Ostersonntag dieses Jahres in Kasel im Ruwertal. Ein 54-jähriger Familienvater erleidet einen Herzinfarkt. Nur zweieinhalb Minuten später ist der erste Helfer vor Ort. Der Nächste ist 30 Sekunden später da und hat einen Defibrillator dabei.
Der eigentliche Rettungsdienst trifft sechs Minuten nach dem ersten Helfer ein. Der Mann überlebt den Herzinfarkt und ist zurück im Alltag. Dass Ersthelfer so schnell vor Ort waren, lag in diesem Fall daran, dass sie im System der "Region der Lebensretter" registriert waren und per App alarmiert wurden.
Exklusive Daten-Recherche zur Notfallrettung Woche der Wiederbelebung: Ob man überlebt, hängt auch vom Ort ab
In der Woche der Wiederbelebung rückt die Reanimation näher in den Fokus. Tausende Menschen in Deutschland könnten jedes Jahr gerettet werden. So ist die Lage in Rheinland-Pfalz.
Die ersten Minuten sind entscheidend
Dr. Dirk Nauheimer, Intensivmediziner und Oberarzt im Brüderkrankenhaus Trier, ist spezialisiert auf Herzkreislaufstillstände. "Bei einem Herzkreislaufstillstand sind die ersten drei bis fünf Minuten entscheidend, der Notarzt braucht aber manchmal bis zu 15 Minuten", sagt er.
Woche der Wiederbelebung Dr. Dirk Nauheimer: "Bei der Ersten Hilfe kann man nichts falsch machen!"
Wir haben mit Dr. Dirk Nauheimer vom Trierer Brüderkrankenhaus über das Thema Erste Hilfe und Herz-Lungen-Wiederbelebung gesprochen.
Aus diesem Grund hatte Nauheimer zusammen mit Kollegen überlegt, wie Ersthelfer bei solchen Notfällen in der Region Trier schneller vor Ort sein können.
Nauheimer und sein Team prüften verschiedene Angebote an Ersthelfersystemen. Dann war für Nauheimer klar: "Das 'Region der Lebensretter'-System ist sicherlich das teuerste auf dem Markt, aber das mit weitem Abstand beste System, da es intelligent und mit dynamischem Alarmierungsradius arbeitet", so Nauheimer.
Intelligent heißt in diesem Fall: Das System erkennt beispielsweise, wenn sich keine oder zu wenige potenzielle Ersthelfer in der Nähe eines Notfalls befinden und erweitert den Melderadius selbstständig.
Seit November 2024 ist das "Region der Lebensretter"-System in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg aktiv. Der Trierer Arzt koordiniert das System als Regionenbeauftragter und hat sich mithilfe von Spenden um die Finanzierung gekümmert. 60.000 Euro waren zu schultern.
Schon sechs Menschen gerettet
Laut Nauheimer konnten durch das System schon mindestens sechs Menschenleben gerettet werden, darunter auch der Familienvater in Kasel. Die laufenden Kosten des Systems lägen bei ca. 25.000 Euro im Jahr. Diese verteilten sich auf die teilnehmenden Landkreise und die Stadt Trier.
Je mehr Kreise bei dem System mitmachten, desto weniger zahle jeder Beteiligte. Wenn alle Kreise mitzögen, würde das System die einzelnen Kreise ca. 3.000-4.000 Euro im Jahr kosten, sagt Nauheimer. Außerdem sammle er weitere Spenden, um die Kreise finanziell zu entlasten.
So sieht es in den anderen Kreisen aus
Nauheimer spricht nach fast einem Jahr von einer guten Zusammenarbeit zwischen den über 900 registrierten Helfern und den Rettungsdiensten: "Ich bekomme von den Helfern und den Rettungsdiensten zurückgemeldet, dass das System als sehr gut und positiv empfunden wird." Wenn es nach Nauheimer ginge, sollte das System im gesamten Leitstellenbereich Trier eingesetzt werden.
Der Eifelkreis Bitburg-Prüm ist nach Angaben der Kreisverwaltung seit einigen Tagen ebenfalls an das System angeschlossen. Michael Ludwig, erster Kreisbeigeordneter des Eifelkreises, ist froh über diesen Schritt: "Mit dem Anschluss des Eifelkreises an die Ersthelfer-App schaffen wir ein weiteres wichtiges Glied in der Rettungskette. Jede Sekunde zählt, wenn ein Mensch einen Herzstillstand erleidet." Der Landkreis Birkenfeld soll auch bald in das System aufgenommen werden.
Zwei Kreise in der Region zögern noch
Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich und der Landkreis Vulkaneifel lehnen eine Teilnahme an dem System bisher ab. In Bernkastel-Wittlich unter anderem deshalb, weil man über ein flächendeckendes First-Responder-System verfüge, so die Kreisverwaltung. Bei den First-Respondern liegt die Verantwortung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Malteser Hilfsdienst. Die Ersthelfer müssen dabei im Vergleich zum "Region der Lebensretter"-System besser ausgebildet sein.
Nauheimer sieht die Entscheidung der beiden Kreisverwaltungen kritisch. Einerseits stimmt er zu, dass das First-Responder-System in Bernkastel-Wittlich gut funktioniere, nur seien bei diesem System eben nicht immer Ersthelfer in der Nähe verfügbar. Für ihn sei die "Region der Lebensretter"-App deswegen eine wichtige Ergänzung zu den vorhandenen Systemen.