An Bord der Ariane 6 befindet sich der französische Aufklärungssattelit CSO-3, ein Spionagesatellit. Mitfinanziert wurde dieser aus Deutschland - im Gegenzug erhält Deutschland Zugriff auf die Daten der CSO-Konstellation.
Zwar ist Ariane 6 nicht unbedingt die ideale Trägerrakete, um Satelliten wie CSO-3 ins All zu bringen. Andererseits macht sich die europäische Raumfahrt mit einer eigenen Rakete aber auch unabhängig von privaten Unternehmen wie Elon Musks SpaceX.
Ariane 6 nicht ideal für den Transport des Satelliten
Die europäische Rakete Ariane 6 wurde unter anderem mit dem Ziel gebaut, Nutzlast in den geostationären Orbit zu transportieren - also in ungefähr 36.000 Kilometer Höhe.
CSO-3 wird aber nur auf etwa 800 Kilometer Höhe gebracht. Für diese Höhe hat die Ariane 6 eine Nutzlastkapazität von rund acht Tonnen. Der Satellit wiegt aber nur dreieinhalb Tonnen. Die Rakete ist also nicht ausgelastet.
Ariane 6 nur selten ausgelastet
Auch bei den kommenden Starts wird die Ariane 6 nur selten ausgelastet sein. Immerhin ist sie aber insofern flexibel, dass nicht unbedingt die Version mit der maximalen Kapazität geflogen werden muss. Diese wird beim Start von vier statt zwei Feststoffboostern unterstützt und kann doppelt so viel Nutzlast ins All transportieren.
Und auch wenn die kleine Version nicht immer ausgelastet sein wird, es gibt auch Einsätze, bei denen die Fähigkeiten der großen Version voll ausgeschöpft werden. Zum Beispiel soll sie auf mehreren Flügen mehr als 30 Satelliten der Kuiper-Konstellation gleichzeitig transportieren. Das entspricht knapp 20 Tonnen.
Ariane 6 kann mehrere Umlaufbahnen nacheinander erreichen
Die Ariane 6 ist aber auch noch in anderer Weise flexibler als ihre Vorgängerin, Ariane 5. Das neue Oberstufentriebwerk Vinci kann im Flug mehrfach wiedergezündet werden. Das heißt, man kann die Oberstufe ausstellen und sie dann erneut zünden.
Das ermöglicht es Ariane 6, nacheinander verschiedene Umlaufbahnen zu erreichen und so mehrere Kunden gleichzeitig zu bedienen. Auch so kann die gesamte Kapazität ausgenutzt werden.
Erstflug der Ariane 6 mit Problem
Beim Erstflug im Juli 2024 gab es hier allerdings ein Problem: Nach der zweiten Zündung war Schluss. Ein Hilfstriebwerk, die sogenannte APU, versagte. Sie wurde zu heiß, schaltete sich ab und Vinci konnte nicht ein drittes Mal gestartet werden. Der Flug war praktisch vorbei.
Im September 2024 meldete die Europäische Weltraumagentur ESA, es gebe eine Lösung für das Problem. "Man kühlt jetzt die APU nochmal herunter, damit dieser Wert nicht überschritten wird", erklärt Ulrich Walter, emeritierter Professor für Raumfahrttechnik an der TU München und ehemaliger Astronaut.
Jedoch sei nicht untersucht worden, warum die APU beim ersten Flug im Juli 2024 zu heiß wurde, bemängelt Walter. Für ihn ist die neue Lösung nicht ideal. "Jetzt schauen wir mal, ob das beim nächsten Mal richtig funktioniert."
Mit der letzten Wiederzündung des Vinci-Triebwerks soll dann auch die Oberstufe wieder in die Atmosphäre gebracht werden, wo sie verglühen würde. Damit will die ESA das Versprechen einhalten, ab 2030 keinen neuen Weltraumschrott im All zu hinterlassen.
Europa leistet sich mit Ariane 6 Unabhängigkeit in der Raumfahrt
Trotz aller Flexibilität: Dass eine Rakete wie die Ariane 6 zum Teil nur zur Hälfte ausgelastet fliegt, leistet sich Europa aber auch ganz bewusst. Manchmal will man die Nutzlast einfach nicht aus der Hand geben. Der heutige Start ist ein gutes Beispiel: CSO-3, die optische Weltraumkomponente, ist natürlich sicherheitsrelevant.
CSO-1 und -2 wurden noch mit Soyus-Raketen von Russland aus gestartet. Russland, damals zumindest in der Raumfahrt noch ein verlässlicher Partner, kommt heute für solche Starts nicht mehr in Frage. Mit der Ariane 6 hat Europa jetzt wieder die Möglichkeit diese Technik selbst ins All zu transportieren.
Ehemaliger Astronaut übt Kritik an Rolle von Elon Musks SpaceX
Eigentlich gilt das auch für deutsche Militärsatelliten, aber: Alle drei SARah-Aufklärungssatelliten wurden mit einer Falcon 9 von Elon Musks Unternehmen SpaceX ins All transportiert. Bei der Entscheidung habe allerdings weniger eine Rolle gespielt, ob eine europäische Rakete zur Verfügung steht, sagt Ulrich Walter.
"Ich hab extra beim Militär nachgefragt: Wie kann es sein, dass ihr eure Radarsatelliten mit Elon Musk in den Weltraum bringt? (...) Die können euch die Geheimnisse abkucken. Da haben die gesagt, das einzige worauf es ankommt, ist Geld. Und das war eine politische Vorgabe. (...) Das geht nicht! Ariane 6 ist gebaut worden, um genau solche militärischen Satelliten, auch deutsche, in den Weltraum zu bringen. Und da darf Geld keine entscheidende Rolle spielen", so die Kritik Walters.