Verlassene Siedlung mitten im Wald

Lost Place in der Eifel: Warum ein Millionen-Projekt auf Eis liegt

Ein Investor will die frühere Mini-Gemeinde Staudenhof bei Arzfeld zu einem Naherholungsgebiet umbauen. Doch es gibt Kritik an den Plänen. Das Projekt droht zu platzen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Daniel Novickij

Zerfallende Mauern, eingefallene Dächer und kaputte Fenster. Neun Häuser, alles umzäunt und mit Warnschildern versehen. So sieht es in der verlassenen Siedlung Staudenhof bei Mauel im Eifelkreis Bitburg-Prüm aus. Abgelegen in einem Tal. Umgeben von einem Nebel umhüllten Wald.

Der Staudenhof in der Eifel ist ein wahrer Lost Place: Viele Gebäude sind verfallen.
Der Staudenhof in der Eifel ist ein wahrer Lost Place: Früher haben hier Bauernfamilien gelebt.

Die einst kleinste Gemeinde Deutschlands hat sich über die Jahrzehnte in einen Lost Place verwandelt. Dort wohnt seit mehr als 30 Jahren niemand mehr. Doch das könnte sich in Zukunft wieder ändern.

Investor will verlassenes Eifel-Dorf wieder aufbauen

Denn das Architektenbüro "Küssdenfrosch" aus Düsseldorf hatte das Staudenhof-Areal mit seinen noch neun übrig gebliebenen Gebäuden vor fünf Jahren gekauft. Das Unternehmen hat bereits in der Vergangenheit viele verlassene Orte und Gebäude wie die Kolumbarium Rheinkirche in Duisburg-Homberg oder die alte Polizeiwache in Köln-Ehrenfeld wieder zu neuem Leben erweckt.

Unsere Idee war es, diesen wunderbaren magischen Ort wieder wachzuküssen.

Ähnliche Pläne hat der Investor nun für die ehemalige Eifel-Siedlung: "Unsere Idee war es, diesen wunderbaren magischen Ort wieder wachzuküssen. Wir würden gerne diese Gebäude wieder herrichten", sagt der Küssdenfrosch-Geschäftsführer Andreas Knapp.

Und das möglichst originalgetreu. Deshalb sollen für den Wiederaufbau so viele alte Materialien der zerstörten Gebäude wie möglich wiederverwendet werden, etwa Mauerreste, Dachziegel sowie Bleche. Der Rest soll durch neue Baustoffe wie Holz, Beton oder Stahl ergänzt werden. "Hier könnten dann wieder Menschen wohnen, auch dauerhaft", so Knapp weiter.

Weitere Gebäude am Staudenhof geplant

Außerdem will der Investor auf dem Staudenhof zwischen den Bäumen einige Tiny-Häuser bauen, die später vermietet oder verkauft werden. "Die Menschen könnten sich hierher zurückziehen, um etwa ein Buch zu schreiben oder einfach mal ein Wochenende hier zu verbringen", erzählt der Architekt. Diese Tiny-Häuser seien wichtig, damit sich das Projekt für das Unternehmen finanziell überhaupt lohne.

Investor Andreas Knapp aus Düsseldorf will den Staudenhof in der Eifel zu neuem Leben erwecken.
Investor Andreas Knapp aus Düsseldorf will den Staudenhof in der Eifel zu neuem Leben erwecken. Dafür will er mehr als 10 Millionen Euro investieren.

Außerdem sollen am Staudenhof auch kleine Kläranlagen, eigene Brunnen und Solaranlagen entstehen. "Wenn wir hier wieder ein kleines Dorf erstellen, dann soll es auch autark sein. Heizen und Strom erzeugen soll hier in Zukunft ohne fossile Brennstoffe möglich sein", sagt Knapp. Insgesamt sei eine Investition von mehr als 10 Millionen Euro geplant.

Vorarbeiten am Staudenhof begonnen

Während die meisten Gebäude auf dem Staudenhof weiterhin einer Ruine gleichen, haben in der ehemaligen Grundschule bereits erste Vorarbeiten angefangen. "Wir haben in den früheren Unterrichtsräumen den Putz entfernt, um zu schauen, was sich dahinter verbirgt", berichtet Knapp. Auch hier könnten in Zukunft neue Wohnungen entstehen.

Die Klassenräume der ehemaligen Grundschule auf dem Staudenhof sind heute eine Baustelle.
Die Klassenräume der ehemaligen Grundschule auf dem Staudenhof sind heute eine Baustelle. Hier sollen künftig neue Wohnungen entstehen.

Es sei aber noch nicht in Stein gemeißelt, wie der neue Staudenhof in Zukunft aussehen soll. "Wir haben einige Ideen, sind aber auch für andere Ideen offen. Ich könnte mir hier auch einen Naturhof mit Tieren vorstellen", sagt der Chef des Düsseldorfer Architektenbüros.

Die Grundschule auf dem Staudenhof war bis 1906 im Betrieb.
Die alte Grundschule auf dem Staudenhof ist noch in einem guten Zustand: Vor einigen Jahren haben luxemburgische Jäger das Haus als Ferienunterkunft genutzt.

Pläne für neuen Staudenhof aktuell auf Eis

Doch wann die Bagger auf dem Staudenhof für den großen Umbau rollen, ist ungewiss. Die dafür benötigten Genehmigungen stünden seit Jahren aus. Das Projekt sei daher auf Eis. Andreas Knapp klagt über fehlende Unterstützung für seine Ideen.

