Lauter Baulärm, feiner Staub und frische Farbe: Das prägt gerade die Baustelle auf dem Petrisberg in Trier. Das Projekt für ein neues Kinder- und Jugendhospiz ist auf der Zielgeraden. Ab November sollen die ersten schwerkranken Kinder mit ihren Familien einziehen können.
Bau von Kinderhospiz in Trier auf Zielgeraden
Seit dem Spatenstich im Mai 2024 hat sich hier einiges getan: In vielen Räumen liegt der Boden bereits, die Wände sind gestrichen, Fliesen gelegt, Fugen verspachtelt. Kinderhospiz-Leiter Frederic Fünfgeld und Nestwärme-Mitgründerin Elisabeth Schuh kommen mittlerweile fast jede Woche vorbei und staunen über den Fortschritt auf der Baustelle.
Kinderhospiz erst das zweite in Rheinland-Pfalz
In ganz Deutschland gibt es 22 stationäre Kinderhospize - bisher ist nur eines davon in Rheinland-Pfalz. Das Kinderhospiz auf dem Petrisberg sei darum eine wichtige Ergänzung. Das habe auch eine Studie gezeigt, die der Nestwärme-Verein in Auftrag gegeben habe, sagt Schuh.
Wir können Familien aus der Region ganz schnell hier aufnehmen.
"Wir sind hier in der Großregion die einzige stationäre Einrichtung, die es gibt", ergänzt Frederic Fünfgeld, der Leiter des Hospizes. "Wir können Familien aus der Region ganz schnell hier aufnehmen, entweder geplant oder auch in Krisensituationen." Familien aus ganz Deutschland könnten sich ebenfalls an sie wenden.
Zehn Kinderzimmer geplant, dazu Aufenthaltsräume
Für zehn lebensverkürzend erkrankte Kinder wird es ein eigenes Zimmer geben. Alle Zimmer sind ungefähr 28 Quadratmeter groß, haben eine große Fensterfront zum Garten hin und ein geteiltes Bad mit je einem anderen Zimmer. Einige der Zimmer haben zusätzlich eine kleine Loggia - "für die Kinder, die wegen ihrer Krankheit nicht raus in den Garten dürfen oder können", erklärt Elisabeth Schuh.
Was jetzt noch grau und unfertig aussieht, soll in ein paar Monaten farbenfroh und gemütlich sein. Mit genug Platz für das Lieblingsstofftier, Fotos und Besuch von der Familie. Für die Eltern wird es in einem angrenzenden Haus Elternwohnungen geben - sie können aber auch in den Zimmern der Kinder wohnen.
Kinderhospiz in Trier hat eigenen Sauerstofftank
Eine Besonderheit im neuen Kinderhospiz: Es gibt dort einen eigenen Sauerstofftank, der über Rohre an jedes Kinderzimmer angeschlossen ist. Wenn ein Kind Sauerstoff braucht, kann es diesen ganz einfach über die Anschlüsse hinter dem Bett bekommen, erklärt Leiter Frederic Fünfgeld.
Für die Familien heißt das: Sie müssen weniger Gepäck mitbringen und wissen ihr Kind rundum versorgt. Und das sei wichtig, weiß der Kinderhospiz-Leiter: "Familien wünschen sich einfach, schnell ankommen zu können, runterfahren zu können und da auch mal dem Alltag so ein bisschen zu entfliehen."
Arbeit wichtig für schwere und gute Zeiten
Denn der Alltag ist für Familien mit einem unheilbar kranken Kind oft schwer und fordernd - erst recht, wenn klar ist, dass das Kind nicht mehr lange da sein wird. "Wenn ein Kind bei uns stirbt, können die Eltern, Geschwisterkinder, Omas und Opas im Raum der Stille Abschied nehmen", sagt Fünfgeld. Diese Trauer- und Sterbebegleitung sei ein wichtiger Teil der Hospizarbeit.
"Aber Hospizarbeit bedeutet nicht nur, dass man ganz schwere Zeiten hat und die Familien da beraten und begleiten kann", ergänzt Elisabeth Schuh vom Verein Nestwärme. "Es bedeutet auch, dass man zusammen lacht, dass man Freude hat und dass man die Zeit, die da ist, wirklich nutzt und voll ausschöpft." Und genau darum werde es zum Beispiel auch ein Begegnungszentrum geben, in dem Familien, Ehrenamtliche und Mitarbeitende sich treffen und austauschen können.
Kinderhospiz nur dank Spenden möglich
Finanziert wird das Kinder- und Jugendhospiz vor allem durch Spenden und Fördermittel, etwa von der Rehkids-Stiftung in Trier und der SWR-Herzenssache. "Aber auch durch viele Spenden aus der Region, für die wir unglaublich dankbar sind", sagt Schuh. Das Kinderhospiz befindet sich im unteren Stockwerk eines größeren Gebäudes, das die Rehkids-Stiftung baut. Die anteiligen Baukosten liegen bei rund 11 Millionen Euro. In dem Gebäude schafft die Stiftung neben dem Kinderhospiz auch Platz für 16 barrierefreie Mietwohnungen und einige Büroräume.
Spenden sind schön, aber auch eine bittere Notwendigkeit.
Und auch wenn der Bau fertig ist, zählt das Team weiterhin auf Spenden. "Es ist so schön, dass die Menschen sich beteiligen. Aber es ist auch eine bittere Notwendigkeit, weil wir sonst diese Arbeit hier nicht leisten könnten", betont Schuh.
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Von der Diagnose verkürzte Lebenszeit sind in Deutschland rund 100.000 Kinder betroffen - Kinderhospize helfen. Ein Fackellauf in Stuttgart macht auf deren Arbeit aufmerksam.
Familien ziehen ab November in Kinderhospiz ein
Ende Oktober geht’s endlich los: Das neue Kinder- und Jugendhospiz macht auf. Und dann beginnt für Elisabeth Schuh, Frederic Fünfgeld und ihr Team erst die eigentliche Arbeit. Zum Start läuft alles bewusst im kleinen Rahmen: Nur vier Familien ziehen ein, damit sich das Team Schritt für Schritt einspielen kann.
Leiter Frederic Fünfgeld ist schon voller Vorfreude: "Ich freue mich drauf, wenn hier wirklich alles mal so steht und aussieht, wie wir uns das überlegt und vorgestellt haben, und das Ganze in der Praxis funktioniert."
Bis dahin gilt noch ein paar Wochen lang: streichen, spachteln, fliesen, planen, einrichten. Dazu Baustellenlärm, die Suche nach mehr Pflegefachkräften fürs Team und der Kontakt zu den Familien, die sich bereits gemeldet haben. Und dann, in der letzten Oktoberwoche: die Eröffnung, zu der alle eingeladen sind. Damit schwerkranke Kinder und ihre Familien endlich hier einziehen, spielen und durchatmen können - und das Kinderhospiz zu einem zweiten Zuhause wird.