Prozess um sexuellen Missbrauch

Freispruch für Bad Kreuznacher Arzt - "Im Zweifel für den Angeklagten"

Ein Arzt ist vom Amtsgericht Bad Kreuznach vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen worden. Der ursprüngliche Vorwurf: Er habe sich bei einer Untersuchung an einer Patientin vergriffen.

Teilen

Stand

"Im Zweifel für den Angeklagten." Mit diesem Satz sprach die Richterin des Bad Kreuznacher Amtsgerichts am Montag den Arzt frei. Ein sexueller Missbrauch bei der Untersuchung sei nicht zweifelsfrei nachweisbar.

Wegen Wadenschmerzen in Bad Kreuznacher Krankenhaus

Zum Hintergrund: Die 23-jährige Frau war vor zwei Jahren in die Notaufnahme gekommen und hatte über starke Schmerzen in den Waden geklagt. Laut Staatsanwaltschaft sollte bei der Untersuchung in einem Bad Kreuznacher Krankenhaus abgeklärt werden, ob sich bei ihr eine Thrombose in den Waden gebildet hat.

Untersuchung im Intimbereich und an den Brüsten

Die Frau sagte, der Arzt im Krankenhaus habe sie minutenlang mit einem Ultraschallgerät am Intimbereich berührt. Obwohl sie wegen Schmerzen in den unteren Beinen in der Notaufnahme gewesen sei, habe er auch darauf bestanden, ihre Brüste zu untersuchen.

Die 23-Jährige beschrieb die Untersuchung als "ekelhaft". Sie habe dem Arzt aber vertraut und gedacht, dass das normal sei. Während dieser Untersuchungen sollen der Arzt und die Patientin allein im Behandlungszimmer gewesen sein.

Gutachten spricht für den Arzt

Im Gutachten sei deutlich geworden, dass unter anderem das Abtasten der Brüste und auch die Untersuchung des Intimbereichs durchaus üblich seien, um eventuelle schwerwiegende Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, auszuschließen, so die Richterin.

Die Richterin erklärte aber auch, dass ihr einige Sachen komisch vorgekommen seien. So sei zum Beispiel unverständlich, dass sich der Arzt in der Nacht noch per WhatsApp bei der Patientin gemeldet habe.

Der Angeklagte und sein Anwalt im Bad Kreunacher Amtsgericht: Dem Arzt wird vorgeworfen, eine Patientin sexuell missbraucht zu haben.
Der Angeklagte (r.) und sein Anwalt im Bad Kreunacher Amtsgericht Sybille Jakobi

Unangemessene Fragen und Textnachrichten

In der Anklage heißt es außerdem, der verheiratete Arzt habe bei der Untersuchung unangemessene Fragen gestellt: So habe er sich dafür interessiert, ob die Patientin Kinder habe und ob sie in einer Beziehung sei.

Krankenschwestern: Arzt ist zuverlässig

Vor Gericht wurden auch eine Krankenschwester der chirurgischen Station des Krankenhauses und eine Schwester aus der Notaufnahme als Zeugen gehört. Beide beschrieben den angeklagten Mediziner als zuverlässig und sehr gewissenhaft. Bei der fraglichen Untersuchung war keine von ihnen dabei. 

Mainz

Wenn Vertrauen ausgenutzt wird Sexuelle Übergriffe in Arztpraxen - hier bekommen Betroffene in RLP Hilfe

Manche Frauen erleben bei Arztbesuchen unangenehme Situationen bis hin zu offenkundigem sexuellen Missbrauch. Die Landesärztekammer RLP und der Frauennotruf Mainz bieten Hilfe an.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Mainz

Patienten im Intimbereich berührt Sexueller Missbrauch in Arztpraxis in Mainz - Arzt muss ins Gefängnis

Das Mainzer Amtsgericht hat einen Arzt aus Mainz zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Opfer des ehemaligen Allgemeinmediziners waren zwei junge Männer.

SWR4 am Dienstag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Sibylle Jakobi
Sibylle Jakobi ist Reporterin im SWR Studio Mainz
Stefan Schmelzer
Stefan Schmelzer ist Reporter im SWR Studio Mainz

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!