Nachdem ein Wolf eine Frau in einer Hamburger Einkaufspassage gebissen hat, stellt sich die Frage, wie gefährlich die Tiere für Menschen sind. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) schreibt dem SWR auf Anfrage, dass seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland vor dem Vorfall in Hamburg noch kein Mensch durch einen Wolf verletzt worden sei.
Seit 1998 ist der Wolf laut dem BfN in Deutschland etabliert. Ein Fall "unprovoziert aggressiven Verhaltens" sei noch nicht aufgetreten. Das hat sich mit dem Vorfall in Hamburg nun geändert.
Laut Marie Neuwald, Wolfsexpertin beim Naturschutzbund NABU, bleibt die Wahrscheinlichkeit, von einem Wolf gebissen zu werden, trotzdem äußerst gering.
Viel wahrscheinlicher sei es, von einem Hund gebissen zu werden, denn in Deutschland leben mehr als 10 Millionen Hunde. Laut Monitoring der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat es 2024/2025 in ganz Deutschland 1.633 Wölfe gegeben.
Hundebisse: Die größere Gefahr im Alltag
Schätzungen zufolge kommt es jedes Jahr zu zehntausenden Hundebissen in Deutschland. Weil Hundebisse nicht meldepflichtig sind, gibt es keine belastbare Statistik zur genauen Anzahl. Aber es gibt Fälle, die den gesetzlichen Unfallkassen gemeldet werden. Dazu kommen die Polizeistatistiken, in denen Fälle fahrlässiger Körperverletzung durch Hundebisse erfasst werden.
Laut Auskunft der Polizei in Mainz, Stuttgart und Freiburg liegen zu den Bissen allerdings keine gesonderten Statistiken vor. Das Polizeipräsidium Mainz spricht von jährlich etwa 30 bis 40 Fällen im Großraum Mainz, bei denen Hundebisse als fahrlässige Körperverletzung eingestuft werden.
Und dann gibt es noch die Fälle, die beim Statistischen Bundesamt landen: Todesfälle durch Hundebisse. Von 1998 bis 2023 sind 88 Menschen an den Folgen eines Hundebisses gestorben.
Erziehung von Hunden entscheidend
Seltener ist es die Begegnung draußen, die für uns zur Gefahr wird: In einem Großteil der Biss-Unfälle ist es ein Tier, das die Opfer bereits kannten oder sogar das eigene. Immer wieder widersprechen Fachleute der Annahme, die Gene bestimmter Hund seien für Bisse verantwortlich.
Falsche Erziehung oder Fehleinschätzungen von ängstlichem Verhalten seien die Hauptursachen. In jedem Fall ist aggressives Verhalten gegenüber Menschen für Hunde nicht üblich. Und ebenso wenig für ihren wilden Verwandten, dem Wolf.
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Ein Mädchen wurde in Idar-Oberstein gebissen. SWR Aktuell hat bei Kommunen und Hunde-Experten nachgefragt, wie häufig solche Attacken sind und wie sie verhindert werden könnten.
Wie verhalten, wenn ein Wolf auftaucht?
Die Wahrscheinlichkeit von einem Wolf gebissen zu werden geht nach Einschätzungen von Fachleuten gegen Null. Vor allem mit dem richtigen Verhalten, erklärt Marie Neuwald.
Wichtig ist es, ruhig zu bleiben. Nicht weglaufen, sondern dem Wolf die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen. Wenn man sich unwohl fühlt, kann man sich groß machen, rufen, klatschen oder sich selbst ruhig zurückziehen.
Sie warnt davor, den Wolf in die Enge zu treiben oder ihn anzufassen. Denn das könnte ein Wildtier wie der Wolf als Bedrohung wahrnehmen. Auch Futter sollte man Wölfen nicht anbieten. Das Umweltbundesministerium warnt, dass Wölfe durch Futter positive Reize erfahren, wodurch sie ihre instinktive Vorsicht verlieren und sich dem Menschen nähern könnten.
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Der Hornisgrinde-Wolf hätte bis zum 10. März offiziell abgeschossen werden dürfen. Nun hat das Umweltministerium mitgeteilt, dass die Genehmigung zum Abschuss nicht verlängert wird.
Keine Panik, aber Respekt vor dem Wolf
Auch wer den Wolf nur aus einer entspannten Entfernung in einem Siedlungsgebiet sieht, sollte die Sichtung den zuständigen Behörden melden. "Damit die Behörden so früh wie möglich Bescheid wissen und gegebenenfalls reagieren können", sagt Neuwald.
Das Verhalten des Wolfes in Hamburg stellt Fachleuten zufolge eine seltene Ausnahme dar, das bestätigt auch die Statistik. Ein gesunder Respekt vor Wildtieren und ein vorsichtiger Umgang ist wichtig, doch Panik ist fehl am Platz – egal ob bei Wölfen oder Hunden.