Wohnen in einem drehbaren Ufo-Haus

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Von Autor/in Bettina von Bonin und Annette Dany

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Es sieht aus wie aus einem Science-Fiction-Film entsprungen und ist ebenso genial wie nachhaltig: Das drehbare Ufo-Haus aus Holz von Astrid und Olaf. Die beiden haben ihr außergewöhnliches Holz-Haus komplett selbst geplant und weitgehend auch selbst gebaut. Auf diese Weise konnten sie ihren Wunsch nach einem nachhaltigen Haus am besten umsetzen.

Das perfekte Grundstück für den Hausbau

Seit 2020 bewohnen Astrid und Olaf ihr geniales Ufo-Haus. Die Idee zu dem außergewöhnlichen Haus hatten die beiden allerdings schon länger. Ende 2018 entdeckten sie dann bei einem Spaziergang zufällig das passende Grundstück.

Astrid und Olaf wollten die 170 Bewohner der Ortsgemeinde allerdings nicht mit ihrem spektakulären Ufo-Haus überrumpeln. Daher ließen sie über den Bau in einer Gemeinderatssitzung abstimmen. Die Bewohner stimmten dem runden Ufo-Haus nicht nur einstimmig zu. Sie zeigten über die gesamte Bauphase auch große Hilfsbereitschaft

Olaf plant Ufo-Haus selbst

Olaf ist eigentlich Lehrer für Biologie und Geografie. Geplant hat er das runde DIY-Haus selbst am heimischen Computer, als CAD-Zeichnung. Das Ufo-Haus besteht aus 24 gleichförmigen Segmenten oder "Tortenstücken", wie Olaf scherzhaft sagt. Später hat ein Bauingenieur aufgrund der Zeichnungen die Statik berechnet und die Holz-Balken entsprechend dimensioniert.

Nach diesen Plänen ließen Astrid und Olaf die Bauteile fertigen. Mit zeitweise ein bis zwei Helfern konnten die beiden diese Bauteile wie bei einem Baukasten selbst zusammenfügen. Während die Planung des Hauses hauptsächlich Olafs Aufgabe war, kümmerte sich Astrid um die Organisation und Beschaffung der Baumaterialien. Auch sie ist von Beruf Lehrerin, für Biologie und Chemie.

Eigenes Haus aus Holz nachhaltig gebaut

Beim Bau des runden Hauses haben die beiden versucht, weitgehend auf Beton zu verzichten. Denn die Herstellung von Beton erzeugt sehr viel CO2. So besteht lediglich das Fundament aus Beton. Die sehr geringe Fundamentfläche von lediglich ca. 5m² minimiert zudem die Bodenversiegelung. Ansonsten besteht das Ufo nur aus Holz, Holzprodukten und Zelluloseprodukten. Kunststoff wurde nicht verbaut. Zahnrad und Motor, die für die Drehbarkeit des Hauses sorgen, sind eigentlich für eine Windkraftanlage gedacht.

Gedämmt haben sie das Holz-Haus mit Zelluloseflocken, die in alle Hohlräume eingeblasen wurden. Diese Zelluloseflocken sind ein Upcycling-Produkt und bestehen aus aufgeflocktem Altpapier. Dies macht die Dämmung sehr nachhaltig. Die Räume im Ufo sind durch OSB-Leichtbauwände abgetrennt und mit Lehm verputzt.

Energieautark wohnen

Da sich das Ufo-Haus drehen kann, lässt sich die Sonnenwärme ideal nutzen. Zudem ermöglicht es die optimale Nutzung der PV-Anlagen auf dem Dach. Von März bis Oktober ist das Haus daher energetisch autark.

Als einzige zusätzliche Heizquelle befindet sich genau in der Mitte des Holz-Hauses ein Holzvergaserofen. Neben der Strahlungswärme erzeugt dieser Ofen warmes Wasser. Dieses kann in einem 1000 Liter Speicher zwischengespeichert werden. Insgesamt verbrauchen Astrid und Olaf so für Heizung und Warmwasser jährlich lediglich drei bis vier Kubikmeter Holz.

Ein Zuhause, das sich mit der Sonne dreht

Die Leitungen und Abflüsse laufen in der Mitte des Hauses zusammen und haben flexible Anschlüsse. Damit durch die Drehung des Hauses kein "Kabelsalat" entsteht, gibt es einen Stopp, bis zu dem sich das Haus drehen kann. Danach dreht es sich wieder in die andere Richtung zurück.

Dass sich das Ufo-Haus drehen kann, hat nicht nur energetische Vorteile. Astrid und Olaf erleben durch die Abwechselung der Ausblicke ein ganz neues und bereicherndes Wohngefühl. Mal kann man aus dem Wohnzimmer in die weite Ferne schauen, mal in den eigenen Garten. Mal kann man den Sonnenaufgang bewundern, dann wieder den Sonnenuntergang.

DIY-Möbel in einem runden Haus

Die beiden haben festgestellt, dass durch die Rundung ihres Hauses ein überraschend großes Raumempfinden entsteht. Die ca. 130m² Wohnfläche des Ufo-Hauses wirken auf sie viel größer.

Bei der Einrichtung haben die beiden keinerlei Sonderanfertigungen benötigt, sondern sich auf ihre DIY-Ideen verlassen. Mit ein bisschen Mut, einer Kreissäge und handwerklichem Geschick habe sie ihre vorhandenen Möbel einfach angepasst. Selbst die Küche haben sie auf diese Weise in ihr rundes Haus eingepasst.

Die Kosten für das Haus beliefen sich auf 300.000€. Wobei die beiden beim Aufbau sehr viel Eigenleistung eingebracht haben. Das Holz-Haus ist so geplant, dass diese Eigenleistung auch ohne große Vorkenntnisse erbracht werden kann. Fast alle Verbindungen sind lediglich gesteckt oder geschraubt.

Nachhaltiger Hausbau: Astrid und Olaf teilen ihre Pläne vom Ufo-Haus

Nachhaltigkeit heißt für Olaf und Astrid auch, dass man gute Ideen nicht für sich behält. Stattdessen sollen sie Menschen zur Verfügung stehen. Daher hoffen sie, dass sie auch andere mit ihrem ungewöhnlichen DIY-Hausbau inspirieren können und sind gerne bereit, ihre Erfahrungen und sogar die Pläne für das Haus weiterzugeben. Vielleicht ist das nachhaltige und geniale Ufo-Haus aus Holz dann bald schon kein Einzelstück mehr.

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Bettina von Bonin und Annette Dany
Ein Film von
Johannes Bock (Kamera) (Ton+Kamera), Diana Kalb (Schnitt)