SWR2 Wissen | 2-teilige Reihe

Bier und Wein – Trendgetränke und Klimawandel

Corona-Pandemie, Krieg in der Ukraine, Wetterextreme: Eine Krise folgt auf die andere. Schwere Zeiten – auch für die Bierbrauer und Winzer im Land. Vor allem der Klimawandel wird die Branchen nachhaltig verändern. Doch er sorgt auch für ein Umdenken – sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Konsumenten.

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Stand

Beim Weinanbau macht das Klima die Musik: Je nachdem, wie warm und trocken eine Region ist, wird von den Winzern die passende Rebsorte dafür gewählt. In Deutschland wurde daher über Jahrhunderte der hier klassische Riesling angebaut. Denn diese Sorte mag es eher kühl und feucht. Doch vor allem im Südwesten Deutschlands könnte es dafür bald schon zu heiß sein – und zu trocken.

Daher stehen viele Winzer momentan vor einer schweren Entscheidung: Setzen sie die Tradition ihrer Vorfahren fort oder setzen sie auf neue Sorten? Die Entscheidung muss gut durchdacht sein und mit Weitsicht getroffen werden. Eine neue Weinrebe braucht bis zu sieben Jahre, bis sie erntefähige Trauben bildet. Klimatische Veränderungen spielen bei der Planung daher eine wichtige Rolle.

Rebe mit Rieslingtrauben: Der Riesling mag es eher kühl und feucht. Daher wurder er in Deutschland über Jahrhunderte angebaut. Bald könnte es für den Riesling hierzulande aber zu heiß und zu trocken sein. Die Winzer müssen umdenken.
Der Riesling mag es eher kühl und feucht. Daher wurder er in Deutschland über Jahrhunderte angebaut. Bald könnte es für den Riesling hierzulande aber zu heiß und zu trocken sein.

An der Mosel, wo eigentlich traditionell Riesling angebaut wird, findet bereits ein Umdenken statt. Immer häufiger setzen die Winzer hier auf Burgunder. Auch Jungwinzer Sven Nieger setzt in Baden-Baden unter anderem auf Rebsorten wie Syrah, die früher eigentlich nur in südeuropäischen Ländern angebaut wurde. Wie wichtig es ist, sich den klimatischen Veränderungen anzupassen, zeigt ein Blick in das Elsass. Dort haben einige Winzer zu lange am Riesling festgehalten, statt auf Rotwein zu wechseln, sagt Wein-Sommeliér Stephanie Döring. Mittlerweile habe die Region keinen Markt mehr.

Biologischer Anbau ist im Kommen

Der Klimawandel sorgt aber nicht nur dafür, dass andere Rebsorten angebaut werden, er stärkt auch das ökologische Bewusstsein vieler Winzer. Eine der aktuellen Entwicklungen beim Wein ist der Trend hin zu biologischem Anbau. Biosiegel wie Demeter oder Bioland prangen immer häufiger auf den Etiketten sowie der Vermerk, dass ein Wein vegan ist. Die Winzer versichern damit, sich an gewisse Standards zu halten und nachhaltig zu produzieren und keine tierischen Produkte zur Klärung des Weins zu verwenden.

Die Unterschiede zwischen biologischem und konventionellem Weinbau zeigt sich zum Beispiel beim Thema Düngung. Im konventionellen Weinbau wird mit synthetischen Düngemitteln gearbeitet, der wichtigste synthetische Dünger ist Stickstoff. Um den Stickstoffdünger auszubringen, wird im konventionellen Weinbau in der Regel immer eine Rebzeile offengehalten. Das bedeutet, diese Reihe wird nicht begrünt, damit dort der Mineraldünger ausgebracht werden kann.

Immer häufiger prangen Biosiegel auf den Etiketten der Weinflaschen sowie der Vermerk, dass ein Wein vegan ist
Immer häufiger prangen Biosiegel auf den Etiketten der Weinflaschen sowie der Vermerk, dass ein Wein vegan ist

Die andere Herangehensweise, die Bio-Winzer bevorzugen, ist die organische Düngung. Dabei wird über Jahre hinweg eine Humusschicht im Weinberg aufgebaut. Kompost wird ausgebracht, die Rebzeilen werden begrünt – mit Pflanzen, die Stickstoff aus der Luft binden und im Boden der Rebe verfügbar machen.

