Am besten wäre es aus Sicht der Stadt Wiesbaden und ihres Gesundheitsamtes natürlich, wenn junge Menschen komplett auf Rauschmittel wie Drogen und Alkohol verzichten würden. Aber die Realität ist eine andere - das ist den Verantwortlichen bewusst.
Deshalb wollen sie mit Hilfe des neuen Pilotprojekts "drug checking" versuchen, zusätzliche Gefahren so gering wie möglich zu halten.
Anonyme Drogenberatung und Cannabis-Test
Dafür arbeitet die Stadt mit dem Frankfurter Verein "BASIS" zusammen, dessen Mitarbeitende bereits seit 30 Jahren Erfahrung in der Drogenberatung haben.
Sie werden in Wiesbadener Clubs gehen, dort einen Stand aufbauen und den jungen Leuten erstmals auch anbieten, ihr Cannabis anonym auf mögliche gefährliche Beimischungen testen zu lassen.
Vorerst nur Check von Cannabis in Wiesbadener Clubs möglich
Dazu gibt es jeweils ein persönliches Beratungsgespräch, alles komplett anonym. Zum Start sind zehn Termine in unterschiedlichen Clubs geplant - wann und wo wird vorher nicht bekannt gegeben. Bislang sei der Drogen-Check in Hessen nur für Cannabis möglich, sagt Karsten Tögel-Lins, Geschäftsführer des Vereins "BASIS".
Er hofft aber, dass spätestens nächstes Jahr auch andere Drogen in Clubs auf ihre Reinheit hin getestet werden können. Auch wenn die Substanzen möglicherweise illegal seien, so sei der Weg zu einer solchen Beratung und Testung immer straffrei möglich, versichert Tögel-Lins.
Gute Erfahrungen mit "drug checking" in anderen Ländern
Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass so ein Angebot grundsätzlich gut angenommen werde. Beispielsweise bei größeren Festivals in Nachbarländern habe es solche Beratungsstände gegeben, sagt Tögel-Lins.
Die Leute haben bis zu 40 Minuten bei Hitze in der Schlange gestanden, um ihre Drogen checken zu lassen.
Ihm sei berichtet worden, dass die Leute dort regelrecht Schlange gestanden hätten, um ihre Drogen überprüfen zu lassen. Einige hätten das Rauschgift nach dem Check auch direkt vor Ort entsorgt.
Anonyme Beratung ohne moralischen Zeigefinger
Wichtig sei neben der Anonymität, dass die Berater und Beraterinnen nicht den moralischen Zeigefinger heben, so Tögel-Lins. Mit ihren Info-Angeboten erreichten sie vor allem jüngere Menschen, bei denen sich noch keine Sucht gefestigt habe. Die würden so die Angst vor dem Kontakt verlieren und kämen später vielleicht auch von sich aus ins Beratungszentrum.
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Wiesbadener Gesundheitsdezernentin befürwortet Cannabis-Check
Auch das Wiesbadener Gesundheitsamt hält den Drogencheck für sinnvoll und unterstützt das Projekt. Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke sagt, mit Hilfe des "drug checkings" könnten die Gefahren, beispielsweise durch Streckmittel, deutlich verringert werden.
Es ist unser erklärtes Ziel individuelle und gesellschaftliche Risiken bei Drogenkonsum zu verringern. Diese entstehen oftmals durch Überdosierungen, gefährliche Beimischungen und Verunreinigungen.
Außerdem biete der Erstkontakt zur Suchthilfe im Partyumfeld eine niedrigschwellige Möglichkeit für Konsumierende, Zugang zu Hilfsangeboten zu bekommen.
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