Über 1.000 Marathons: Ingrid und Günther aus Mainz

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Von Autor/in Inga Malin Köberich, Riccardo Prevete

Eine Begegnung, die alles verändert

Ingrid und Günther lernen sich im Mainz der Nachkriegsjahre kennen. Der Start in ihr gemeinsames Leben ist genauso romantisch wie entbehrungsreich. Günther hat seinen Arbeitsvertrag eigentlich schon unterschrieben. Er soll als Handwerker in Südafrika arbeiten. Am Wochenende vor der Abreise lernt er Ingrid bei einem Tanzabend kennen. „Wir hatten uns erst einmal beim Tanzen gesehen, aber ich habe mich für sie entschieden.“ Eine Entscheidung, die Günther nie bereut hat.

Sie fangen bei null an. Ingrid ist mit ihrer Familie aus Ostpreußen geflohen, Günther wurde mit seiner Familie mehrfach ausgebombt. „Wir hatten nichts mehr, außer dem Hemd, das wir trugen.“

Der Sport wird zum Lebensmittelpunkt

Gemeinsam bauen sie sich ein neues Leben auf. Durch die sogenannten Volksläufe in den 1960er-Jahren werden die beiden auf den Marathonsport aufmerksam. Was als Hobby beginnt, wird bald zum Lebensmittelpunkt. Günther schafft es bis an die Weltspitze. Mit 40 ist er Weltranglistenerster im Marathon, trainiert zweimal am Tag – zusätzlich zu seiner 40-Stunden-Woche als Feinmechaniker.

Die beiden laufen die ganz großen internationalen Rennen: New York, Boston, Hawaii, sogar die ursprüngliche olympische Strecke von Athen nach Marathon – bei 36 Grad im Schatten.

Abenteuer auf zwei Rädern und zwei Beinen

Die beiden fahren mit dem Fahrrad von Mainz an den Bodensee, umrunden den See und fahren zurück nach Mainz – alles mit Satteltaschen und herkömmlichen Fahrrädern. Ein Urlaub ganz nach Gusto der Familie Schmitt.

Mit Ende 50 lernen sie noch Skifahren. Mit Mitte 70 fährt Ingrid das letzte Mal eine schwarze Piste, bevor es den beiden zu gefährlich wird. Sie befuhren nahezu alle großen Flüsse Deutschlands, liefen auf der Chinesischen Mauer und umrundeten den See Genezareth.

Lange vor dem Ausdauer-Boom

Auf eigene Faust veranstalten sie Trail- und Ultramarathons, lange bevor der Sport zum Trend wurde. Ingrid gehört zu den ersten Frauen überhaupt, die an offiziellen Rennen teilnehmen. In Florenz wird ihr die Teilnahme als Frau damals noch untersagt.

Mit 88 noch im Fitnessstudio

Heute, mit 88, gehen Ingrid und Günther „nur noch dreimal die Woche“ ins Fitnessstudio, „damit wir uns noch die Schuhe zubinden können“, erzählen die beiden mit einem Lachen.

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