Wenn man bei Massagestudios nachfragt, merkt man schnell: Die meisten Mitarbeiterinnen haben schon ihre Erfahrungen mit Kunden machen müssen, die Wünsche hatten, die weit über eine Massage hinausgehen. "Keine Erotik" hat eines der Landauer Studios deswegen sogar auf seine Flyer drucken lassen - auf der ersten Seite, direkt unter den Öffnungszeiten. Wenn ein Anruf mit unterdrückter Nummer eingeht, wisse sie schon Bescheid, was kommt, so die Besitzerin gegenüber dem SWR.
Massagesalons als Ort für Prostitution
Und trotzdem: es gibt immer mal wieder Massagestudios, in denen es um mehr geht. Das teilt Miriam, die Mitarbeiterin der Menschenrechts- und Frauenhilfsorganisation SOLWODI (Solidarity with Women in Distress) in Ludwigshafen mit. Sie geht zwar davon aus, dass Zwangsprostitution nicht nur im Kontext von Massagestudios ein Thema ist.
Trotzdem fallen ihr bis auf Bordelle und angemietete Unterkünfte wie Hotelzimmer keine weiteren kommerziellen Einrichtungen ein, wo diese Dienstleistung angeboten wird. „Massagesalons bieten sich wegen der Infrastruktur besonders an.“ Die Räumlichkeiten seien gut für die Art der Dienstleistung geeignet, außerdem habe man dort eine gewisse Privatsphäre, so SOLWODI.
Doch wie rutschen Minderjährige, wie in dem mutmaßlichen Fall in Landau in die Zwangsprostitution? Verbreitet sei die „Lover Boy-Methode“. Die Täter manipulieren dabei die jungen Mädchen oder Frauen über eine emotionale Beziehung und drängen sie so zur Prostitution.
Ein weiterer Grund sei der „Migrationsdruck“, also der unbedingte Wunsch, nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten. Oft stammen die Opfer daher aus dem Ausland. Es gebe aber auch deutsche Staatsbürgerinnen, die betroffen sind, so Miriam von SOLWODI.
Wo finden Opfer Hilfe?
Wenn eine solche Einrichtung durch Behörden aufgedeckt wird, dann steht natürlich die Frage im Raum, wie es mit den Minderjährigen weitergeht. Eine Anlaufstelle sind oft Hilfsorganisationen, die Opfer über Rechte beraten, Anwälte vermitteln oder auch Betroffene sicher unterbringen. „Man muss sich vorstellen: Die Situation ist durch einen massiven Kontrollverlust gekennzeichnet. Das Wichtigste ist deshalb auch, den Betroffenen zu sagen, dass sie wieder selbst über ihr Leben entscheiden können und dass Wünsche, die geäußert werden, gehört werden“, so SOLWODI in Ludwigshafen, die immer wieder auch Opfer von Zwangsprostitution beraten.
Gewalt gegen Sexarbeiterinnen Meinung: Ein Job zum Aussteigen
Prostituierte sind häufig Ausbeutung und Gewalt ausgesetzt. Ein Sexkaufverbot wird das Problem aber nicht lösen, meint Paul Hansen.
Neben SOLWODI gibt es noch weitere Hilfsangebote und Beratungsstellen wie den Mädchen- und Frauennotruf oder „Wildwasser“, die speziell den Schwerpunkt sexualisierte Gewalt verfolgen. Auch das Jugendamt kann Minderjährigen bei einer „Gefährdung des Kindeswohls“ helfen, genauso wie die Polizei.
Wie viele Fälle von Zwangsprostitutionen in Massagestudios in der Region bekannt werden, hängt laut SOLWODI Ludwigshafen davon ab, wie viel am Ende kontrolliert wird. „Die Erfahrung zeigt, dass Menschenhandel und Zwangsprostitution dann aufgedeckt werden, wenn auch kontrolliert wird.“