In der Felswand erklingt Allgäuer Dialekt. Doch wir sind nicht in den Alpen, sondern mitten in der Eifel. In Neuerburg. Dort wird es aber auch fast alpin, wenn Patrick Jost und Finn Koch mit ihrer Arbeit am neuen Klettersteig fertig sind.
Die beiden Allgäuer sind tatsächlich sonst in den Alpen unterwegs. Dort bauen sie Klettersteige. Was in den Bergen geht oder auch mal an einer Betonwand in Berlin, geht aber auch hier: Die beiden Experten stellen im November den Klettersteig in Neuerburg fertig.
Die Felsen rund um die Stadt bieten sich nämlich genau dafür an, hat man sich in der Stadt und der Verbandsgemeinde Südeifel gedacht. "In den Alpen haben wir meistens Granit oder Kalk", sagt Patrick Jost: "Hier haben wir Schiefer. Da müssen wir tiefer bohren und andere Verankerungen nehmen."
Arbeitssicherung in luftiger Höhe
Der Stein ist ungewohnt, die Kälte Ende des Jahres in der Eifel nicht. Genauso, wie sicher zu arbeiten, erklärt Finn Koch: "Arbeitssicherung ist ganz wichtig. Wir sind immer mit zwei Seilen gesichert, dass man nicht runterfällt, falls ein System versagt."
Man muss also nicht nur schwindelfrei sein, es ist auch ganz schön anstrengend, an Seilen im Fels zu hängen und dabei Löcher in den Stein zu bohren. In die werden dann mit einem speziellen Hochleistungsmörtel Anker geklebt. Dort wird das Stahlseil festgemacht, an dem Kletterer später ihr Kletterseil einhängen.
Man kann den Klettersteig mit null Erfahrung machen.
Klettersteig in Neuerburg auch für Anfänger
Ab Sonntag kann man dann auf sechs Passagen vom Zentrum Neuerburgs aus vorbei am Stadtwappen, über einen ehemaligen Eisenbahntunnel, einen Wasserfall und zurück zum Marktplatz klettern.
Der Klettersteig sei genau für die gedacht, die noch nicht klettern können, sagt Jost: "Die fangen mit einem leichten Klettersteig an, so haben wir es auch gebaut. Es kann wirklich einer mit null Erfahrung machen, wenn er eine Einweisung hat."
Deshalb wird auch Neuerburgs Stadtbürgermeisterin Manuela Schmitz sich auf die leichteste der Passagen trauen: "Die etwas schwierigeren überlasse ich denjenigen, die das wirklich können." Wer nicht alles klettern will, kann einzelne Passagen auch umwandern.
Klettersteig in Abschnitte aufgeteilt
"Dieser Klettersteig ist eine Reise wert, weil man dafür nicht ewig in die Alpen fahren muss", ist sich Jost sicher. Denn er sei auch anders als der Klettersteig in Manderscheid. Dort waren zuletzt im Mai 2023 Kletterer abgestürzt, offenbar, weil sie nicht richtig gesichert waren.
Der Neuerburger Klettersteig habe den Vorteil, dass er aufgeteilt ist: "Hier kann man sich zwischen den Abschnitten erholen. Bei den ganz großen Klettersteigen geht einem mal die Puste aus und dann hängt man da in dem Riesending drin."
Klettern nur mit Spezialausrüstung
Wer in Neuerburg klettern will, muss eingewiesen werden und kann in der Stadt eine Spezialausrüstung für den Klettersteig ausleihen.
Die ist auch zwingend nötig, um sicher über Neuerburg zu klettern, sagt Jost: "Den Helm braucht man, weil da ab und zu kleinere Steine runterkommen können. Wenn ich nicht mit Gurt und Kletterseil gesichert bin, bin ich tot, wenn ich runterfliege."
Das Set habe auch einen sogenannten Dämpfer, der verhindert, dass entweder das Seil reißt oder das Seil den Kletterer beim Sturz stark verletzt.
Feuerwehr bekommt Höhenretter für Klettersteig
Damit der Klettersteig sicher ist, werden die Passagen final abgenommen und danach jährlich geprüft, sagt Projektleiter Florian Götz von der Verbandsgemeinde Südeifel. Die arbeitet eng mit der Stadt als Trägerin des Projekts zusammen.
Wenn es dann doch mal einen Notfall am Klettersteig geben sollte, kommt die Feuerwehr Neuerburg. Die bekommt eigens eine Höhenrettungsgruppe. "Das ist ein ganz neues Betätigungsfeld für uns", sagt Götz.
In der Stadt hofft man, dass der neue Klettersteig mehr Menschen in die Stadt zieht und sich dann vielleicht auch wieder mehr Gastronomie dort ansiedelt.