Jedes Jahr warnen Polizei und Experten aufs Neue: Kinder, ältere Menschen und Tiere dürfen bei Sommerhitze keinesfalls alleine im Auto gelassen werden. Denn binnen kürzester Zeit wird das Auto zum lebensgefährlichen Backofen - auch bei leicht geöffneten Fenstern. Doch immer wieder passiert genau das.
Wagen hatte sich selbst verschlossen Hitze-Gefahr: Polizei in Zweibrücken rettet Baby aus verschlossenem Auto
Bei einem Einsatz in Zweibrücken hat die Polizei gewaltsam ein Auto geöffnet. Ein Baby war mit den Autoschlüsseln darin eingeschlossen.
Shoppen im Outlet - Hund stirbt im Auto
Im vergangenen Jahr etwa unterschätzten zwei Outlet-Besucher in Zweibrücken, wie schnell sich ein Auto aufheizen kann. Nachdem sie ihre beiden Hunde für eineinhalb Stunden im Fahrzeug gelassen hatten, wurde das Auto zur Hitzefalle. Tierretter und ein Kinde begannen mit der Reanimation der Tiere. Und fuhren zügig zur Tierklinik Zweibrücken. Allerdings starb ein Tier dort. Das andere überlebte nur knapp. In Baden-Württemberg hat die Polizei bei der Nagoldtalsperre im Kreis Freudenstadt gerade erst zwei Hunde aus einem geparkten Fahrzeug befreit. Der Besitzer ließ die Tiere am Sonntagnachmittag bei Hitze im Auto.
Kind im Auto vergessen - Junge stirbt
Ein besonders tragischer Fall ereignete sich im Mai 2024 im Elsass: Für ein 16 Monate altes Kind kam jede Hilfe zu spät. Der Vater hatte offenbar vergessen, seinen Sohn in der Krippe abzugeben. Er fuhr zu seiner Arbeitsstelle und stellte das Auto auf dem Firmenparkplatz ab - im Kindersitz das schlafende Kind. Rettungskräfte konnten schließlich nur noch den Tod des Jungen feststellen.
Lebensgefahr nach 15 Minuten im heißen Auto
Im parkenden Auto steigt die Temperatur selbst bei geöffneten Fenstern schnell bis auf mehr als 60 Grad Celsius an. Ab 46 Grad Celsius Innentemperatur wird es für Kinder kritisch. Bei 30 Grad Außentemperatur wird diese schon nach einer halben Stunde erreicht, bei 35 Grad besteht schon nach 15 Minuten Lebensgefahr. Das fanden US-Forscher heraus. Selbst bei nur 20 Grad Außentemperatur kann es in einem Wagen, der in der Sonne steht, nach einer Stunde 46 Grad warm werden.
Hitzschlag beim Hund: Mehr als jeder zweite stirbt
Der Körper eines Kindes nimmt im erhitzten Auto dreimal so viel Energie auf wie der eines Kindes, das bei 33 Grad draußen in der prallen Sonne steht. Doch gerade mal ein Viertel der zugeführten Energie kann durch Schwitzen und Atmen wieder abgeführt werden - ein Grund dafür ist auch die fehlende Luftbewegung im Wagen. Bei Hunden ist die Fähigkeit, sich durch Hecheln abzukühlen, schon beeinträchtigt, wenn die Umgebungstemperatur bei mehr als 28 Grad Celsius liegt. Sabine Kästner von der Tierärztlichen Hochschule Hannover warnt deshalb, dass die Sterblichkeit bei einem Hitzschlag bei Hunden bei 50 bis 60 Prozent liegt.
Dosen, Akkus oder Glasflaschen können explodieren
Aufpassen muss man aber auch bei bestimmten Gegenständen im Auto. Denn die Gefahr im überhitzen Auto kann aber auch durch leicht entflammbare Flüssigkeiten oder Gase kommen: Ab 50 Grad besteht Explosionsgefahr, warnt der Autoclub Europa (ACE). Desinfektionsmittel, Frostschutzmittel oder kohlensäurehaltige Getränke können bei steigendem Druck auslaufen. Egal ob Plastikflasche, Dose oder Glasflasche: Alles könnte platzen und Teile des Behältnisses oder die Verschlüsse sogar zum Geschoss werden, so der ACE. Das Gleiche gelte für elektronische Geräte wie Akkus, Handys, Powerbanks oder E-Book-Reader. Werden sie im Auto gelassen, können auch sie bei direkter Sonneneinstrahlung explodieren.
Was man gegen Hitze im Auto tun kann
Eine weitere Gefahr im Auto können heiße Gurte und Sitze sein. Bei nackter Haut können sie zu Verbrennungen führen. Da hilft es zum Beispiel, ein weißes Tuch über den Kindersitz zu legen. Lenkrad und Armaturen abzudecken ist genauso sinnvoll wie die altbewährte Sonnenschutzfolie außen auf der Windschutzscheibe.
Ist die Hitze bereits im Auto, kann man bei laufender Kühlung alle Fenster öffnen und die Hitze quasi aus dem Wagen drücken, so der ADAC. Der Motor sollte im Stau ausgeschaltet werden, denn läuft er im Stillstand bei hohen Außentemperaturen, gibt er zusätzlich Hitze ab.
Babys in heißem Auto eingeschlossen
Manchmal passiert es auch, dass Kinder sich versehentlich selbst im heißen Auto einsperren. So geschehen im vergangenen Jahr in Mainz. Ein 16 Monate alter Junge hatte von innen den Knopf der Zentralverriegelung gedrückt. Glücklicherweise ging das Ganze glimpflich aus: Die Polizei schlug die Scheibe ein und rettete das Kind.
KI soll vor Tod im Auto schützen
Die künstliche Intelligenz (KI) soll helfen, den Tod von Kindern in überhitzen Autos zu verhindern. In Italien etwa sind seit 2019 Warnmelder an Kindersitzen Pflicht. So will man verhindern, dass die Kleinen im Auto vergessen werden. Das Alarmsystem muss eine visuelle, akustische, vibrierende oder SMS-Benachrichtigung senden, wenn das Kind im Sitz zurückgelassen wird.
CPD kann Notrufzentrale informieren
In Deutschland haben Autozulieferer das System "Child Presence Detection" (CPD) entwickelt. Diese Systeme, die immer häufiger zum Einsatz kommen, nutzen verschiedene Sensoren, um die Anwesenheit eines Kindes im Fahrzeug zu erkennen und den Fahrer zu warnen, falls es übersehen wurde. Fortgeschrittene Systeme können den Fahrer auch über sein Smartphone benachrichtigen oder sogar eine Verbindung zu Notrufzentralen herstellen, um Hilfe zu organisieren.