Traditionsklub in der Krise

Nach Brandbrief: SSV Ulm 1846 trennt sich von Thiele und Glasbrennner

Der SSV Ulm 1846 kommt nicht zur Ruhe. Nach der Niederlagenserie in der 3. Liga sorgten die Kapitäne Jo Reichert und Christian Ortag mit einem offenen Brief an den Aufsichtsrat für Aufregung. Jetzt reagierte der Verein mit der Entlassung des Sportdirektors und des Trainers.

Teilen

Stand

Von Autor/in Kersten Eichhorn

Am späten Montagabend reagierte der SSV Ulm 1846 Fußball doch noch mit einem Paukenschlag auf die sportliche Krise und den aufsehenerregenden Brandbrief der beiden Führungsspieler Jo Reichert und Christian Ortag: Neben Geschäftsführer und Sportdirektor Markus Thiele muss auch Cheftrainer Moritz Glasbrenner seinen Hut nehmen. Beide wurden von der Führungsspitze des Vereins mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben entbunden.

"Einvernehmliche Trennung"

Zu diesem Entschluss war die Führungsspitze nach stundenlangen Beratungen gekommen: "Die Gespräche wurden in einem offenen und respektvollen Austausch geführt, führten jedoch nicht mehr zu der für eine erfolgreiche sportliche Zukunft notwendigen Einigkeit und dem gegenseitigen Vertrauen", so der SSV 1846 Fußball auf seiner Homepage. Beide Seiten hätten sich "auf eine einvernehmliche und faire Trennung verständigt".

Über die Nachfolge von Thiele und Glasbrenner gibt es noch keine Informationen, darüber wolle der Verein in den nächsten Tagen informieren.

Sportlicher Absturz und schlechte Stimmung

Sportlich ist der Niedergang des SSV Ulm 1846 dramatisch. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga stehen die Schwaben auch in der 3. Liga auf einem Abstiegsplatz. Zuletzt gab es fünf Niederlagen in Serie mit 19 Gegentoren. Das 0:5 am Samstag im Heimspiel gegen Hansa Rostock war der vorläufige Tiefpunkt der Krise.

Dass die Situation an der Donau aber auch zwischenmenschlich höchst besorgniserregend, das Innenleben bei den Ulmer Fußballern offenbar nachhaltig gestört war, darauf hatten die SSV-Kapitäne Johannes Reichert und Christian Ortag einen Tag nach der Heimpleite gegen Rostock in einem offenen Brief an den Aufsichtsrat des Vereins hingewiesen. Das eigentlich interne Schreiben wurde am Sonntagabend verschiedenen Medien und damit auch der Öffentlichkeit bekannt.

"Atmosphäre vergiftet, Vertrauen zerstört"

In dem Brief hieß es, die Situation innerhalb des Teams sei "mittlerweile unerträglich geworden. Die Atmosphäre ist vergiftet, das Vertrauen zerstört". Das Verhältnis zwischen Mannschaft, Trainer und "vor allem dem Sportdirektor ist komplett zerrüttet". Die Spieler seien "am Ende ihrer Kräfte - seelisch, emotional und menschlich". Namentlich wurden die Verantwortlichen nicht genannt, es handelte sich beim Trainer und Sportdirektor eben um die jetzt entlassenen Moritz Glasbrenner und Markus Thiele.

Appell und Bitte um sportlichen Neuanfang

Johannes Reichert und Christian Ortag hatten den Aufsichtsrat in ihrem Appell dringend um Unterstützung und "im sportlichen Bereich einen kompletten Neuanfang" gebeten. Nach Informationen von SWR Sport soll das Schreiben allerdings ohne Abstimmung mit der kompletten Mannschaft formuliert worden sein.

Einen Tag nach dem Schreiben folgten jetzt also tatsächlich die personellen Konsequenzen mit der Trennung von Markus Thiele, seit 2021 im Amt, und Moritz Glasbrenner, der erst vor einigen Wochen als Nachfolger von Robert Lechleiter zum Cheftrainer ernannt worden war.

Ulm

Ex-Profi Oliver Unsöld als Interimstrainer Nach der Trennung von Trainer und Sportdirektor: So geht es beim SSV Ulm 1846 weiter

Nach dem Brandbrief der Spieler Johannes Reichert und Christian Ortag und der Trennung von Trainer Moritz Glasbrenner und Sportdirektor Markus Thiele sind die Ulmer Fußballer auf der Suche nach der Zukunft. Das Training übernimmt vorerst NLZ-Leiter Oliver Unsöld.

SWR Aktuell am Nachmittag SWR Aktuell

Stürzt Ulm zurück in die Viertklassigkeit?

Das einstige Ulmer Fußball-Märchen - der Verein schaffte von 2023 bis 2024 den Durchmarsch von der Regionalliga in die 2. Bundesliga - droht mehr und mehr zum Albtraum zu werden. Nach dem sofortigen Abstieg in die Drittklassigkeit steht der SSV 1846 inzwischen vor dem Absturz zurück in die vierte Liga.

Jetzt liegt es an den künftigen sportlich Verantwortlichen, den Rettungsanker zu werfen. Wer das auch immer sein mag, es wird eine schwierige Aufgabe an der Donau.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Kersten Eichhorn