Er hat in Ulm und Heidenheim seine bisher größten sportlichen Erfolge gefeiert. Jetzt wechselt Leo Scienza zum englischen Zweitligisten FC Southampton. Es ist ein Wechsel, der ihm auch ein bisschen schwer fällt.
Es ist eine Szene, die echt unter die Haut geht. Jo Reichert, der verletzte Kapitän des SSV Ulm 1846, steht mit Krücken vor dem Ulmer Münster. Auf der Schulter hat er ein Trikot mit seiner Rückennummer. Es ist ein Geschenk für seinen Kumpel Leo Scienza, den er an diesem Donnerstag verabschiedet. Die beiden sind Freunde geworden, vor zwei Jahren, als sie gemeinsam mit dem SSV Ulm 1846 in die zweite Fußball-Bundesliga aufgestiegen sind. Jo Reichert berührt dieser Abschied. "Pass auf Dich auf, Bro", flüstert er ihm bei einer innigen Umarmung ins Ohr.
Ulm und Heidenheim bleiben immer im Herzen
Leo Scienza lässt keine Zweifel: "Hundertprozent! Das waren die beiden wichtigsten Spielzeiten meines Lebens", sagt er. Nachdem ihm Schalke 04 die Tür zum deutschen Fußball geöffnet habe. Das Jahr in Ulm sei fantastisch gewesen, es habe ihm die Möglichkeit gegeben, in die Bundesliga zu wechseln. Er wisse es zu schätzen, dass ihm viele Fans in Ulm den Abgang ausgerechnet zum Rivalen Heidenheim verziehen hätten. Ähnlich sei die Situation jetzt für die Fans des FC Heidenheim, sagt Scienza. Ulm ist wie eine zweite Heimat für ihn geworden. Auch während seiner Zeit beim FCH wohnte er in Ulm.
Beide Vereine sind für immer in meinem Herz
Der Traum von der Premier League
Nachdem Scienza in jedem Jahr seiner Karriere einen weiteren Schritt nach oben gemacht hat, soll jetzt der ganz große Traum Realität werden. Auf dritte und zweite Liga mit Ulm und Bundesliga und Conference League mit Heidenheim, soll jetzt die Premier League mit Southampton folgen. Der Verein ist mit großen Ambitionen in die englische Zweitligasaison gestartet. Das klare Saisonziel lautet Aufstieg.
Das Gespräch mit dem Coach habe ihn überzeugt, sagt Scienza gegenüber SWR Sport. Der englische Traditionsclub suchte demnach einen Offensivspieler, der ballsicher ist und bei Standardsituationen gute Ideen hat - der Job scheint für Leo Scienza maßgeschneidert zu sein. Der Verein sei auf ihn zugekommen, so sei der Kontakt nach England entstanden. Es in die englische "Bubble" zu schaffen, sei für einen Fußballprofi nicht einfach. Deshalb habe er die Chance genutzt.
Ein filmreifer Last-Minute-Wechsel
Um Haaresbreite wäre der Wechsel zu Southampton übrigens beinahe gescheitert. Am letzten Tag des Transfersfensters wartete Leo Scienza bereits am Flughafen Memmingen auf ein Flugzeug auf die Insel. Der Flug scheiterte, Scienza musste nach München fahren, um von dort zu fliegen. In England gelandet, ging es gleich chaotisch weiter.
Noch am Flughafen fand ein Teil des Medizinchecks statt, inclusive Blutabnahme. "Von diesem Tag könntest Du einen Film drehen. Das war wirklich verrückt," erzählt Scienza. Eine Minute vor Transferschluss habe sein neuer Club den Wechsel beantragt. Zwei Minuten später wäre Scienza weiterhin auf der Gehaltsliste des FC Heidenheim gestanden.
Stattdessen steigt Leo Scienza am Donnerstagabend wieder ins Flugzeug. Mit zwei großen Koffern und dem Allernötigsten startet er in sein neues Abenteuer auf der Insel. Seinem Kumpel Jo Reichert hat er übrigens zum Abschied ein Versprechen gegeben. Scienza will bald mal wieder im Donaustadion vorbeischauen, um seinem Herzensclub SSV Ulm 1846 in Liga drei die Daumen zu drücken.