Der Vorteil gegenüber dem Mineraldünger kam in den Jahren zwischen 2018 bis 2020 zum Vorschein. Weil es teilweise wochenlang nicht geregnet hatte, trockneten die Böden aus. Die Folge: Immer mehr Weinberge litten an Mangelerscheinungen, zum Beispiel hatten sie zu wenig Stickstoff. Denn Mineraldünger würde von den Weinbergen nur aufgenommen, wenn es regnet, sagt Daniel Deimling, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Betriebswirtschaft des Wein- und Getränkesektors an der Hochschule Heilbronn. Bei der organischen Düngung sei der Stickstoff für die Rebe auch bei Trockenheit verfügbar.

Klimawandel beeinflusst auch die Bierbrauer

Auch bei den Bierbrauern ist der Klimawandel ein großes Thema. Der Hopfenanbau leidet beispielsweise bereits seit Jahren unter der Trockenheit. Doch vor allem die Hauptzutat des Biers könnte zukünftig hart umkämpft sein: Wasser. Denn Bier besteht nicht nur zu 98 Prozent aus Wasser, es wird auch in großen Mengen während des gesamten Herstellungsprozesses gebraucht.

Ähnlich wie beim Wein wird auch beim Bier von den Verbrauchern zudem mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Befeuert wird der Trend zur Regionalität auch von der Craftbier-Bewegung. Craftbier – was auf Deutsch so viel bedeutet wie: handwerklich gebrautes Bier – sorgte für eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung alter, regionaler Bierstile. Ausgehend von den USA schwappte der Trend in den 2010er-Jahren nach Europa über.

"Lecker Bierchen" steht auf der Tafel hinter verschiedenen Craft-Beer-Flaschen: Handwerklich gebrautes Bier sorgte für eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung alter, regionaler Bierstile
"Lecker Bierchen" steht auf der Tafel hinter verschiedenen Craft-Beer-Flaschen: Handwerklich gebrautes Bier sorgte für eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung alter, regionaler Bierstile

Doch nicht nur Regionalität ist ein Trend bei den Brauern, auch alkoholfreies Bier ist immer gefragter. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes ist bereits jedes zehnte Bier, das verkauft wird, ohne Alkohol. Insgesamt ist der Bierkonsum – ob mit oder ohne Alkohol – jedoch seit Jahren leicht rückläufig in Deutschland. Im Jahr 2000 tranken die Deutschen im Schnitt noch mehr als 125 Liter pro Kopf und Jahr – im Jahr 2021 nur noch etwa 91,6 Liter. Trotz allem eine beachtlich hohe Zahl.

Weinkonsum seit Jahren konstant

Die Weinbranche kann da nur neidisch auf die Brauer schauen. Mit 20,7 Litern pro Kopf fällt der Konsum von Wein deutlich geringer aus – was natürlich auch mit dem höheren Alkoholgehalt zu erklären ist. Dafür ist der Weinkonsum in den vergangenen Jahren sehr konstant geblieben und hat sich während der Corona-Pandemie sogar leicht erhöht.

Doch natürlich gibt es auch in der Weinbranche neben dem umweltbewussteren Anbau weitere Trends, die vor allem bei den jüngeren Generationen Anklang finden. Vor allem bei der Verpackung wird mit den Konventionen gebrochen – auch aus Nachhaltigkeitsgründen. So füllen einige Jungwinzer ihren Wein beispielsweise in Dosen ab. Das hat nicht nur für den Transport Vorteile und umgeht das Problem des Glasmangels. Dosen sind auch lichtundurchlässig und somit eigentlich besser geeignet als die dunklen Glasflaschen, bei denen Licht durchkommt.

