In der katholischen Kita Sankt Elisabeth in Haßloch üben Vorschulkinder Zahlen, Reihenfolgen und Muster, um den Übergang in die Schule zu erleichtern. Doch nicht überall gelingt das so gut.
An der Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen müssen zum Beispiel jedes Jahr viele Kinder die erste Klasse wiederholen, weil ihnen grundlegende Fähigkeiten in Sprache, Motorik und Konzentration fehlen. Dieses Jahr sind es 42 Kinder.
Um solche Defizite zu vermeiden, will die Landesregierung RLP ein verpflichtendes Jahr vor der Einschulung einführen - entweder als letztes Kita-Jahr oder als schulische Vorschulklasse. Details, Starttermin und Modell sind noch offen.
Letztes Kita-Jahr oder Klasse 0?
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An der Gräfenau-Grundschule gibt es bereits die "Klasse 0". Rund 20 ausgewählte Kinder mit besonderem Förderbedarf trainieren dort zweimal pro Woche für zwei Stunden wichtige sprachliche, motorische, kognitive, soziale und emotionale Fähigkeiten. Sie brauchen diese Unterstützung, obwohl sie alle in eine Kita gehen.
Die Nachfrage ist doppelt so hoch wie die Zahl der Plätze. Viele Kinder, die ebenfalls Förderung bräuchten, gehen leer aus. Das Land möchte, dass künftig alle Kinder im letzten Jahr vor der Einschulung eine verbindliche Förderung erhalten - unabhängig vom Wohnort.
Welches Modell komme, sei auch eine rechtliche Frage, so Barbara Mächtle, Rektorin der Gräfenau-Grundschule Ludwigshafen. Wie weit die Pläne seien, darüber hätte man gerne mit der neuen Bildungsministerin gesprochen. Trotz mehrfacher Nachfrage wolle das Ministerium nur schriftlich antworten, so Mächtle.
Kritik aus den Kitas
Erzieherin Claudia Theobald, Vorsitzende des Kita-Fachkräfteverbands Rheinland-Pfalz, hält ein reines Vorschuljahr für zu kurz gedacht. Sie meint, das eigentlich Problem sei nicht, dass nicht alle Kinder vor der Einschulung in eine Kita gingen, sondern die frühkindliche Bildung von klein auf.
Viele Kinder seien länger in der Kita als zu Hause, doch wegen Personalmangels und großer Gruppen sei nicht genug Zeit für individuelle Zuwendung und Sprachförderung. Claudia Theobald meint, Modelle wie die "Klasse 0" rissen Kinder aus ihrem Alltag, ohne die eigentlichen Probleme - zu wenig Personal, zu große Gruppen - zu lösen: "Es stellt sich auch die Frage, wer begleitet die Kinder dann dahin und wieder zurück? Das heißt, fehlen dann noch mehr Erzieher in der Kita?"
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Forderung: Früh fördern, Kitas stärken
Ähnlich sieht das auch Erziehungswissenschaftlerin Prof. Rahel Dreyer. Sie betont, dass frühe und qualitativ hochwertige Bildung entscheidend sei - besonders für unter Dreijährige.
Ein zusätzliches Jahr kurz vor der Schule reiche aus wissenschaftlicher Sicht nicht aus, wenn vorherige Betreuung und Förderung mangelhaft seien. Wichtig seien ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel, Zeit für Sprachförderung und enge Zusammenarbeit mit Eltern.
Das Bildungsministerium verweist auf über eine Milliarde Euro pro Jahr für frühkindliche Bildung und kündigt an, die Personalausstattung perspektivisch verbessern zu wollen. Konkrete Schritte und Zeitpläne bleiben offen.
Wie es für die Kinder weitergeht
Die Kinder aus der "Klasse 0" werden nach den Sommerferien reguläre Erstklässler - mit besseren Startchancen als viele andere. Ein verpflichtendes Vorschuljahr könnte solche Angebote für alle zugänglich machen. Ob das Bildungsungleichheiten tatsächlich verringert, hängt aber davon ab, ob die Kitas insgesamt besser ausgestattet werden und Kinder von Anfang an gut gefördert werden, so Experten.