Die Terrasse ist klein, aber genau richtig. Ein paar Pflanzen, der Blick ins Grüne, keine Straße in der Nähe. Und doch liegt alles Wichtige nur wenige Schritte entfernt. „Mitten im Zentrum – und trotzdem ganz ruhig“, sagt Karin Berger. So habe sie sich ihr Wohnen im Alter immer vorgestellt.
Heute lebt die 80-Jährige in einer Erdgeschosswohnung in Murnau am Staffelsee. Barrierefrei, mit Terrasse, in einer kleinen Grünanlage. Dass es so etwas noch gibt, habe sie lange nicht geglaubt. „Es fühlt sich an wie ein Geschenk.“
Die Hoffnung auf Sicherheit
Dabei war der Weg dorthin schwierig. Zuvor hatte Berger elf Monate in einer Seniorenresidenz gewohnt – betreutes Wohnen, eine schöne Anlage, Seerosenteich, Aufzug. „Ich dachte: Das ist vernünftig“, erzählt sie. Ihre Kinder leben im Ausland, der Umzug fiel ihr nicht leicht. Viele Möbel hatte sie verkauft, ihre alte Wohnung aufgegeben.
Anfangs sei sie zufrieden gewesen. Doch dann habe sich der Alltag verändert. Berger berichtet von respektlosem Umgang und von Situationen, die sie nicht vergessen kann. „Das hat mir das Herz schwer gemacht“, sagt Berger. Sie selbst sei noch fit, geistig klar. Aber die Atmosphäre habe sie krank gemacht.
Stress, Druck – und ein körperliches Warnsignal
Als sie kündigte, begann ein Streit. Die Kündigung sei zu spät eingegangen, hieß es. Die Kaution wurde zurückgehalten. Berger wandte sich an den Mieterschutz, schließlich an einen Anwalt. „Das war alles zu viel.“
In dieser Zeit suchte sie dringend eine neue Wohnung. Drei Monate Kündigungsfrist, kaum Angebote. Murnau ist Touristengebiet, Wohnraum knapp. „Und dann hieß es oft: Wie alt sind Sie? 80? Dann nein.“ Der Druck wuchs – bis Berger einen Schlaganfall erlitt. Im Krankenhaus wurde keine körperliche Ursache gefunden. Heute sei sie sich sicher, erzählt sie: „Es war der Stress.“
Ein Inserat zur richtigen Zeit
Die neue Wohnung fand sie schließlich zufällig. In einer Facebook-Gruppe für regionale Wohnungssuche. „Ich dachte: Ich schaue es mir einfach an.“ Am nächsten Tag stand sie in der Wohnung – und wusste sofort: Das ist es.Heute lebt Berger dort mit netten Nachbarn. Einer von ihnen ist 94, Konditor. Er bringe immer mal wieder ein Stück Kuchen vorbei.
Alltag, der wieder leicht ist
In ihrer Traumwohnung kommt sie zur Ruhe und kann sich auch wieder mehr ihren Hobbys widmen - der Fotografie und dem Boule. Der soziale Kontakt beim Boule-Spiel sei wichtig, sagt sie. „Und ein bisschen Wettkampfgefühl ist schon auch dabei.“
Eine Geschichte, die Hoffnung macht
Berger weiß, dass viele ältere Menschen andere Erfahrungen machen. Eigenbedarfskündigungen, Wohnungslosigkeit, Unsicherheit. „Deshalb ist mir bewusst, wie viel Glück ich hatte.“ Sie freut sich schon auf den Frühling: Dann wird sie auf ihrer Terrasse sitzen, die Kamera griffbereit.