Antiziganismus mit hoher Dunkelziffer

Angriffe auf Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz nehmen zu

Sinti und Roma werden in Rheinland-Pfalz immer öfter zur Zielscheibe von Diskriminierung, Beleidigung und Gewalt. Sorgen machen den Verantwortlichen die Fälle, die niemand meldet.

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Von Autor/in Christoph Heck

"Hitler hätte euch besser vergast" ist nur eine der vielen schier unaussprechlichen Beleidigungen, die sich eine Schülerin von ihrer Mitschülerin wiederholt anhören muss. Die Familie wendet sich an die Lehrkräfte, doch die Unterstützung bleibt aus. Die Tochter solle die Äußerungen einfach ignorieren. Irgendwann wird es dem Mädchen zu viel und sie wird handgreiflich. Die Schule stellt sie nun als Täterin dar, nicht länger als Opfer. Es ist eines von vielen Beispielen aus dem aktuellen Jahresbericht über Antiziganismus in Rheinland-Pfalz.

Fallzahlen haben sich in Rheinland-Pfalz fast verdoppelt

100 Vorfälle sind 2025 bei der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) offiziell registriert worden. Das sind 41 Fälle von Diskriminierung, Herabwürdigung, Beleidigung und Gewalt gegenüber Sinti und Roma mehr als noch im Jahr davor. MIA-Vorstand Christian Kling sprach von einer immer feindseligeren Stimmung in der Gesellschaft. Spaltung sei allgegenwärtig.

Antiziganismus in Rheinland-Pfalz: Die Fälle von Gewalt gegenüber Sinti und Roma nehmen zu.
V. l. n. r.: Guillermo Ruiz von der MIA-Bundesgeschäftsstelle, der rheinland-pfälzische MIA-Landesvorstand Christian Kling und der rheinland-pfälzische Antiziganismus-Beauftragte Michael Hartmann bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Jahresberichts 2025 der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Rheinland-Pfalz (MIA). picture alliance/dpa | Bernd Glebe

Hohe Dunkelziffer bei Angriffen auf Sinti und Roma

Kling verwies auch darauf, dass es vermutliche viele nicht gemeldete Angriffe auf Sinti und Roma gibt. Viele Betroffene würden aus Angst vor negativen Konsequenzen nicht zu den Behörden gehen, weil sie öffentlichen Stellen misstrauten. Deshalb zeigen sie nach Angaben des MIA-Vorsitzenden auch strafrechtlich relevante Fälle nicht an. Dennoch rechnet er damit, dass die Zahl der gemeldeten Angriffe weiter steigt.

Der Meldestelle ist es zu verdanken, dass mehr Licht auf die Ereignisse fällt, nicht alles länger im Dunkeln bleibt.

Viele junge Sinti und Roma Opfer von Diskriminierung

Auffällig ist: Etwa ein Viertel dieser Vorfälle richtet sich gegen Minderjährige. Nach Angaben der MIA-Verantwortlichen zeigt das: Diskriminierung beginnt oft schon früh, besonders in der Schule oder in der Freizeit junger Menschen.

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Meldestelle in Rheinland-Pfalz nur eine von sechs bundesweit

Bundesweit wurden im bislang letzten Jahresbericht 2024 insgesamt 1.678 Antiziganismus-Vorfälle gemeldet. Der aktuelle Bericht soll in Kürze vorliegen, kündigte MIA-Geschäftsführer Guillermo Ruiz an. Die Meldestelle in Rheinland-Pfalz gibt es seit 2022. Betroffene können dort telefonisch, online oder persönlich Vorfälle melden.

"Der Meldestelle ist es zu verdanken, dass mehr Licht auf die Ereignisse fällt, nicht alles länger im Dunkeln bleibt", sagte der Antiziganismus-Beauftragte Hartmann. In Deutschland gibt es fünf weitere Meldestellen: in Bayern, Berlin, Hessen, Schleswig-Holstein und Sachsen.

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Christoph Heck
Bild von Christoph Heck, Redakteur bei SWR Aktuell Online RP

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