Donnerstagvormittag kurz nach 8:30 Uhr im SWR-Verkehrsservice: "Achtung Autofahrer! Vorsicht auf der A60 Mainz Richtung Rüsselsheim. Zwischen Hechtsheim-West und Hechtsheim-Ost sind Tiere auf der Fahrbahn."
Die Tiere, ein paar Rehe, waren in diesem Fall schnell wieder weggehopst - also alles nochmal gut gegangen. Aber die Polizei warnt: Solche Situationen können sich zurzeit auf den rheinhessischen Autobahnen jederzeit wiederholen. Es drohen Wildunfälle.
Brunftzeit bringt Rehböcke um den Verstand
Hauptgrund ist, dass die Brunftzeit gerade begonnen hat. Das bedeutet: Die Rehböcke sind hinter den weiblichen Tieren her und kennen dabei nichts mehr.
Sie sind komplett auf die Partnersuche fixiert und laufen dann oft völlig kopflos und unvermittelt los, auch auf Autobahnen oder Bundesstraßen.
Anhaltende Hitze macht Rehen zu schaffen
Dazu kommt die extreme Hitze der vergangenen Wochen, sagt Ulrich Jung, Kreisjagdmeister Mainz-Bingen. Die Tiere sind durstig und weil es lange nicht geregnet hat, suchen sie Bachläufe oder künstliche Tränken, die beispielsweise von Jägern oder Landwirten aufgestellt werden.
Zu diesen künstlichen Wasserstellen zieht es die Rehe hin, dafür laufen sie richtig weite Strecken und auch dafür müssen sie häufig Straßen überqueren.
Felder bieten Rehen nach Getreideernte keinen Schutz mehr
Ein weiterer Faktor sei die Getreideernte, sagt der Kreisjagdmeister. Die ist in Rheinhessen gerade in vollem Gange und führt dazu, dass die Rehe sich schlechter verstecken können.
Denn ein abgemähtes Feld biete keinen Schutz. Um sich zu verstecken, müssten die Tiere im waldarmen Rheinhessen deshalb häufig weit laufen. Und auch da kann dann mal eine Autobahn im Weg sein.
Drohnen helfen Rehkitze retten 1.000 Rehkitze in Bad Kreuznach und Mainz vor Mähtod gerettet
Täglich sind derzeit Rehkitzretter mit Drohnen unterwegs. Sie spüren per Wärmebildkamera Kitze im hohen Gras auf, bevor die Landwirte mähen.
Zäune gegen Schweinepest werden zum tödlichen Hindernis
Und schließlich kommt aktuell noch ein außergewöhnliches Hindernis hinzu: die Zäune, die die Behörden wegen der grassierenden Afrikanischen Schweinepest entlang der Autobahnen in Rheinhessen aufgestellt haben.
Das Hauptproblem seien die Auf- und Abfahrten, so Jung. Denn dort haben die Zäune Lücken. Deshalb schlüpfen die Tiere an diesen Stellen durch und geraten auf die Autobahn. Wenn sie dann nicht schnell zurückfinden, können sie leicht überfahren werden.
Höhere Gefahr von Wildunfällen bis Mitte August
Die Brunftzeit dauert übrigens bis Mitte August. Autofahrer sollten deshalb in den kommenden Wochen ganz besonders vorsichtig und aufmerksam auf den Straßen unterwegs sein.