Alarm übers Handy

Ersthelfer-Apps: Welche Vorteile haben sie und wie werden sie eingesetzt?

Angst, etwas falsch zu machen, oder fehlende Kenntnisse: Zwei häufige Hemmnisse, wenn es um Wiederbelebung geht. Ersthelfer-Apps können geschulte Personen zum Notfallort führen.

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Stand

Für Umstehende oft unvermittelt und ein großer Schreck: Wenn plötzlich ein Mensch, vielleicht sogar jemand von den Angehörigen, leblos zusammensackt. Dazu mischen sich oft Unsicherheiten über den Ablauf einer Wiederbelebung.

Skandinavische Länder machen es uns vor

Mit Quoten um die 80%, in denen vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung begonnen wird, macht es uns Skandinavien vor, während es bei uns nur rund 55% sind. Ein Baustein zur Verbesserung dieser Zahl sind Apps zur Alarmierung von Ersthelfern und Ersthelferinnen. Die finden mittlerweile bundesweit und auch in Rheinland-Pfalz mehr und mehr Einzug. Die Idee dahinter: Personen alarmieren, die in der Reanimation geübt und in der nahen Umgebung verfügbar sind.

Warum Ersthelfer-Systeme nötig sind

Bei einem Kreislaufstillstand passiert genau das, was der Name sagt: Der Kreislauf steht still. Das Herz pumpt also kein Blut und somit kein Sauerstoff mehr durch den Körper. Der Mangel sorgt nach wenigen Sekunden für den Verlust des Bewusstseins. Nach etwa drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff nimmt das Gehirn irreversiblen Schaden.

Problem: Der Rettungsdienst braucht in aller Regel länger. In Rheinland-Pfalz sind bis zu 15 Minuten Fahrzeit gesetzlich erlaubt, hinzu kommt die Zeit für den Notruf. Die Ersthelfer bieten hier eine Chance: Sofern verfügbar, sind sie in drei bis fünf Minuten am Einsatzort.

Wie Ersthelfer-Systeme funktionieren

Wer den Notfall meldet, muss dabei nichts Zusätzliches beachten. Wenn in der Region solch ein Ersthelfer-System zur Verfügung steht, alarmiert die Leitstelle, die den Notruf entgegennimmt, neben Rettungswagen und Notarzt auch über die App Ersthelfer und Ersthelferinnen. Die bekommen dann einen Alarm auf ihr Handy. Je nach System machen sich bis zu vier von ihnen auf den Weg.

Um sich als Helfer oder Helferin melden zu können, muss man eine medizinische Ausbildung haben oder Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr sein und regelmäßig die Reanimation üben. Es gibt auch Landkreise in Deutschland, in denen die Registrierung allen offen steht, die sich beteiligen wollen, unabhängig von Vorkenntnissen.

Wo es in RLP bereits Ersthelfersysteme gibt – Kritik am Prozess

Für die Einführung solcher Systeme sind in Rheinland-Pfalz die Kommunen zuständig, die in aller Regel die Landkreise beauftragen. Daher entscheidet jeder Landkreis selbst, ob er ein System einführt und wenn ja, welches. Laut dem Deutschen Rat für Wiederbelebung gibt es sieben verschiedene Systeme, die alle nicht miteinander kommunizieren. Ist also ein registrierter Helfer in einem Landkreis mit einer anderen App unterwegs, kann er nicht alarmiert werden.

In Rheinland-Pfalz werden derzeit zwei verschiedene Apps genutzt, in den nächsten Wochen wird im Landkreis Neuwied die dritte App eingeführt werden. Die Kreise und Städte in Rheinland-Pfalz sind in sieben Rettungsdienstbereiche eingeteilt. In den Bereichen Südpfalz und Ludwigshafen nutzen alle zwölf Kreise die App „KatRetter“. Im Rettungsdienstbereich Trier wird auf das System „Region der Lebensretter“ gesetzt. Zunächst wurde es in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg eingeführt, mittlerweile sind auch die Kreise Bitburg-Prüm und Birkenfeld angeschlossen. Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel hingegen planen keine Einführung. Sie berufen sich auf ihre First Responder, Ersthelferinnen und Ersthelfer, die meist Mitglieder der Hilfsorganisationen sind und vor dem Rettungsdienst eine Erstversorgung leisten können. Der Landkreis Bernkastel-Wittlich hat außerdem rechtliche und verwaltungstechnische Bedenken in Bezug auf Einführung und Betrieb der App, des Weiteren sei die Finanzierung nicht stemmbar.

Die übrigen Landkreise und kreisfreien Städte planen derweil die Einführung solcher Systeme. In einigen könnte in diesem Jahr mit einer Einführung zu rechnen sein.

Fazit

Ersthelfer-Apps führen Personen, die in der Wiederbelebung besser geschult sind als der Großteil der Gesellschaft, gezielt zu Notfällen. Sie sollen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken, dadurch, dass sie im Idealfall ein dichtes Netz an Helferinnen und Helfern bilden. Über ihren Einsatz entscheiden die Leitstellen, die auch den Notruf bearbeiten. Nahezu alle Landkreise in Rheinland-Pfalz planen eine Einführung. Sinnvoll wäre eine einheitliche Lösung, damit auch an Kreisgrenzen wirksam Hilfe geleistet werden kann.