Als Teil der "jungen Wilden“ spielte Andreas Hinkel mit dem VfB Stuttgart 2003 im UEFA-Cup gegen Celtic Glasgow. Von 2008 bis 2011 trug der frühere Abwehrspieler selbst das Trikot von Celtic Glasgow und wurde in dieser Zeit schottischer Meister und Pokalsieger.
Vor dem Playoff in der Europa League zwischen Celtic Glasgow und dem VfB Stuttgart (19.02.2026, 21 Uhr live im Audiostream) blickt Hinkel auf seine Zeit bei den beiden Klubs zurück und verrät, was auf die Schwaben im Celtic Park zukommt.
SWR Sport: Andreas Hinkel, was haben Sie gedacht, als klar war, dass der VfB in den Playoffs auf Celtic trifft?
Ich habe die Auslosung nicht live verfolgt, aber habe es sehr schnell bemerkt, da ab dem Zeitpunkt mein Handy nicht mehr stillstand. Ich wurde mit Nachrichten bombardiert. Das Duell gab es auch schon einmal zu meiner Zeit. Viele, die damals dabei waren, können sich noch an die Atmosphäre im Celtic Park erinnern. Es ist für beide Seiten ein schönes Los. Wir können uns auf schöne Duelle einstellen.
Sie haben es schon angesprochen. Vor 23 Jahren spielte der VfB Stuttgart schon einmal Ende Februar zwei Mal gegen Celtic Glasgow. Damals im Achtelfinale des UEFA-Cups. Sie standen als junger Spieler in beiden Partien in der Startelf. Das Hinspiel hat Stuttgart in Glasgow mit 1:3 verloren. Wie haben Sie das Spiel erlebt?
Es war ein besonderes Spiel für die ganze Mannschaft. Die Atmosphäre im Celtic Park war einmalig und einzigartig. Selbst erfahrene Spieler wie Zvonimir Soldo oder Krassimir Balakov, die sehr viele große Spiele erlebt haben, haben mir gesagt, dass sie sowas noch nicht erlebt haben.
Wie war es für Sie persönlich?
Ich war noch jung, aber mich hat es damals auch erwischt. Gänsehaut war da nicht vermeidbar. Man konnte den Körper vor dieser Atmosphäre nicht kontrollieren. Es waren damals auch enge Spiele. Das Hinspiel in Glasgow haben wir in Unterzahl vielleicht ein Tor zu hoch verloren. Im Rückspiel haben wir dann zwei frühe Gegentore bekommen und dann hat es trotz eines 3:2-Sieges nicht gereicht, um weiterzukommen.
Von 2008 bis 2011 haben Sie selbst für Celtic Glasgow gespielt und wurden in dieser Zeit schottischer Meister und Pokalsieger. Wie war es, als Spieler für diesen Klub zu spielen?
Es ist ein besonderer Klub. Der Fußball kommt von der Insel. 1872 fand in Glasgow das erste Länderspiel der Geschichte zwischen Schottland und England statt. Hier liegen einfach die Wurzeln des Fußballs und das spürt man auch in der Stadt. Die Celtic-Fans sind überragend. Die feiern gern, sind aber auch fair und machen eine gute Stimmung. Es ist ein einzigartiger Klub.
Wie ist das Leben als Spieler in Glasgow?
Man wird in der Stadt erkannt, wobei die Stadt ja zweigeteilt ist. Man kann also auch Glasgow-Rangers-Fans über den Weg laufen. In der Vergangenheit war ich immer mal wieder in Glasgow und obwohl es schon so lange her ist, dass ich für den Verein gespielt habe, sprechen einen die Menschen immer noch an. Man gehört weiterhin zur Celtic-Familie und das wird auch ein Leben lang so bleiben.
Haben Sie noch Kontakt zu Menschen aus Ihrer Zeit bei Celtic?
Der Kontakt ist eigentlich nie abgebrochen. Ich war auch nach meiner Karriere immer wieder in Glasgow. Ich habe bei Celtic für meinen Fußballlehrer hospitiert. Ich habe aber auch so einfach Spiele besucht. Letztes Jahr im September habe ich für die Legendenelf von Celtic gespielt. Es war sehr schön, die Spieler von damals wiederzusehen.
Was kommt auf den VfB Stuttgart sportlich in Glasgow zu?
Sportlich ist Celtic eine gute Mannschaft. Ich erwarte ein enges Spiel. Ich glaube nicht, dass im Hinspiel schon eine Vorentscheidung fällt. Also ein hohes Ergebnis würde mich überraschen. Celtic hat sich im Winter mit einigen Leihspielern verstärkt. Hier könnten die Automatismen noch fehlen, was wiederum ein Vorteil für den VfB sein könnte. Die aktuelle Saison läuft für Celtic aber auch turbulent. Es gab bereits zwei Trainerwechsel, da waren auch mal ein paar Plätze frei im Celtic Park. Wenn die Fans aber da sind, dann kann der Celtic Park auch sportlich eine Rolle spielen. Das kann sicherlich jeder VfB-Spieler, der 2003 dabei war, bestätigen, dass da eine Wucht von allen Rängen auf einen zukommt.
Das Rückspiel in Stuttgart am 26.02. wird bestimmt auch nochmal ein Fußballfest, oder?
Ich denke schon. Das Rückspiel in Stuttgart 2003 fand ja auch zur Faschingszeit statt. Mir haben einige erzählt, dass nach dem Spiel damals Celtic und Stuttgart-Fans gemeinsam irgendwo in Cannstatt Fasching gefeiert haben.