Ende Juni in Mainz-Mombach: Die drei Studentinnen Franziska Dietrich, Alexandra Rübberdt und Elena Marija Katt zählen Bücher. Genauer gesagt die Bücher im dortigen Bücherschrank.
"Olympisches Feuer" von Liza Marklund, "Mutterherz" von Tess Gerritsen und die sechs Bände eines alten Wirtschaftslexikons vermerken sie neben vielen anderen Büchern auf ihren Listen.
Forschungsprojekt über Mainzer Bücherschränke
Die Arbeit ist Teil des Forschungsprojekts "Das Buch in der Gesellschaft: Akzeptanz öffentlicher Bücherschränke". Fünf Wochen lang haben 40 Studierende der Buchwissenschaft zwölf Bücherschänke in Mainz ganz genau angesehen und Bücher gezählt.
Sie wollten schauen, wie viele Bücher in den Schränken stehen und wie sich diese Zahl im Lauf von ein paar Wochen verändert.
Wir wollen schauen, wie viele Bücher reinkommen und rausgehen.
Mit bunten Punkten auf der Spur der Bücher
Los ging es am 20. Mai mit der ersten Zählung. Dabei klebten die Studierenden bunte Punkte auf alle Bücher, die zu diesem Zeitpunkt im jeweiligen Schrank standen. Für jeden Schrank wurde eine andere Farbe genutzt. In Mombach bekamen die Bücher einen gelben Punkt.
"So können wir auch sehen, wenn ein Buch von einem Stadtteil in einen anderen wandert", sagt Vogel. "Und dann haben wir immer gezählt, wie viele Bücher im Schrank noch Punkte haben und wie viele nicht."
Warum werden Bücher zu "Schrankhütern"?
Fünf Wochen nach der ersten Zählung werden die "Schrankhüter" im Mombacher Bücherschrank dokumentiert. Also die mit den gelben Punkten. Dazu gehört auch das sechsbändige Wirtschaftslexikon - und generell viele sehr alte Bücher.
"Wir schauen, ob Schäden am Buch sind oder ob das Buch zum Beispiel sehr stark nach Zigarettenrauch riecht", erklärt Studentin Alexandra Rübberdt. "Dann stellt man sich das vielleicht ungern ins Bücherregal."
Manche Bücherschränke haben hohen Durchlauf
Mit der Zählung konnte für jeden Schrank ermittelt werden, wie viele Bücher von der Anfangszählung noch übrig geblieben sind. In Mombach standen zum Beispiel nach fünf Wochen noch 17,78 Prozent der Bücher vom Anfang. Das ist ein ziemlich hoher Durchlauf.
Er wird aber noch getoppt von dem Schrank im Stadtteil Hartenberg-Münchfeld, der auf einen Wert von 6,25 Prozent kommt.
Der Bücherschrank auf dem Lerchenberg schnitt hingegen am schlechtesten ab: Hier stand bei der finalen Zählung noch fast jedes dritte der Ursprungsbücher.
"Eine Vermutung ist, dass der Schrank dort am Bürgerhaus steht," so Buchwissenschaftlerin Vogel. "Das ist ja lange Zeit renoviert worden und ist auch etwas schlecht zugänglich."
Bücherschränke sind nachhaltig und demokratisch
Eine Erkenntnis ist für Anke Vogel aber sicher: "Dass es eine Nachfrage nach gebrauchten Büchern gibt." Das freue sie und ihre Studierenden.
Es ist im Sinne der Nachhaltigkeit, dass gebrauchte Bücher weiter im Kreislauf bleiben und wiederverwendet werden.
Bücherschränke seien zudem hoch demokratisch. Jeder könne sie nutzen - auch ohne Ausleihkärtchen - und sogar zu jeder Tages-und Nachtzeit, sagt Vogel. "Eine niedrigschwelligere Möglichkeit der Buchversorgung kann man sich kaum vorstellen."