Beim SSV Ulm 1846 Fußball hat sich in der Sommerpause fast alles verändert: neuer Trainer, neuer Sportdirektor und ein nahezu komplett neuer Kader. Mit einem klaren Anspruch an die Mentalität der Mannschaft will der Verein in der Regionalliga neu angreifen.
Neuer Trainer, fast komplett neue Mannschaft
Nach dem Abstieg aus der 3. Liga im Mai dieses Jahres war noch Land unter beim SSV Ulm 1846 Fußball. Jetzt, nur knapp zwei Monate später, herrscht rund um das Donaustadion schon wieder eine gewisse Aufbruchsstimmung, eine Vorfreude und ein Tatendrang. In zwei Wochen geht es los, in der für die Ulmer Spatzen sehr vertrauten Regionalliga. Das Rezept, das sie wieder in die Erfolgsspur bringen soll: Ein nahezu komplett neuer Kader und ein Trainer mit einer eindeutigen Vorstellung.
Als Daniel Jungwirth beim SSV Ulm 1846 Fußball anfing, war die sportliche Ausgangslage ziemlich kompliziert. "Der Ist-Zustand war, dass wir einen einzigen Spieler unter Vertrag hatten", erklärt der neue Mann an der Seitenline der Ulmer Spatzen im Interview mit dem SWR. Gemeinsam mit Sportdirektor Murat Isik sei daraufhin "eine Menge zu tun" gewesen.
Nur vier Spieler aus der Vorsaison mit dabei
Und es hat sich viel getan. Mit an Bord sind nur noch wenige alte Bekannte: Kapitän Johannes Reichert, Dennis Chessa, Lucas Röser und Marcel Seegert sind die einzigen verbliebenen Spieler aus der Vorsaison. Der restliche 27-Mann Kader ist neu.
Trainer Jungwirth war dabei nach eigenen Angaben in "jedem Transfer involviert". Er führte viele Telefonate und Gespräche, traf Spieler persönlich und bekam Absagen wie Zusagen. Die Sommerpause habe dabei wenig mit Pause zu tun gehabt. Es war "eine Menge los in der Urlaubszeit“, die Jungwirth aber als durchaus gelungen resümiert.
Daniel Jungwirth zur Mischung im Kader und wie er mit den "jungen Wilden" und älteren Spielern umgehen will.
Kader nach Maß – Mischung aus Erfahrung und "jungen Wilden"
Die neuen Spieler seien bewusst ausgewählt worden, betont der neue Spatzen-Trainer. "Vom Grundprinzip haben wir die Spielertypen geholt, die wir für unser Spiel haben wollen." Wichtig sei ihm vor allem die Zusammensetzung. "Eine Fußballmannschaft sollte immer eine gute Mischung haben", so Jungwirth. Da brauche es Erfahrung, da brauche es aber auch junge Wilde.
Dass er mit jungen Wilden erfolgreich sein kann, zeigte der 44-jährige bei seinen letzten Trainerstationen. Er war unter anderem bei den DFB-Junioren tätig und zuletzt Cheftrainer der U17 beim VfB Stuttgart. Dort gelang ihm vergangene Saison der Titelgewinn in der DFB-Nachwuchsliga, ehe er seinen neuen Vertrag beim SSV Ulm 1846 Fußball unterschrieb.
Kreuzbandriss bei Neuzugang der Ulmer Spatzen
Mit erfahrenen Profis und vielen Talenten sieht er die Mannschaft "gut gebaut". Dass nicht jeder Wunschspieler kam, verschweigt er nicht. Als Trainer wolle man natürlich immer mehr, immer besser. "Aber die Realität ist halt auch die Regionalliga und dann gibt es halt auch ein paar Absagen." Mit dem vorhandenen Kader sei er aber sehr zufrieden.
Diese Auffassung teilt auch Sportdirektor Murat Isik, sowohl was die Altersstruktur als auch die Qualität angehe. Die Kaderplanung ist derweil, zwei Wochen vor dem Regionalliga-Auftakt, noch nicht abgeschlossen. Man sei noch auf der Suche nach einem neuen Stürmer, heißt es vom Verein.
Am Freitag haben die Spatzen zudem den längere Ausfall von Neuzugang Achitpol Keereerom bekannt gegeben, der sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir auf dem Transfermarkt nochmals aktiv werden und auf die Verletzung reagieren", so Sportdirektor Murat Isik.
"Natürlich wollen wir am Ende oben sein"
Jungwirths Fokus liegt klar auf der Mentalität seiner Mannschaft: "Ich will erstmal von Spiel zu Spiel denken. Ich will immer jedes Spiel gewinnen. Das geht beim Trainingsspiel los." Diese Haltung soll das Team verinnerlichen. Es gehe primär darum, Spiele zu gewinnen, danach werde weiter geschaut.
Ein konkretes Saisonziel nennt der Trainer zwar nicht, aber "natürlich wollen wir am Ende oben sein“, so Jungwirth. Gleichzeitig verweist er auf den großen Umbruch und auf vieles, was zusammenkommen müsse, "dass es dann auch so positiv wird." Klar ist für ihn aber. "Wir werden uns jetzt nicht hinstellen und sagen, wir steigen auf."
Saisonstart in zwei Wochen
Dass viele Fans ihren SSV Ulm 1846 Fußball lieber in einer Profiliga haben wollen, teilt Jungwirth grundsätzlich: "Prinzipiell sehe ich den Verein auch nicht in der Regionalliga." Er erinnert aber daran, dass auch andere große Vereine in dieser Liga mitspielen. Im Endeffekt sei es aber auch egal, wo man welche Mannschaft sehe. Wichtig sei nur, wo die Spatzen jetzt sind. "Und wir müssen alles dafür tun, dass wir da rauskommen, wo wir sind."
Jungwirth blickt positiv auf den Saisonstart in zwei Wochen. "Ich bin sehr zufrieden mit der Vorbereitung, wie die Jungs das bisher angepackt haben." Vor allem das Spiel mit Ball gefalle ihm schon sehr gut. Ganz fertig sei man aber nie. "Es fehlt immer noch ein bisschen. Das wird sich auch weiterentwickeln im Laufe der Saison."
SSV Ulm 1846 Fußball: "Sind auf einem guten Weg"
Auch neben dem Platz sei man auf einem sehr guten Weg, heißt es von Vereinsseite gegenüber dem SWR. Knapp 1500 Dauerkarten seien bis jetzt für die kommende Saison verkauft. Es wäre klar gewesen, dass es hier einen Einbruch im Vergleich zur vergangenen Saison geben würde. Man habe aber erfreulicherweise deutlich mehr Dauerkarten verkauft als in der letzten Regionalliga-Saison 2022/2023. Damals waren es nur etwa ein Drittel so viele.
Zum Testspiel gegen die zweite Mannschaft von Bayern München kamen vergangene Woche knapp 5.000 Besucherinnen und Besucher ins Donaustadion. Eine gewisse Euphorie sei schon deutlich spürbar, heißt es.
Die verbleibenden zwei Wochen will das Team jetzt intensiv nutzen, um "ready zu sein", sagt Jungwirth. Die Vorfreude sei groß: "Wir wollen, dass es losgeht. Wenn es um Punkte geht, wenn es um die Tabelle geht, ein bisschen um die Prämien geht, dafür spielen wir Fußball." Am 07.08. hat das neu zusammengestellte Team dann die Chance sich zum Auftakt der Saison bei den Stuttgarter Kickers zu beweisen. Bereits eine Woche vorher gibt es die erste richtige Prüfung im WFV-Pokal beim VfB Friedrichshafen.