Psychologie

Wirkt psychedelische Musik psychedelisch?

Teilen

Stand

Von Autor/in Luca Sumfleth

Pink Floyd hören und in Trance fallen?

Auf die Idee könnte man bei Name und Klang der Musik tatsächlich kommen. Beispiel: „Interstellar Overdrive“ von Pink Floyd. Ein knapp 10-minütiges Instrumentalstück mit langen rhythmischen Wiederholungen, ungewohnten Akkordfolgen und einem endlos wirkenden Improvisationsteil. Ein musikalisches Versprechen. Man müsse die Musik nur laut genug aufdrehen und die psychedelische Wirkung kann sich entfalten. Die Hörer fallen in Trance.

Eine psychedelische Wirkung wird durch Musik nicht hervorgerufen

Das ist nicht so. Zumindest nach neurowissenschaftlicher Begriffsdefinition. „Psychedelisch“ meint nämlich, dass ein psychedelischer Bewusstseinszustand hervorgerufen ist. Der ist wiederum durch das Eintreten verschiedener psychischer, somatische oder visueller Effekte gekennzeichnet und wird zumeist durch die Einnahme psychedelischer Substanzen wie LSD oder Psylocibin ausgelöst.

Musik, auch solche die als psychedelisch bezeichnet wird, kann diese Effekte jedoch nicht hervorrufen. Wäre dem so, wäre die Musik wohl auch auf dem Index gelandet.

Psychedelische Musik will die psychedelische Erfahrung hörbar machen

Psychedelische Musik ist jedoch von der psychedelischen Erfahrung inspiriert, sie will diese musikalisch imitieren. Rhythmische Wiederholungen, strukturlose Improvisationen und wirre Taktarten- und Wechsel sollen die veränderten Zeitwahrnehmungen während eines psychedelischen Trips akustisch widerspiegeln. Es ist somit auch kein Zufall, dass die Anfangszeit der psychedelischen Rockmusik, die 1960er-Jahren, auch als Hochphase des LSD-Konsums gilt.

Bekannt ist dabei die Geschichte um Syd Barrett, Komponist von „Interstellar Overdrive“. Dieser schrieb die ersten Lieder von Pink Floyd zumeist unter dem Einfluss von LSD und wurde so zum Wegbereiter der psychedelischen Rockmusik. Bereits während der Aufnahmen zum zweiten Album der Band litt er, aufgrund einer psychischen Vorerkrankung und dem starkem LSD-Konsum, zunehmend an Realitätsverlusten. Er musste die Band verlassen.

Musik und Psychedelika versprechen Fortschritt bei Therapieverfahren

Musik und psychedelische Substanzen könnten aber auch eine positive Wirkung bei psychischen Leiden haben. Dahinter steckt, dass Psychedelika wie LSD oder Psilocybin jene Gehirnmechanismen unterdrücken, die Emotionen regulieren. Sie lassen den Emotionen freien Lauf. Das Hören von Musik hingegen, so weiß man, kann Emotionen aktivieren. Positive wie negative.

Forschende der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore wollen diese Erkenntnisse für die Psychotherapie nutzen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass die emotionale Reaktion auf Musik während des Einflusses von Psychedelika verstärkt ist. So erhofft man sich bei Patienten schneller jene Emotionen hervorzurufen, die für eine Therapie psychischer Leiden hilfreich sein können. Allerdings: Solche Therapien sind nicht ungefährlich und müssen unter streng kontrollierten Bedingungen durchgeführt werden. In Deutschland sind sie zudem illegal.

Ob psychedelische Musik bei solchen Therapien besonders hilfreich ist, darüber weiß man bisher nichts.

Rhythmus Welche Art Musik verführt zum Tanzen?

Wann ist Musik groovy? Musik verführt uns dann zum Mitbewegen, wenn der Rhythmus mittelkomplex ist, also nicht zu simpel und nicht zu anspruchsvoll. Forscher nennen explizit ein Stück, das sie für ziemlich optimal halten, nämlich "Happy" von Pharrell Williams. Von Gábor Paál

Gedächtnis Warum können wir uns Handgeschriebenes besser merken?

Beim Schreiben passiert im Gehirn mehr als beim Tippen. Gut 30 Muskeln und 15 Gelenke arbeiten dann zusammen – echte Feinarbeit fürs Gehirn. Was bedeutet das für unser Gedächtnis?

Medizingeschichte Woher kommt der Begriff "Alzheimer", Eckart von Hirschhausen?

Der Name der Krankheit geht auf den Nervenarzt Alois Alzheimer zurück. Der erkannte 1906 auffällige Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit und Sprachprobleme bei einer Patientin.

Wahrnehmungspsychologie Warum schmeckt der mitgebrachte Urlaubswein zu Hause ganz anders?

Man bringt Wein aus den Ferien mit, der vor Ort sehr lecker war, trinkt ihn zu Hause und wundert sich, weil er nicht schmeckt. Warum ist das so? Von Werner Eckert | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Körper Wie lange braucht ein Lichtsignal vom Objekt ins Gehirn?

Bis wir ein Objekt erkennen, brauchen wir etwa 150 Millisekunden. Die meiste Zeit davon verbringt das Signal "in unserem Kopf". Warum ist das so? Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.