Wirklich zur Ruhe kommt Maximilian Hendgen diesen September nicht mehr. Zu sehr ist der Geschäftsführer der Weinbauverbände Mosel und Mittelrhein mit der aktuellen Weinlese beschäftigt: "Diese und nächste Woche werden wir am Mittelrhein noch einmal Vollgas geben. Danach sollten wir mit dem meisten durch sein."
Bisher hatten wir gute Erträge, eine sehr hohe Reife und eine schöne Aromatik.
Mit den schon abgeernteten Trauben von Müller-Thurgau und verschiedenen Burgundersorten ist Hendgen zufrieden. "Bisher hatten wir gute Erträge, eine sehr hohe Reife und eine schöne Aromatik."
Auch der viele Regen in der vergangenen Woche habe dafür gesorgt, dass die Erntemenge bislang stimmt. Die Beeren hätten den vielen Regen an Rhein und Mosel noch einmal in sich aufgesogen.
Weniger Ertrag in der Pfalz und Rheinhessen
Weiter südlich zeichnet sich in der Pfalz und Rheinhessen eine kleinere Ernte ab. Zwar werde die Rechnung laut Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd erst zum Schluss gemacht. In den Beeren sei aber vor allem in der Pfalz bisher einfach zu wenig Saft.
Trotzdem sind die Winzer auch hier mit der Qualität der Trauben bisher sehr zufrieden. Der "kleine, aber feine" Jahrgang lasse frische, fruchtige Weißweine erwarten. Auch beim Rotwein werde in Sachen Aromen viel erwartet. Mit etwas mehr Säure würden die Weine aus Rheinhessen und der Pfalz ihrem Stil gerecht. Damit diese Qualität auf den letzten Metern nicht verloren geht, wollen viele Winzer ihre Lese wegen des unbeständigen Wetters so schnell wie möglich abschließen.
Ernten bevor die Fäule kommt
Denn das feucht-warme Wetter der letzten Wochen hat die reifen Trauben teilweise zum Faulen gebracht. Deshalb versuchen viele Winzer mit ihrer Ernte schon in den nächsten Tagen fertig zu werden. Das betrifft vor allem den Riesling für den viele Anbaugebiete im Land bekannt sind.
Auch, wenn der milde Sommer mit längeren Regen- und Sonnenperioden für viele Kinder und Freibad-Fans nicht warm genug war. Für die Reben sei er optimal gewesen, sagt Ernst Büscher, der Sprecher des Deutschen Weininstituts.
Das habe für gesunde Trauben gesorgt, aber auch dazu geführt, dass viele Rebsorten nahezu gleichzeitig reif waren. Vor allem in Rheinhessen und der Pfalz mussten die Winzer mit ihren Vollerntern deswegen auch nachts in den Wingert. Damit die Trauben möglichst schnell und kühl in den Keller kommen. Weinexperte Büscher findet: Durch einen hohen Weinsäuregehalt hätte der Jahrgang 2025 gute Voraussetzungen für sehr gute und fruchtige Weine.
Stabile Preise trotz gestiegener Kosten?
Für die Wein-Fans im Land könnte der Jahrgang 2025 zum Fest werden. Denn trotz der hochgelobten Qualität der gelesenen Trauben könnten die Preise im Einzelhandel mehr oder weniger stabil bleiben. Und das, obwohl viele Betriebe mit gestiegenen Kosten für Energie oder Dünger zu kämpfen haben. Zusätzlich steht im kommenden Jahr die Erhöhung des Mindestlohns vor der Tür.
Doch die Nachfrage nach Wein sei aufgrund der wirtschaftlichen Lage nur verhalten, bestätigen mehrere Experten dem SWR. Gleichzeitig konkurrieren die rheinland-pfälzischen Winzer im Supermarktregal mit Weinen aus Spanien, Italien oder Frankreich. Dieser Preisdruck könnte dafür sorgen, dass man für den neuen Jahrgang am Ende nicht unbedingt mehr bezahlen muss.
Manche Betriebe müssen sich strecken
“Da muss man nicht viel Mathe in der Schule gehabt haben. Wenn die Preise für die Herstellung steigen und für den Kunden gleich bleiben. Ein paar Jahre kann man das wegstecken, aber dann wird es eng", sagt Maximilian Hendgen.
Einen Ausweg für die Winzer sieht Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut im kosteneffizienten Weinanbau. Mit robusten Sorten, die weniger anfällig für Schädlinge sind und weniger Personal bei der Lese.
Genauere Zahlen zur Weinlese 2025 wird es voraussichtlich erst Anfang Oktober geben. Dann werden auch an der Mosel und am Mittelrhein alle Trauben gelesen sein.