Nächsten Mittwoch feiert Frank Schmidt Trainer-Geburtstag. Vor 18 Jahren, am 17. September 2007 wurde er Chefcoach beim 1. FC Heidenheim. Eine unfassbar lange und erfolgreiche Zeit, in der der kernige Fußballlehrer seinen Heimatverein von der Oberliga bis in die Bundesliga führte.
Noch immer aber kann sich der 51-Jährige so richtig in Rage reden, wenn der Fußball und seine Begleiterscheinungen mehr oder weniger aus dem Ruder laufen. Stichwort: Transfermarkt, Stichwort Soziale Medien. "Vor ein paar Jahren zu Corona-Zeiten waren wir noch dankbar und demütig", so Schmidt auf der Pressekonferenz am Freitag vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Samstag, 15:30 Uhr, live in SWR1 Stadion), "und jetzt werden hier Summen aufgerufen für Spieler die gerade mal ein oder zwei Jahre unfallfrei durch die 2. oder 3. Liga gelaufen sind. Da fehlt mir das Verständnis."
Transfer-Shitstorm für den FCH in den Sozialen Medien
Auch knapp zwei Wochen nach dem Ende des völlig verrückten Transferfensters in der Bundesliga wirkt Frank Schmidt sehr bewegt und auch verärgert. Zumal er und die Heidenheimer Verantwortlichen wegen ihrer Zurückhaltung auf dem Spielermarkt von vielen FCH-Fans in den Sozialen Medien attackiert worden waren. Es war ein regelrechter Shitstorm, wie man ihn in Heidenheim nicht kannte: "Ich bin zwar raus aus dem Alter, wo man sich jeden Morgen diese Sachen durchliest", so der Heidenheimer Coach, "aber es kommt trotzdem bei einem an."
Schmidt kopfschüttelnd: "Aussagen wie 'Wir bereiten uns vor für die 2. Liga', da fehlt mir das Hirn dazu und auch die Intelligenz. Jeder, der uns kennt, der weiß, dass wir immer versuchen das Maximum herauszuholen. Haben die Leute vergessen, wie wir in die Bundesliga gekommen sind?", warf Frank Schmidt eine rhetorische Frage in den Raum. "Da würde ich mir schon mehr Klarheit und Unterstützung wünschen. Manche scheinen es besser zu wissen als die, die 24 Stunden für den Verein arbeiten."
Keine Panikkäufe in Heidenheim
Trotz des Last-Minute-Wechsels von Kunstschütze Leo Scienza nach Southampton (Schmidt: "Ein paar Tage davor sagte er mir noch, wie wohl er sich hier fühlt") und einer Ablösesumme von neun Millionen Euro, hatten sich die Heidenheimer entschlossen, personell nicht mehr aktiv zu werden, auch auf ausdrücklichen Wunsch des Trainers.
Die finanzielle Vernunft regiert weiter im Brenztal: Der FCH habe keine Möglichkeit gesehen, selbst "mit unfassbar großen Transferanstrengungen einen Spieler zu finden, der unsere Mannschaft so verstärken kann, dass wir eine größere Chance auf den Klassenerhalt haben", erklärte Schmidt. "Wenn ich dann höre welche Millionensummen da aufgerufen werden, bei denen keiner weiß, ob uns dieser Spieler auch besser macht oder nicht. Das muss für mich ein Mehrwert sein, und es muss plausibel sein."
Frank Schmidt: "Große Lust, den Spielern zu vertrauen, die hier sind "
Es habe immer "mit Sinn und Unsinn zu tun, wie ich Fußballspielen will, und auch was die Kadergröße angeht", argumentierte Schmidt zudem den Verzicht auf mögliche Panikkäufe. "Wir müssen als Kollektiv diese brutal schweren Aufgaben lösen. Deshalb habe ich große Lust gespürt, den Spielern, die hier sind, zu vertrauen. Zumal mit Frank Feller und Marvin Pieringer auch wieder verletzte Spieler zurückkommen."
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Jeder im Umfeld, also auch die Fans, müssten für sich entscheiden, ob sie sich mit diesem Weg identifizieren können. Das, so der Trainer, könne er nicht beeinflussen. "Ich kann nur sagen", so Frank Schmidt, "dass ich keine Sinnhaftigkeit gesehen habe, Millionen durch den Kamin rauszufeuern, ohne zu wissen, ob das der Mannschaft auch hilft."
Mit Teamgeist und Leidenschaft gegen Dortmund
Jetzt will Frank Schmidt noch mehr darauf setzen, "dass wir unsere DNA wieder vollumfänglich auf den Platz bekommen". Am besten schon am Samstag gegen Borussia Dortmund. Ohne Leo Scienza, dafür mit verstärktem Teamgeist und Leidenschaft. Eigenschaften, die der Trainer am Freitag auf der Pressekonferenz eindrucksvoll vorgelebt hat. Keine Frage, ein Erfolg des noch punktlosen FCH gegen den BVB würde auch den 18. Trainer-Geburtstag nächsten Mittwoch freudiger gestalten.