Es müsste nur eine Flasche mehr sein, sagt Thomas Schaurer. Vor allem müsste es eine deutsche Flasche bezogen auf den Pro-Kopf-Konsum hierzulande mehr sein und dafür eine importierte Flasche weniger. Dann wäre den Pfälzer Winzern schon geholfen, glaubt Thomas Schaurer aus Billigheim-Ingenheim. Deswegen hat er die "Zukunftsinitiative deutscher Weinbau" gegründet.
156 Winzer haben sich der "Zukunftsinitiative" angeschlossen
Bundesweit gibt es rund 14.000 Weinbaubetriebe. Der Initiative haben sich 156 Winzer angeschlossen, die Hälfte davon kommt aus der Pfalz, der Rest aus anderen deutschen Anbaugebieten: Ahr, Nahe, Mosel, Rheinhessen, Baden Württemberg, Franken und Rheingau.
Insgesamt gibt es in Deutschland 13 Weinbaugebiete. Und einige Winzer sind in Sorge: Denn die Kosten sind gestiegen, etwa für Personal, Zulieferer, Maschinen. Gleichzeitig fallen die Preise für Wein, dazu kommt die Konkurrenz aus dem Ausland. Und: Deutsche trinken immer weniger Wein.
Hälfte der Winzerbetriebe vor dem Aus? Sinkender Weinabsatz bedroht Weinbau in der Pfalz
Die Nachfrage nach Wein ist eingebrochen, sinkt nach Experten-Angaben jährlich um etwa 10 Prozent. Mit dramatischen Folgen auch für Pfälzer Winzer.
Initiative fordert: Kein Wein für weniger als drei Euro
Deswegen fordert die Initiative von Schaurer: Der Marktanteil heimischer Weine in Deutschland solle um fünf Prozentpunkte von derzeit 42 auf 47 Prozent gesteigert werden. Durch generell höhere Verkaufspreise von Wein, auch in Discountern.
Eine Weinflasche unter 2,99 Euro bedeutet Ausbeutung für die Winzer und ihre Mitarbeiter.
Und, er sagt auch: "Eine Weinflasche unter 2,99 Euro bedeutet Ausbeutung für die Winzer und ihre Mitarbeiter." Dem sollten sich Kundinnen und Kunden bewusst sein.
14.000 Winzerfamilien hängen an der Weinbranche
An dem geringeren Weinabsatz hänge noch viel mehr, sagt Thomas Schaurer, der die Initiative gegründet hat: Auch die Zulieferer leiden. "Die Winzer haben kein Geld mehr, sich was zu kaufen", erklärt Schaurer. Zum Beispiel die teuren Maschinen für die Weinlese.
In der Pfalz sei die Situation besonders düster, so Schaurer. Bei einigen Betrieben bestünde die Gefahr, dass deren Konten gesperrt werden. Doch auch um den deutschen Gesamtbetrieb macht er sich Sorgen. Denn der Marktanteil heimischer Weine sinke immer weiter. Er befürchtet, dass die Hälfte der deutschen Winzerfamilien in Deutschland bald kurz vor dem Aus stehen.
Präsident Weinbauverband: "Werden die Krise überstehen"
Reinhold Hörner, der Präsident des Weinbauverbandes Pfalz, will dennoch zuversichtlich bleiben: "Wir werden die Krise überstehen." Zwar seien viele Winzerbetriebe an ihren wirtschaftlichen Grenzen, aber er glaube nicht, dass viele kurz vor dem Aus stehen.
Es sei, und auch das müsse man betonen, nun mal eine weltweite Krise: Weine werden woanders immer billiger produziert, und diese Ware dränge sich auf den deutschen Markt. Doch die deutschen Winzer hätten schon viele Krisen überstanden. Deshalb wolle er auch jetzt zuversichtlich bleiben, so Hörner.
Und ob die "Zukunftsinitative deutscher Weinbau" den richtigen Weg geht, bezweifelt er. Er verstehe die Sorge der Winzer und das Bedürfnis, etwas zu verändern. Doch man brauche einen positiven Blick und es gebe eine Zukunft für den deutschen Weinbau. In seinem Winzerbetrieb gibt es in diesem Jahr immerhin drei Lehrlinge.
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Winzer brauchen teilweise Zweitjobs
Und doch: In der Pfalz muss man nicht lange suchen, um besorgte Winzer zu finden. Brigitte Schneiderfritz vom gleichnamigen Familienbetrieb zum Beispiel.
Der Absatz sei gesunken und ihr Sohn, der das Weingut "Schneiderfritz" führt, hat einen Zweitjob: Er arbeitet drei Tage die Woche in einem anderen Betrieb. Seine Frau ist zudem Lehrerin. Ohne diese Zweiteinnahmen, sagt Schneiderfritz, könne sich das Weingut nicht mehr halten. Und auch sie betreibt, trotz Rente, weiter die Weinwirtschaft.
Pfälzer Winzerin: "Es ist schwer und wird nicht einfacher."
Die Winzerin bestätigt: "In der Pfalz ist es generell schwer." Und: "Es wird nicht einfacher."
Früher, da hätten sie auch Wein ausgefahren, nach Norddeutschland etwa. Aber das könnten sie sich nicht mehr leisten. Der Sprit, die Übernachtungen, all das sei zu teuer geworden. Zwar verschicken sie noch Wein in Deutschland, aber auch das werde immer teurer.
Bei einer Sache sind sich deshalb alle sicher: Die Krise wäre am ehesten gelöst, wenn jeder Haushalt hierzulande eine Flasche deutschen Wein mehr kaufen würde.