Auch beliebt ist die sogenannte Bag-in-Box, also "Beutel in Schachtel", vor allem in Skandinavien. Der Wein wird hier in einen Innenbeutel abgefüllt, der sich in einem Karton befindet. Die Beutel können dabei auch gerne mal direkt mehrere Liter Wein enthalten. Über einen Zapfhahn kann sich der Konsument dann bequem sein Glas voll machen.

Bag-in-Box mit Wein: Alternative Verpackungen für Wein haben es schwer. Die Gründe für die Skepsis sind aber eher psychologisch als wissenschaftlich: Im Schlauch oder in der Dose ist der Wein vor Licht und Sauerstoff gut geschützt – wichtig für die Haltbarkeit.
Bag-in-Box mit Wein: Alternative Verpackungen für Wein haben es schwer. Die Gründe für die Skepsis sind aber eher psychologisch als wissenschaftlich: Im Schlauch oder in der Dose ist der Wein vor Licht und Sauerstoff gut geschützt – wichtig für die Haltbarkeit.

Orange-Wein als neuer Trend

Natürlich gibt es auch allgemeine Trends, die einzelnen Weinsorten gelten. Grauburgunder etwa ist momentan sehr gefragt. Zudem geht es eher zu Rosé und Weißwein, also zu den alkoholärmeren Weinen, ähnlich wie beim Bier. Es gibt tatsächlich auch Winzer, die alkoholfreie Weine produzieren.

Im Kommen ist auch Orange-Wein, ein maischevergorener Weißwein. Das bedeutet, dass der Saft von weißen Trauben zusammen mit den Schalen vergoren wird. So macht man es eigentlich nur beim Rotwein. Denn die rote Farbe bekommt der Wein von der Schale der Trauben. Vergärt man den Saft weißer Trauben zusammen mit den Schalen, dann bekommt der Wein eine dunkelgelbe bis goldene oder eben orange Farbe.

Abschließend bleibt festzuhalten: Während Alkohol allein schon aus hygienischen Gründen früher oft unverzichtbar war, trinken gerade gesundheitsbewusste junge Menschen heute bewusst häufig alkoholfreie Varianten. Und sie schauen auf Herkunft und Verarbeitung: Nachhaltigkeit ist im Trend – nicht zuletzt wegen des Klimawandels. Die Auswirkungen, die bereits jetzt spürbar für die Winzer und Brauer sind, werden wohl noch zunehmen. Doch auch wenn der Wein irgendwann aus Norddeutschland kommen sollte und das Bier aufgrund von Wassermangel zum Luxusgut würde: Getrunken wird es vermutlich noch sehr lange.

Bier und Wein (1/2) Die lange Geschichte der Trinkkultur

Bier und Wein sind Kulturgetränke, sie prägen unsere Gesellschaft. Warum sind die beiden uns so wichtig? Und was hat das Bier mit der Sesshaftwerdung des Menschen zu tun?

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Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft Prost Neujahr! Und wenn ihr verkatert seid, haben wir den Pro-Tipp!

Diese Woche mit Sina Kürtz und Julia Nestlen.

Ihre Themen sind:
- Verkatert? Julia checkt, was wirklich hilft (00:54)
- Warum ist Eis eigentlich rutschig? (07:04)
- Was ist wichtiger – Schlaf oder Sport? (15:58)
- Dieses Mammut ist leider ein Wal! WTF?! (21:42)

Weitere Infos und Studien gibt’s hier:
Unknown safety and efficacy of alcohol hangover treatments puts consumers at risk: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306460321002148

Ancient Amethyst Ring Found in Israel May Have Been Worn to Ward Off Hangovers: https://www.smithsonianmag.com/smart-news/ancient-amethyst-ring-found-in-israel-hangovers-gem-wine-180979000/

The Medicine of the Babylonians and Assyrians: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2003546/

The Oxyrhynchus Papyri: https://oxyrhynchus.web.ox.ac.uk/home
Cold Self-Lubrication of Sliding Ice: https://journals.aps.org/prl/abstract/10.1103/1plj-7p4z

Bidirectional associations between sleep and physical activity investigated using large-scale objective monitoring data: https://www.nature.com/articles/s43856-025-01226-6

Adopted “mammoths” from Alaska turn out to be a whale's tale: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jqs.70040?campaign=wolearlyview

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Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft Für den ganz besonderen Anlass: Schmuck aus Dinokacke

Diese Woche mit Aeneas Rooch und Charlotte Grieser.

