Die Stadt Mainz hat 24 Punkte vorgestellt, mit denen sie sich an die Folgen des Klimawandels anpassen will. Die Strategie enthält Überschriften wie "Schaffung von Angeboten im öffentlichen Raum zur Unterstützung der Bevölkerung bei Hitze", "Kalt- und Frischluftversorgung sichern und verbessern" und "Erhalt und Verbesserung der urbanen Baumbestände".
Klimastrategie der Stadt bleibt vage
Doch was darunter genau zu verstehen ist, kann die Stadt aktuell nicht beantworten. Die einzelnen Punkte müssten noch mit weiteren Konzepten unterlegt werden, die dann umgesetzt werden können, so Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) bei der Vorstellung der Strategie.
In welche Richtung das gehe, sei noch offen. Die Konzepte sollen in den kommenden drei Jahren erarbeitet werden.
Viel Planung, wenig Konkretes
Die Stadt arbeitet seit Mai 2023 an dieser Strategie zur Anpassung an den Klimawandel. Seitdem sei vor allem konzeptionell gearbeitet worden, man habe mit vielen Beteiligten gesprochen, so Steinkrüger.
Und es seien auch schon Dinge umgesetzt worden. Beispielsweise seien drei Trinkwasserbrunnen in der Stadt aufgestellt und Kitas verschattet worden.
Verkopft statt praktisch Meinung: Mainzer Klimakonzept - wann wird gehandelt?
Die Stadt Mainz hat eine Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels erstellt. Darin findet sich nichts Konkretes, bemängelt SWR-Redakteurin Sabine Steinbrecher.
Umweltverbände begrüßen Strategie zur Klimaanpassung
Susanne Schmid vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND, findet es wichtig, dass Mainz das Konzept erstellt hat. Aus Sicht des BUND sei die Stadt jedoch nicht konsequent: sie wolle Flächen bebauen, die im Konzept als wichtige unversiegelte Gebiete dargestellt seien. Die Stadt heizt sich durch versiegelte Flächen immer weiter auf und gehört schon jetzt zu den Spitzenreitern in Deutschland.
Auf der einen Seite gibt es gute Strategien und auf der anderen Seite zeigt sich in der Praxis, dass dann doch immer mehr zugebaut wird.
MainzZero kritisiert Tempo
Das Klimabündnis MainzZero teilt eine weitere grundätzliche Kritik mit dem BUND: alles gehe in Mainz zu langsam. Sprecher Michael Lengersdorff sagt: "Klimathemen werden auf die lange Bank geschoben, die Zeit haben wir nicht mehr."
Wasserspender sind nur Tropfen auf den heißen Stein.
MainzZero fordert Grünachsen in Mainz. Gemeint sind damit Grünstrecken in die Innenstadt, die zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können. In diesem Zusammenhang verweist Lengersdorff auf einen Plan für Fahrradwege, den sogenannten Mapathon.
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Fahrradrouten schon 2021 vorgeschlagen
Das stadtteilübergreifende Radverbindungsnetz für die Stadt Mainz war mit Radfahrerinnen und Radfahrern, dem Mainzer Radfahrforum und verschiedenen Vereinen erstellt worden. Vor fast vier Jahren wurde es vorgelegt. "Warum wurde das nicht längst schon umgesetzt? Stattdessen plant die Stadt weiter", so Lengersdorff.
Statt Klimaschutz mehr Wohngebäude und Biotech-Campus geplant
Die Umweltverbände kritisieren unisono, einen geplanten Biotech-Campus wo heute noch Äcker sind. Die Gebäude seien in einer Frischluftschneise geplant. Das Klimakonzept selbst beschreibe, dass dieses Gebiet wichtig sei, damit kalte Luft in die Innenstadt strömen könne.
Das passt gar nicht zusammen. Ich hoffe sehr, dass die Stadt das selbst einsieht.
Vor allem in den zunehmenden tropischen Nächten in Mainz, wäre das für die Stadt wichtig, sagt Edith Heller. Und Susanne Schmid vom BUND ergänzt: "Früher gab es mal das Fünf-Finger-Prinzip in Mainz - wo die Finger sind, darf bebaut werden, die Zwischenräume bleiben frei." Und dieses einfache Konzept werde heutzutage leider nicht mehr beachtet.