Vom Gülletank zum runden Traumhaus

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Von Autor/in Rainer Mueller-Delin

Sie haben sich ihren Wohntraum in einem ehemaligen Gülletank erfüllt: Wo früher Kuhmist schwamm, leben Kirsten und Norbert jetzt auf 185 Quadratmetern. Weil der Grundriss rund statt eckig ist, mussten die fünf Räume aufgeteilt werden wie Kuchenstücke einer Torte.

Güllebehälter wurde nicht mehr genutzt

Der Güllebehälter gehört schon lange zum Familienhof im schleswig-holsteinischen Brekendorf. Kirstens Vater hat ihn vor mehr als vierzig Jahren gebaut. Als die Familie den landwirtschaftlichen Betrieb aufgab, verpachtete sie den Tank zunächst an einen anderen Landwirt. Doch als dieser sich schließlich seinen eigenen Güllebehälter baute, verlor der verpachtete Tank seine Funktion.

"Abreißen wollten wir ihn nicht, und dann war die Idee, dass wir hier wohnen wollen, ganz schnell geboren", erinnert sich Kirsten.

Beim Umbau viel selbst gemacht

Bevor der Umbau begann, hat Norbert die Wände mit einem Hochdruckreiniger von der Restgülle gereinigt. Die eigentlichen Umbauarbeiten dauerten dann mehr als ein Jahr. Den größten Teil hat Norbert selbst gemacht – als Frührentner und gelernter Zimmermann war das für ihn kein Problem. Bei Fenstern, Dach und Elektronik haben Spezialisten geholfen.

Besonderes achteckiges Holzdach

Hilfe hatte er außerdem beim achteckigen Holzdach: Weil Norbert keine Schraube und keinen Nagel im Holz haben wollte, hat ein befreundeter Zimmermann das 16 Tonnen schwere Dach mit sogenannten Schwalbenschwanzverbindungen gebaut.

Die Wände bestehen aus 24 cm Stahlbeton und 20 cm Isolierung, wodurch das runde Haus besonders energiesparend ist. Geheizt wird das Gebäude mit einer Fußbodenheizung, die von einer Wärmepumpe betrieben wird.

Finanzierung des Umbaus

Finanzieren konnte das Paar den Umbau nur mit Kredit, denn aus den geschätzten Umbaukosten von 350.000 Euro wurden am Ende schließlich gut 520.000 Euro. Statt 60 Quadratmeter in ihrer alten Wohnung haben die Hauswirtschaftsleiterin und der ehemalige Zimmermann im Gülletank dafür jetzt 185 Quadratmeter Platz zur Verfügung.

Eine Frage müssen sie sich aber bis heute anhören – die nach dem Geruch. Doch das Paar versichert: "Man riecht wirklich nichts mehr."

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Autor/in
Rainer Mueller-Delin
Ein Film von
Tilo Burmeister und Jan Tatura (Kamera), Olaf Junior (Ton), Farina Hasak (Schnitt).