Die Alternative ist, dass hier alles weiter verfällt.

"Wir haben mit den Beteiligten aus der Politik schon viele Gespräche geführt und sind da immer auf Gegenwehr gestoßen. Wir verstehen nicht, warum. Wir stoßen auf Granit", so Knapp. Er fühle sich machtlos. "Die Alternative ist, dass hier alles weiter verfällt."

Ortsbürgermeister: "Wir werden dem nicht zustimmen"

Mauels Ortsbürgermeister Walter Fuchs (parteilos) lehnt die Pläne für den neuen Staudenhof ab und ist sich sicher, dass der Ortsgemeinderat das auch so sieht: "Wir werden dem nicht zustimmen".

Wir lassen nicht zu, dass die Natur dort zerstört wird.

Zwar habe er nichts dagegen, wenn die alten Häuser auf dem Staudenhof wiederaufgebaut werden, aber weitere Gebäude wie Tiny-Häuser will er dort nicht: "Wir befinden uns mitten im Naturpark Südeifel. Hirsche brunften dort. Wir lassen nicht zu, dass die Natur dort zerstört wird", so Fuchs.

Ein altes Wohnhaus auf dem Staudenhof: Das Gebäude ist über die Jahre zu einer Ruine verkommen.
Ein altes Wohnhaus auf dem Staudenhof: Das Gebäude ist über die Jahre zu einer Ruine verkommen.

Eine neue Siedlung mitten im Wald sei auch gefährlich: "Wenn dort ein Feuer ausbricht, haben wir ein großes Problem". Denn es gebe dort keine Infrastruktur mehr. Er glaubt, dass der Investor seine Gemeinde irgendwann um Geld bitten werde. "Wir brauchen unser Geld aber für unsere Schulen und Kindergärten."

Kritik an Kommunikation

Fuchs geht auch nicht davon aus, dass die Ortsgemeinde vom Projekt finanziell profitieren könnte. "Wir werden kaum Einnahmen durch die Gewerbesteuer haben. Sie können das über Jahre abschreiben und wenn die Immobilien verkauft werden, haben wir noch weniger davon", sagt Mauels Ortsbürgermeister.

Zudem kritisiert er den Investor für seine Kommunikation in der Vergangenheit. "Es wurde nicht mit offenen Karten gespielt. Von neuen Häusern war zuerst überhaupt nicht die Rede", sagt Fuchs. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er "die Ruine am liebsten einfach abreißen."

Verbandsgemeinde will vermitteln

Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld, Johannes Kuhl (CDU), findet das Projekt für den Staudenhof dagegen gut. "Ich finde das sehr interessant, kann aber auch die Bedenken der Ortsgemeinde verstehen", so Kuhl.

Er plant, mit beiden Parteien zu sprechen und zu vermitteln. Denn ohne die Zustimmung des Maueler Ortsgemeinderats könne das Projekt nicht realisiert werden. Der Rat müsse einen möglichen Bebauungsplan genehmigen.

Projekt Staudenhof vor dem Aus?

Auch Investor Andreas Knapp will jetzt einen "letzten Versuch" starten und erneut das Gespräch mit der Ortsgemeinde suchen, um sie doch noch vom Projekt zu überzeugen. Sollte das nicht funktionieren, denkt er darüber nach, das Gelände wieder zu verkaufen.

Eifel/Mosel/Hunsrück

Neues Angebot des SWR Studios Trier Nachrichten aus der Region Trier jetzt auf WhatsApp lesen

Das SWR Studio Trier ist jetzt auch auf dem Messenger-Dienst WhatsApp aktiv. Dort finden Sie regionale Nachrichten von Mosel und Saar, aus der Eifel, Hunsrück und Hochwald.

"Wir überlegen schon, ob wir das Projekt noch weiterverfolgen wollen. Wir haben sehr viel Energie und Zeit hier reingesteckt. Irgendwann verliert man die Lust", so Knapp. Das würde er schade finden, denn es gehe ihm auch darum, den Staudenhof vor dem endgültigen Verfall "zu retten".

Boppard

Verlassene Orte in Rheinland-Pfalz Kloster Marienberg: Früher Heilanstalt, heute Lost Place

Seit das Kloster Marienberg 1738 erbaut worden ist, wurde es als Kaltwasserheilanstalt, Mädcheninternat und auch als Kindergarten genutzt. Doch vom Glanz der alten Zeit ist nicht viel übrig geblieben. Heutzutage ist es ein Lost Place und das nun schon seit rund 40 Jahren.

Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RP

Schwarzwaldhochstrasse

SWR Aktuell 360 Grad Die Schwarzwaldhochstraße und ihre Ruinen - was sich dahinter verbirgt

An der Schwarzwaldhochstraße zerfallen reihenweise alte Gebäude. Was ist übrig vom ehemaligen Glanz und Touristenmagnet im Nordschwarzwald? SWR Aktuell 360 Grad ist dem auf den Grund gegangen.

Remagen

Traditionshotel ist seit 70 Jahren geschlossen Spurensuche im Lost Place: Freiwillige erforschen Geschichte des Hotels Bellevue

Das ehemalige Hotel Bellevue in Rolandseck ist ein sogenannter Lost Place mit Historie. Junge Freiwillige des Fluthilfecamps untersuchen derzeit die Baugeschichte des Traditionshotels.

SWR4 RP am Morgen SWR4 Rheinland-Pfalz

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Daniel Novickij
Daniel Novickij arbeitet als Korrespondent im Regionalbüro in Gerolstein in der Vulkaneifel.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!