen. Einige Absagen hat der gelernte Betriebsschlosser schon kassiert. 15 Bewerbungen seien noch offen. "Ich würde sogar nochmal Schicht arbeiten", so Hoffmann. Wo eine Tür zugeht, öffnet sich vielleicht eine neue: Welche Stelle würde ihn interessieren? "So eine Art Fahrdienst, sowas würde mich jetzt interessieren. Da habe ich mich drauf beworben."
Und wenn alles nicht klappt, dann "geht es mir auch gut". Sein Arzt hat ihm empfohlen wegen seiner Unruhezustände "nur noch das zu machen, was mir Spaß macht". Und das ist am Ende bei ihm eine ordentliche Runde mit dem Hund zu spazieren. "Gott sei dank, habe ich den!"
Wie geht es mit Nolte-Möbel weiter?
Noch arbeiten 20 Mitarbeiter bei Nolte Möbel, um die Insolvenz abzuwickeln. In den nächsten Monaten soll es mehrere Auktionen geben. "Das kann noch ein halbes Jahr dauern", so Insolvenzverwalter Rauschenbusch. Was mit dem riesigen Produtionsgrundstück in Germersheim passiert, ist allerdings noch unklar. Die gehöre nicht zum Insolvenzverfahren. "Es ist eine politisch bedeutsame Gewerbefläche", so Rauschenbusch. "Was damit passiert, wird sich zeigen."