Marion Karl ist Sozialpädagogin und Referentin für das Soziale Ehrenamt bei den Maltesern in der Diözese Speyer. Vier Jahre lang betreute sie das Bundesprojekt „Miteinander füreinander – gegen die Einsamkeit“ im Landkreis Germersheim. Ziel des Projekts, das an 110 Standorten in Deutschland umgesetzt wurde, war es, Strukturen aufzubauen, die Menschen aus der Isolation holen. „Es gab keine festen Vorgaben, sondern wir konnten kreativ werden“, erklärt Karl. Besonders im Landkreis Germersheim, wo es zuvor kaum soziale Angebote gab, war die Herausforderung groß – und die Erfolge umso beeindruckender.
Bonus-Omas und -Opas: Generationenübergreifende Nähe
Ein Highlight ist das Leihgroßeltern-Projekt, das im Juli 2023 startete. Unter dem Namen „Bonus-Omas und Bonus-Opas“ wurden bisher 13 Familien mit etwa 20 geschulten Ehrenamtlichen zusammengebracht. „Es ist wichtig, dass die Chemie stimmt. Manchmal dauert es, bis wir die passenden Verbindungen finden“, erklärt Karl.
Das Projekt wächst stetig und bringt nicht nur Familien und Ehrenamtliche zusammen, sondern schafft auch generationsübergreifende Nähe. Auch die Eltern, die sich selbst als „einsame Familie“ bezeichnete, fanden über eine Bonus-Oma neuen Halt.
Besuchsdienste mit Herz: Menschen verbinden
Ein zentraler Meilenstein war die Gründung eines ortsübergreifenden Besuchsdienstes im November 2022. „Mir fiel schnell auf, dass es keinen solchen Dienst gab. Manche Orte hatten Bürgerinitiativen, viele jedoch nicht“, berichtet Karl. Der Besuchsdienst, der sowohl mit als auch ohne Hund angeboten wird, vermittelt Helfende an Menschen, die sich Besuche wünschen.
„Wir achten darauf, dass die Chemie zwischen Helfenden und Besuchten passt“, so Karl. Seit der Gründung wurden 30 Menschen regelmäßig zu Hause besucht, zusätzlich sieben Einrichtungen. Besonders beeindruckend: Viele Helfende hatten zuvor keine Erfahrung im Ehrenamt und fanden über diese Arbeit nicht nur eine Aufgabe, sondern auch neue soziale Kontakte.
„Das Ehrenamt kann ein Weg sein, aus der Einsamkeit herauszukommen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Menschen durch das Ehrenamt aufblühen“, sagt Marion Karl von den Maltesern Bistum Speyer. Besonders bewegend sind Geschichten wie die einer knapp 80-jährigen Frau, die sich nach dem Tod ihres Mannes meldete und heute in mehreren Projekten aktiv ist.
Treffpunkte für Alleinstehende: Gemeinsam statt einsam
Um noch mehr Menschen zu erreichen, wurde ein Treff für Alleinstehende ins Leben gerufen. Die Resonanz war überwältigend: Statt der erwarteten vier bis fünf Personen kamen über 20 Menschen zum ersten Treffen. „Viele sagten, dass sie sich seit der Gruppe nicht mehr einsam fühlen, weil sie nun Kontakte haben, mit denen sie etwas unternehmen können“, erzählt Karl.
Die Gruppe trifft sich regelmäßig in den Malteser-Räumlichkeiten in Hatzenbühl. Neben den monatlichen Treffen organisieren die Teilnehmenden Spaziergänge, Kaffeerunden und gemeinsame Ausflüge. "Es ist großartig zu sehen, wie diese Menschen sich gegenseitig unterstützen und neue Freundschaften entstehen", erzählt Karl.
Nachhaltigkeit durch Engagement
Die von Marion Karl initiierten Projekte laufen auch nach dem Ende der Bundesförderung weiter. „Es wäre wünschenswert, dass sich vieles langfristig ehrenamtlich trägt“, sagt sie. Doch sie betont auch die Bedeutung hauptamtlicher Unterstützung, um den Aufbau und die Begleitung solcher Initiativen zu gewährleisten.
Die Arbeit der Malteser in der Diözese Speyer zeigt eindrucksvoll, wie Ehrenamt nicht nur Einsamkeit bekämpft, sondern auch Gemeinschaft und Lebensfreude schafft. Ein Modell, das Schule machen könnte.
Das Ehrenamt kann ein Weg sein, aus der Einsamkeit herauszukommen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Menschen durch das Ehrenamt aufblühen.
Das SWR-Projekt EXIT EINSAMKEIT endete am 22. November 2025 mit der Nacht gegen die Einsamkeit. Danke an alle, die Teil unserer Community waren.