Leben wie Dornröschen: Susann saniert ein altes Rittergut

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Von Autor/in Britta Bibiko

Wer ist hier Dornröschen?! Das alte Rittergut Endschütz bei Gera in Thüringen ist Anfang der 2000er in denkbar schlechtem Zustand. Doch Susann Schmidt sieht die Schönheit des Ortes, verliebt sich aus dem Stand und setzt alles daran, das einmalige Baudenkmal vor weiterem Verfall zu retten.

Altes Rittergut steckt voller Möglichkeiten

Über 70 Jahre Sanierungsrückstau und zehn Jahre Leerstand haben schwere Schäden an dem Vierseitenhof hinterlassen. Zu DDR-Zeiten wurde das Gut als Fasanerie genutzt, zuletzt war noch der örtliche Jugendclub in zwei Räumen untergebracht. Die gelernte Erzieherin ist selbst in einer persönlichen Umbruchphase, als sie nach Endschütz kommt.

Die marode Substanz kann Susann nicht abschrecken. 2002 erwirbt die Thüringerin das Anwesen als Mietkauf für 50.000 Euro von den Erben. Schritt für Schritt, Raum für Raum legt sie die vergangene Schönheit frei.

"Das Rittergut hat mich gerettet und ich das Rittergut."

Dornröschen-Schloss selbst saniert

Liebevoll mit aufgearbeiteten Möbeln ausgestattet, zeigen Stuck, Parkett und aufwändig sanierte Wände ihre Pracht erneut. An der langen Tafel trifft sich Susann gern mit Freunden und Gästen ihres Ritterguts. Kaffee und Kuchen zaubert sie dafür in ihrer selbsternannten kleinen „Hexenküche“.

Susann legt hier ein Stück Wand frei. Unverputzt ist sie so nicht nur ein Blickfänger, sie erzählt anschaulich ihre Geschichte. Die 59-Jährige steckt voller Ideen und sieht auch in alten Möbeln Möglichkeiten. Und so ist auch die Kücheneinrichtung geschenkt, gefunden, gerettet und so zu neuem Leben erweckt.

Rückschlag: Brandstifter zünden Heimatstube an

Das offene Haus ist Susanns Konzept. Leute können kommen und die Freude an der Zeitreise mit ihr teilen. Dafür richtet sie im Nebengebäude sogar eine Heimatstube mit historischen Alltagsgegenständen ein. Doch genau diese Offenheit hat eine Kehrseite. Im Oktober 2023 wurde in der Heimatstube ein Feuer gelegt. Das Gebäude wird schwer beschädigt, unersetzliche Sammelstücke sind verloren.

Happy End vom Brand: Susann und André verlieben sich

Die Brandstiftung traumatisiert Susann und bringt sie an die Grenze ihrer Kraft. Doch mitten in der Verzweiflung taucht André auf. Er hat von dem Feuer gehört und sieht vor Ort, dass Susann vor allem Menschen braucht, die mit ihr das zerstörte Gebäude wieder aufbauen. André ist Handwerker, nimmt sich Urlaub und fasst zwei Wochen mit an.

In dieser Zeit lernen die beiden sich besser kennen und am Ende lieben! Heute ist er der Mann an ihrer Seite, der sich nicht nur auf sie, sondern auch auf das Rittergut voll und ganz eingelassen hat.

Susann erfährt aber auch eine große Spendenbereitschaft. Zusammen mit der Versicherung und Fördergeldern geht sie den Wiederaufbau an. Inzwischen ist das Dach gesetzt und auch der Lehmbau fast abgeschlossen. Susan will Schritt für Schritt die Heimatstube wieder einrichten und erneut für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Hof mit Rückzugs-Oasen

Das Endschützer Rittergut in seiner heutigen Form wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Aus dieser Zeit stammt das herrschaftliche Treppenhaus. Die Steintreppe, mit ihrem einzigartigen Geländer, vermittelt sofort das Schloss-Gefühl.

In der Beletage hat sich die Hausherrin ihre privaten Rückzugsräume eingerichtet. Besonders das Bad ist eine Wohlfühloase mit freistehender Kupferbadewanne. Geheizt wird das Rittergut mit seinen vielen Zimmern dezentral mit 34 Öfen, auch das Bad. Heizen, das ist das Hauptthema im Winter. Dann zieht sich Susann in drei, vier Räume zurück. Der Rest des Guts wird über Null gehalten und "nur" vor Frostschäden geschützt.

Leben im Dornröschen-Traum

Susann lebt und liebt das Gut mit all seinen Ansprüchen. Dazu gehört auch, dass sie seit 20 Jahren keinen Urlaub hatte. Im Sommer verdient sie ihr Geld mit ihren Ferienwohnungen und Hochzeiten. Im Winter muss sie heizen. Bei aller Arbeit – jeder Tag fühlt sich für sie ein bisschen wie Urlaub an.

Und nun teilt sie ihren Dornröschentraum mit André. Auch wenn beiden bewusst ist, hier werden sie nie fertig, wollen sie das einmalige Zeitzeugnis für die nächste Generation bewahren. Das wurde 2007 und 2015 mit dem Denkmalschutzpreis des Landkreises Greiz belohnt.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Britta Bibiko
Ein Film von
Jan Mammey (Kamera), Ali Khairat (Ton), Philipp Remberg (Schnitt)