Ihre Themen sind:
- Schmuck aus Dinosaurier-Koproliten (04:14)
- Nicht nachmachen! Virologin heilt eigenen Brustkrebs (11:12)
- Geschlecht des Kindes festlegen – einfach mit der Schöpfkelle (22:00)
- Die perfekte Bierglasform (28:27)

Weitere Infos und Studien gibt’s hier:
This scientist treated her own cancer with viruses she grew in the lab: https://www.nature.com/articles/d41586-024-03647-0
A non-randomized clinical trial to determine the safety and efficacy of a novel sperm sex selection technique: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0282216
Optimizing Beer Glass Shapes to Minimize Heat Transfer – New Results: https://www.arxiv.org/pdf/2410.12043

Unser Podcast-Tipp der Woche: Im Raumfahrtpodcast “Ready for Liftoff” dreht sich alles um die besonderen Momente der Raumfahrtgeschichte, aber auch um aktuelle Missionen, spannende Zukunftsvisionen und überraschende Einblicke in die Welt der Astronauten und Forscher. Locker erzählt, unterhaltsam und immer verständlich – ohne komplizierte Physik.
https://1.ard.de/ready-for-liftoff

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Weinbau Wie gefährlich ist die neue Rebkrankheit „Goldgelbe Vergilbung“

An drei Standorten in Baden-Württemberg hat das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg erstmals die Flavescence dorée (Goldgelbe Vergilbung) nachgewiesen. Betroffen sind Rebflächen in den Landkreisen Lörrach, Breisgau-Hochschwarzwald und Ortenaukreis. In anderen europäischen Ländern verursacht die Rebkrankheit enorme Schäden. Was kann man dagegen tun?
Jochen Steiner mit im Gespräch mit Dr. Rene Fuchs vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg

Impuls SWR Kultur

Wahrnehmungspsychologie Warum schmeckt der mitgebrachte Urlaubswein zu Hause ganz anders?

Man bringt Wein aus den Ferien mit, der vor Ort sehr lecker war, trinkt ihn zu Hause und wundert sich, weil er nicht schmeckt. Warum ist das so? Von Werner Eckert | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Fakt ab! Eine Woche Wissenschaft Diese neue Farbe haben bisher nur fünf Menschen gesehen!

Diese Woche mit Sina Kürtz und Julia Nestlen.

Ihre Themen sind:
- Mittelalterliche Graffiti auf dem Berg Zion gefunden (00:51)
- Neue Farbe erzeugt – mit diesem Trick (07:52)
- Der bitterste Geschmack der Welt, bäh! (16:41)
- Atomuhr auf der ISS – Pünktlichkeit ist eine Zier! (22:14)

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Brand-new colour created by tricking human eyes with laser: https://www.nature.com/articles/d41586-025-01252-3
Taste-Guided Isolation of Bitter Compounds from the Mushroom Amaropostia stiptica Activates a Subset of Human Bitter Taste Receptors: https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.4c12651
Atomic Clock Ensemble in Space: https://www.esa.int/Science_Exploration/Human_and_Robotic_Exploration/ACES_Atomic_Clock_Ensemble_in_Space#msdynttrid=qEo4tdf8_lwtMEEuj0rZGZ3m2LJ7bmJTOcQmnKspnbM

Unser Podcast-Tipp der Woche: NS-CLIQUEN Von Menschen und Mördern. Wie wurden aus ganz normalen Menschen Verbrecher gegen die Menschlichkeit? Historikerin und Wissenschaftsjournalistin Janine Funke im Gespräch mit Historiker Dr. Stefan Hördler.
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