AgrarWinterTage in Mainz

Landfrauen in Rheinhessen reden über häusliche Gewalt

Die AgrarWinterTage in Mainz beginnen traditionell mit dem Tag der rheinhessischen Landfrauen. In diesem Jahr ging es um Gewalt gegen Frauen auf dem Bauernhof oder dem Weingut. Die Veranstaltung wurde live gestreamt.

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Von Autor/in Sabine Steinbrecher

Die Dunkelziffer ist vermutlich groß. Deswegen haben die Landfrauen das Thema häusliche und sexualisierte Gewalt online angeboten. Teilnehmerinnen konnten so anonym bleiben.

Der Livestream über das Tabuthema Gewalt und Machtmissbrauch im familiären Umfeld auf dem Land fand am Montagnachmittag von 17:30 Uhr bis 19 Uhr statt. Im großen Pavillon auf dem Messegelände in Mainz-Hechtsheim saßen die Gesprächspartnerinnen auf einem Podium, das Publikum konnte sich per Livechat dazu schalten.

Betroffene sollen über häusliche Gewalt reden können

Eingeladen waren die rheinland-pfälzische Familienministerin Katharina Binz (Bündnis 90/Die Grünen), die Vorstandsvorsitzende UN Women Deutschland, Elke Ferner, sowie Vertreterinnen von Beratungsstellen für Frauen.

Es gibt keine Zahlen, aber wir wissen, dass die Dunkelziffer groß ist.

Wie viele Frauen, Mädchen, Jungen oder sogar Männer auf rheinhessischen Höfen Opfer von Gewalt sind, ist unbekannt. Aber die Vorsitzende des Landfrauenverbandes Rheinhessen, Ursula Braunewell, ist sich sicher, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

Für den Landfrauenverband ist die aktuelle Diskussion über das Gewalthilfegesetz im Bund Anlass, über das Thema zu sprechen. Braunewell sagt, das Gesetz stehe auf der Kippe. Jeden Tag sterbe eine Frau durch häusliche Gewalt. Deswegen sei es umso wichtiger, darüber zu reden.

Landfrauen bieten Livestream mit Chatfunktion an

Die Landfrauen hofften, dass sie mehr Menschen über das Internet erreichen, als durch eine reine Präsenzveranstaltung. Denn gerade bei diesem Thema spiele das Schamgefühl eine entscheidende Rolle, sagt Braunewell. Durch den Stream sollten sogar über die Grenzen von Rheinland-Pfalz hinweg Interessierte erreicht werden.

Je weiter weg von einer Stadt, desto schwieriger ist es für die Betroffenen da rauszukommen.

Wenn Frauen in einem Mehrfamilienhaus in der Stadt geschlagen oder vergewaltigt werden, bekomme die Nachbarschaft eher etwas davon mit als auf dem Land, so Braunewell. Außerdem würden die traditionellen Rollenbilder, wer etwas zu sagen hat und wer was zu tun hat, in der Landwirtschaft immer noch eine große Rolle spielen. Aus diesen sozialen Strukturen auszubrechen, sei auf dem Land schwierig.

Krise in der Landwirtschaft lässt Nerven blank liegen

Finanziell seien viele landwirtschaftliche Betriebe derzeit unter Druck, zum Beispiel durch den sinkenden Fassweinpreis. Und wenn es nicht so gut laufe, lägen die Nerven schnell mal blank, sagt Braunewell.

Die rheinhessischen Landfrauen wollten mit der Veranstaltung zum Beginn der AgrarWinterTage 2025 zeigen, dass sie mehr machen, als nur zu backen und zu kochen. Sie wollten Opfern von Gewalt Mut machen und Ansprechpartner vermitteln, die weiterhelfen.

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