Klein, aber fein: Unser Traumhaus ist nur 4 Meter breit

Teilen

Stand

Von Autor/in Katharina Pfänder

Altersfreigabe: ab 0 (verfügbar von 0 Uhr bis 24 Uhr)

Nur vier Meter breit ist das Traumhaus von Cornelia und Reiner. Das alte Häuschen ist so schmal, dass es gerade mal 35 m² Grundfläche hat. Aber verteilt auf vier Stockwerke kommt das Haus dennoch auf eine Wohnfläche von knapp 140 m².

Vier Meter breites Stadthäuschen mitten in Wittlich

Reiner ist in dem schmalen Wohn- und Geschäftshaus mitten in der Wittlicher Altstadt aufgewachsen. Zwischen Metzgerei und Friseur führte seine Familie im Erdgeschoss des Hauses früher einen klassischen „Tante-Emma-Laden“.

Gebaut Ende des 19. Jahrhunderts war das schmale Haus ursprünglich ein Geschenk des Urgroßvaters an seine Tochter, die im ersten Weltkrieg ihren Mann verlor und „versorgt“ werden musste. Die junge Witwe eröffnete in dem kleinen Häuschen einen Laden und wurde selbstständige Kauffrau.

Später übernahmen Reiners Eltern den so genannten Vollsortimentsladen. Der kleine Laden im Erdgeschoss war das Zentrum der Familie, in den beiden oberen Etagen des Hauses wurde gewohnt.

Alte Jugendliebe entflammt erneut

Nachdem das alte Stadthaus dann eine Weile leer stand, entschieden sich Cornelia und Reiner vor einigen Jahren, es wieder herzurichten. Die beiden kennen sich seit der Schulzeit, waren in der Jugend schon mal ein Paar. Aber erst Jahrzehnte später haben sich die beiden Wahl-Kölner wiedergetroffen und sind nach turbulenten Berufsjahren wieder in die Eifel zurückgekehrt.

Und so fassten sie den Entschluss, sich das schmale Haus nach ihrem Geschmack und passend für ihr Leben im Alter einzurichten. Mit viel Liebe zum ehemaligen Elternhaus und dem unbedingten Willen, so viel wie möglich zu erhalten und zu bewahren, ohne auf modernen Komfort wie einen Aufzug zu verzichten.

Die Zukunft mitgedacht: Ein Aufzug fürs Alter

Denn die vier Etagen des kleinen, schmalen und hohen Hauses erreichte man nur über sehr steile Stiegen. Mit gut 70 Jahren sind die für Cornelia und Reiner noch kein Problem – noch nicht. Deshalb haben sie in ihr altes Stadthaus einen Fahrstuhl einbauen lassen. Eine Rieseninvestition und eine große Herausforderung für die beiden Bauherren und die Handwerker. Aber es hat sich gelohnt, denn jetzt blicken sie gelassen in die Zukunft in ihrem neuen Zuhause.

Auf jeder Etage wird sichtbar, wie alt das Haus schon ist: freigelegtes Mauerwerk, erste Wandanstriche, als es noch keine Tapeten gab, liebevoll restauriertes Fachwerk, knarziger Holzfußboden – alles sollte wieder sichtbar werden. Den Charme und die Geschichte des alten Stadthauses erhalten und wiederbeleben – das war Cornelia und Reiner bei allen Bauphasen wichtig. Und dennoch ist es kein Museum.

Trotz altem Charme – Haus soll kein Museum sein

„Cornelia ist für das Interieur und die Farben zuständig, ich für die Bauleitung“, so beschreibt Reiner die Arbeitsteilung. Auf Cornelias Geschmack könne er sich hundert Prozent verlassen. Mit großer Affinität zu Kunst und liebevollen Details aus beider Kindheit und gemeinsamen Jahren gibt es viel zu entdecken, ohne dass die Räume zugestellt wirken – das ist beiden sehr wichtig.

Cornelia liebt es, die Räume mit Farbe zu gestalten und ihnen einen jeweils eigenen Charakter zu verleihen. Ihr Markenzeichen ist es, die Wände und Decken monochrom im selben Farbton zu streichen. Das verleiht den Räumen etwas Konsequentes und Elegantes. Egal ob gemütliches Rot im Schlafzimmer, reflektierendes Silbergrau im Essbereich oder frisches Türkis in den Badezimmern.

Nach drei Jahren Sanierung: Handwerker wurden zu Freunden

Drei Jahre Bauzeit – so lange haben die Umbauten an ihrem schmalen Haus gedauert, immer wieder gab es Rückschläge, aber auch Erfolge zu feiern. Ein Kraftakt, sagen die beiden, aber sie hatten zuverlässige, sehr fähige Handwerker, die oft kreativ und manchmal auch ganz pragmatisch Probleme gelöst haben. Mittlerweile sind sie zu Freunden geworden und sind wie alle anderen Gäste des neuen Zuhauses mit Fotos im Fahrstuhl des Hauses verewigt. Ein Grund mehr für Cornelia und Reiner den Fahrstuhl immer wieder zu benutzen und dankbar an die intensive Zeit des Bauens aber auch des Feierns zu denken.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Katharina Pfänder
Ein Film von
Johannes Bock (Kamera), Yannick Marlon (Kamera) und Diana Kalb (Schnitt)