In der Woche vor dem Start der Mut-Mach-Tage schwankt Organisator Dennis Dibke zwischen Vorfreude und dem Gefühl von Hoffentlich-geht-alles-gut. Es ist das Größte, was die Gruppe aus acht Ehrenamtlichen bisher auf die Beine stellen wird. Seit anderthalb Jahren planen sie das Event, treffen sich alle drei Wochen und jetzt, kurz vor dem Start, telefonieren sie täglich. Es geht um die Spielstraße für Kinder oder um die Security für die große Bühne am Samstag.
Diesen Sommer finden viele Festivals statt, das in Murr ist anders
Murr ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg mit Dorfleben: ruhig, naturnah und überschaubar. Doch für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist genau das ein Problem. Es fehle an neuen Anreizen, erklärt der 25-jährige Dennis Dibke. Klar könne man nach Stuttgart fahren. Aber als junger Mensch stelle man sich oft die Frage: Wo geht man abends hin?
Es gibt Dorffeste, wie das Musikfest oder Schützenfest. Klar kommt man da zusammen, da spielt dann Musik und da ist gute Stimmung und da kann man tanzen. Aber es fehlt ein Ort zum Austausch, an dem man sagen kann: Hey, mir geht's gerade richtig mies.
In der Stadt kann man sich einsam fühlen – auf dem Dorf auch
Ob man sich an seinem Wohnort gut eingebunden oder verloren fühlt, das hängt nach neuen Forschungen nicht davon ab, ob man in Murr oder Stuttgart lebt. Es gäbe keinen signifikanten Unterschied in den Einsamkeitsbelastungen zwischen Menschen in ländlichen und städtischen Gebieten, so das Einsamkeitsbarometer 2024.
Viel entscheidender für das Empfinden von Einsamkeit als der Wohnort, seien die Möglichkeiten zum Austausch. Für die Stadt gibt es dahingehend bereits Untersuchungen:
Quartiere, die wenige Gelegenheiten zum Austausch und zur sozialen Teilhabe bieten, können das Einsamkeitsempfinden wesentlich verstärken.
Oder anders herum formuliert: Alles, was Teilhabe ermöglicht, kann Einsamkeit verhindern.
Start einer neuen Reihe Sarahs Tagebuch: "Ich bin einsam. Punkt."
Sarah lacht, reist, arbeitet viel – und fühlt sich trotzdem oft einsam. In ihrem Tagebuch spricht sie endlich aus, was viele denken, aber kaum jemand sagt.
Herzenswunsch der Organisatoren: Tauscht euch aus – ohne Angst!
Einen Ort der Teilhabe, wollen sie in Murr in den kommenden Tagen schaffen. Die Besucher sollen abschalten und entschleunigen können, aber sie können auch Input bekommen und neue Freundschaften finden.
Ein Ort, an dem man sich sicher fühlt und einfach mal über Themen spricht, über die man sonst nicht redet, weil man Angst hat, nicht verstanden zu werden.
Am Anfang war es nicht leicht, mit der Idee nach draußen zu gehen, erzählt Dibke rückblickend: „Generell ist das Problem: Was Neues ist immer ein bisschen schwierig und wird erstmal beäugt und so war es auch bei unserem Start.“
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Erste Reaktion: Muss man daraus gleich ein Fest machen?
Die acht jungen Menschen gründeten Mutmachen e.V., machten Werbung in Social Media, auf Festen und luden zu Infoveranstaltungen ein. Dort erklärten sie: „Wir wollen nichts Böses und wir wollen niemanden bloßstellen, sondern wir wollen einen Ort schaffen, wo sich jeder wohl fühlt.“ Diese Worte müssen überzeugt haben, denn jetzt machen alle Vereine des Ortes mit. „Hey, coole Sache", hört Dennis Dibke als Reaktion und schmunzelt: "Ich glaube, jetzt sind nicht nur wir gespannt, was daraus wird, sondern auch die anderen."
Nach den Mut-Mach-Tagen ist Schluss, erwähnt Dennis fast nebenbei. So sei das von Anfang geplant gewesen. Zu viel Arbeit für ein so kleines, ehrenamtliches Team. Aber das Wochenende wollen sie gemeinsam mit den geplant 4.000 Besuchern genießen.
Was sind eure Erfahrungen in der Stadt oder auf dem Land? Und was hilft gegen Einsamkeit? Schreibt uns: exit-einsamkeit@swr.de