Zahnmedizin

Zahnpasta aus Schafswolle soll Zähne besonders gut schützen

Forschende des Londoner King's College haben herausgefunden, dass ein Stoff, aus dem unter anderem Schafswolle besteht, Zähne besonders gut schützen soll. Wie geht das?

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Von Autor/in Charlotte Grieser

Auf den ersten Blick haben Schafe und Zahnbehandlungen nicht viel miteinander zu tun. Die Forschenden des Londoner King's College aber sagen dazu nach ihrer kürzlichen Entdeckung: nicht weniger als eine Revolution der Zahnmedizin.

Keratine und Speichel bilden einen starken Schutzfilm auf Zähnen

Die Forschenden haben aus Schafswolle Proteine, genauer Keratine, isoliert. Auch Haare, Nägel und Hornhaut sowie die Hörner, Hufe und Vogelschnäbel bei Tieren bestehen aus Keratin.

In Verbindung mit Speichel - konnten die Forschenden beobachten - reagiert Keratin mit Mineralien wie Phosphor und Kalzium im Speichel und bildet eine Art Schutzfilm auf den Zähnen.

Damit passiert genau das, was sonst der Zahnschmelz macht. Ist der durch Knirschen etwa oder säurehaltige Lebensmittel abgenutzt bedeutet das oft Karies und Schmerzen wegen freiliegende Zahnhälsen.

Erneuerung des Zahnschmelzes bisher nicht möglich

Bisher lässt sich im Grunde nur der weitere Verfall, also der Abbau des Zahnschmelzes bremsen. Das geschieht manchmal mithilfe einer Versiegelung, üblicher sind aber flouridhaltige Zahngels, die etwa einmal in der Woche zuhause und auch bei der zahnärztlichen Kontrolle oder im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung aufgetragen werden. Das allerdings erneuert den Zahnschmelz nicht.

Schafswolle, Keratine sind Faserproteine, aus denen Schafswolle besteht, aber auch viele andere Gewebe im Tierreich, wie die Stacheln von Igel, Barten von Walen und die Schnäbel und Federn von Vögeln.
Keratine sind Faserproteine, aus denen Schafswolle besteht, aber auch viele andere Gewebe im Tierreich, wie die Stacheln von Igel, Barten von Walen und die Schnäbel und Federn von Vögeln. Manfred Segerer

Das Keratin in Zahnpasta hat sich als zweihundertmal wirksamer als Fluoride bei der Vorbeugung erwiesen. Empfindliche Zähne könnten also durch tägliches Putzen mit dem Keratingemisch oder, in extremen Fällen, durch ein professionell aufgetragenes Gel, ähnlich wie Nagellack, behandelt werden.

Keratin als körpereigener Stoff in Zahnpasta der Zukunft?

Keratin ist wasserlöslich und kann wie von Zahnpasta gewohnt mit Minzgeschmack verrührt werden. Angst vor Wolle, Haaren oder Nägeln in der möglichen Zahnpasta der Zukunft muss niemand haben, denn es geht hierbei ja um das chemisch isolierte, also aufbereitete Keratin als Wirkstoff.

Die Nutzung von Keratin in Zahnpasta als Vorbeugung könnte nicht nur effektiver, sondern auch kostengünstiger sein als beispielsweise Kunststofffüllungen von beschädigten Zähnen.

Keratin als körpereigener Stoff fällt schließlich ständig als Abfall an. Daraus etwas zu machen, das Zähne effektiv schützt, wäre ein großer Fortschritt.