Eltern wehren sich gegen Entscheidung

Ärger in Osann-Monzel: Grundschüler bekommen Busticket nicht mehr bezahlt

Weil der Schulweg in Osann-Monzel nicht mehr als besonders gefährlich gilt, müssen Eltern das Busticket selbst zahlen oder ihre Kinder fahren. Das sorgt für Protest.

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Von Autor/in Maximilian Storr

Dirk Simons aus Osann-Monzel ist Vater von vier Kindern. Seine jüngste Tochter geht in dem kleinen Weindorf in die Grundschule. Die Viertklässlerin fährt seit der ersten Klasse mit dem Bus in den etwa anderthalb Kilometer entfernten Ortsteil Osann in die Schule. Doch seit diesem Schuljahr muss Dirk Simons die Kosten für das Busticket von 57€ im Monat selbst tragen.

Das tut schon weh. Das wäre Geld, das ich anders einsetzen könnte

Der Landkreis Bernkastel-Wittlich bezahlt das Ticket für 32 Grundschüler in Osann-Monzel nämlich nicht mehr. "Das tut schon weh. Das wäre Geld, das ich anders einsetzen könnte", sagt Simons. Zu Fuß will er seine Tochter aber nicht in die Schule schicken. Der Weg ist ihm zu gefährlich.

Die Grundschule in Osann-Monzel.
Die Grundschule in Osann-Monzel. Max Storr

Jahrelang hat das die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich genauso gesehen und den Schulweg in Osann-Monzel als "besonders gefährlich" eingestuft. In diesem Fall werden die Kosten für das Busticket auch dann übernommen, wenn der Schulweg kürzer als zwei Kilometer ist.

Weg laut Kreis nicht besonders gefährlich

Doch die Kreisverwaltung hat den Schulweg gemeinsam mit der Polizeiinspektion in Wittlich überprüft und kommt zu dem Ergebnis, dass er mittlerweile nicht mehr besonders gefährlich ist.

Die Verbindungsstrecke zwischen Osann und Monzel hat einen Gehweg, doch auf den würden häufig auch Autos ausweichen, sagen Eltern.
Die Verbindungsstrecke zwischen Osann und Monzel hat einen Gehweg, doch auf den würden häufig auch Autos ausweichen, sagen Eltern. Max Storr

Grund dafür sei, dass es auf der Verbindungsstrecke zwischen den beiden Ortsteilen Osann und Monzel seit einigen Jahren einen beleuchteten Gehweg gibt und für Autos nur noch Tempo 50 erlaubt ist. Früher sei dort Tempo 100 erlaubt gewesen.

LKW-Verkehr auf dem Schulweg

Dirk Simons und andere Eltern haben trotzdem Bauchschmerzen, ihre Kinder zu Fuß in die Schule zu schicken. Vor allem, wenn es morgens noch dunkel ist. "Der Verkehr hat in den letzten Jahren schon deutlich zugenommen. Außerdem befindet sich auf dem Schulweg die Einfahrt zu einem Unternehmen, bei dem es viel LKW-Verkehr gibt", sagt Thorsten Petri.

Der Sohn von Thorsten Petri wird mittlerweile in die Schule gefahren. Der Weg ist dem Familienvater für den Drittklässler zu gefährlich.
Der Sohn von Thorsten Petri wird mittlerweile in die Schule gefahren. Der Weg ist dem Familienvater für den Drittklässler zu gefährlich. Max Storr

Sein Sohn geht in die dritte Klasse und wird mittlerweile morgens und mittags mit dem Elterntaxi in die Schule gefahren. Neben dem vielen Verkehr gebe es auf dem Schulweg keine Zebrastreifen und keine Ampel, um die Hauptstraße vernünftig zu überqueren, sagt Petri.

Autos weichen auf Gehwege aus

Dirk Simons beobachtet außerdem, dass Autos zwischen Osann und Monzel auf den Gehweg ausweichen, wenn ihnen etwa ein Traktor oder ein LKW entgegenkommt. Und der Schulweg sei auch in den Ortsteilen an vielen Stellen zu schmal. Kinder müssten auf die Straße ausweichen, wenn sie zusammen unterwegs sind.

Dirk Simons findet, dass der Weg an vielen Stellen viel zu schmal ist.
Dirk Simons findet, dass der Weg an vielen Stellen viel zu schmal ist. Max Storr

Die betroffenen Eltern haben auch den ADAC um eine Einschätzung gebeten. Der Automobil-Club teilt die Bedenken und empfehlt in einer Stellungnahme, dass die Kinder das Busticket weiter bezahlt bekommen sollten. Auch der Gemeinderat von Osann-Monzel hat die Kreisverwaltung mit einer Resolution aufgefordert, das Ticket wieder zu übernehmen.

Doch die Kreisverwaltung teilt die Einschätzung des ADAC und der Eltern nicht. Auf SWR-Anfrage heißt es: "Aus Sicht der Verwaltung begründen die vom ADAC beschriebenen Gefahren nicht eine besondere Gefährlichkeit. Die benannten Gefahren stellen Alltagsgefahren dar, wie sie in Ortslagen geradezu typisch sind."

Kreisverwaltung prüft weitere Strecken

Deshalb sei die Verwaltung gesetzlich nicht mehr dazu verpflichtet, die rund 20.000€ im Jahr für die Busfahrkarten der Kinder zu übernehmen. Derzeit würden auch weitere Strecken im Landkreis auf ihre Gefahren geprüft, heißt es von der Verwaltung.

Deshalb könnten künftig auch in anderen Orten die Kosten für einige Schüler nicht mehr übernommen werden. Der Landesrechnungshof habe den Landkreis nämlich dazu aufgefordert, die Schulwege regelmäßig auf ihre Gefahr zu prüfen.

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Gegen die Entscheidung in Osann-Monzel haben einige Eltern Widerspruch eingelegt. Der Kreissrechtsausschuss soll das in den kommenden Wochen prüfen. Falls die Verwaltung ihre Entscheidung nicht zurücknimmt, überlegt Familienvater Dirk Simon vor dem Verwaltungsgericht zu klagen. Er ist überzeugt, dass der Schulweg seiner Tochter immer noch besonders gefährlich ist.

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