Shootingstar der Rückrunde? Nein, das sei er nicht, denn Alexander Prass ist kein Mann für große Worte. Angesprochen auf seine drei Treffer und seine klasse Leistungen in der Rückrunde, sagt er ganz bescheiden: "Ich hab' jetzt nur drei Tore geschossen, da gibt es ein paar Jungs, die haben deutlich mehr", verweist der 24-Jährige im Gespräch mit SWR Sport auf die sonstigen Hoffenheimer Goalgetter wie Andrej Kramaric oder Fisnik Asllani, als er auf seine neuentdeckten Torjägerqualitäten angesprochen wird, "Shootingstar ist bei uns die Mannschaft. Wir haben eine coole Truppe und richtig viel Spaß miteinander."
Drei Prass-Treffer in der Rückrunde
Die Demut als sympathischer Teamplayer ehrt den Fußballprofi aus Österreich. Die starke Faktenlage ist aber auch die, dass der flinke Dauerrenner auf den Außenbahnen zuletzt gleich drei wichtige Tore für die TSG Hoffenheim erzielte: Ende Januar traf er beim 2:0-Auswärtssieg der Kraichgauer bei Werder Bremen mit einer wunderschönen Direktabnahme aus knapp 25 Metern ins obere Toreck zur Führung, ein Traumtor. Sein erstes Tor überhaupt in der Bundesliga.
Und vergangenen Samstag netzte Alexander Prass, den alle nur "Prassi" nennen, beim 4:2 in Heidenheim gleich zweimal ein. Künstlerisch wertvoll erneut sein Führungstreffer von der Strafraumgrenze und mit Gefühl unter die Latte, später legte er clever per Beinschuss gegen FCH-Keeper Diant Ramaj noch das 2:0 nach.
Flexibel einsetzbar auf den Außenbahnen
Es war nicht nur sein erster Doppelpack in der Bundesliga. Es war auch ein doppeltes Ausrufezeichen dafür, was für ein prima Fußballer dieser Alexander Prass eigentlich ist. Zu oft wurde der unermüdliche Läufer und Kämpfer in seiner Hoffenheimer Anfangszeit von vielen Fans auf genau diese Tugenden reduziert: Rennen und kämpfen. Und jetzt: Prass, der "Prassilianer" und der neue "heimliche" Torjäger im Kraichgau? "Ich fühle mich sehr wohl", sagt er selbst zu seinem Leistungssprung, "und es ist immer schön, wenn man an Offensivaktionen beteiligt ist."
In jedem Fall betreibt Alexander Prass seit dem Jahreswechsel beeindruckende Eigenwerbung für sich und seinen Platz als Stammspieler. Dazu kommt aber auch das taktische Geschick seines Trainers: Christian Ilzer hatte Alexander Prass, statt wie üblich auf Links, in Heidenheim erstmals auf die rechte offensive Außenbahn befördert. Ein Volltreffer. "Prassi" konnte auf dieser Position immer wieder nach innen ziehen und mit seinem starken linken Fuß abschließen.
Bundesliga Neuer Präsident und neuer Torjäger für die TSG Hoffenheim
André Kreuzwieser ist zum neuen Vereinspräsidenten der TSG Hoffenheim gewählt worden. Der Software-Unternehmer tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Jörg Albrecht an und hat vor allem ein Ziel mit der TSG.
Meister und Pokalsieger: Drei Titel mit Sturm Graz
Alexander Prass und Christian Ilzer – das ist übrigens eine ganz besondere Beziehung. Schließlich holten die beiden 2023 und 2024 gemeinsam mit Sturm Graz gleich drei Titel in Österreich: 2023 zunächst den Pokal, ein Jahr später sogar das Double mit Pokal und Meisterschaft. "Auch wenn das jetzt schon eine Zeit lang her ist", erinnert sich der Profi nur zu gerne an die erfolgreiche Zeit in der Steiermark. "Titel zu holen, das ist schon etwas ganz Besonderes, ein Gefühl, das haften bleibt. Und vor allem sind Titel für einen Verein wie Sturm Graz nicht normal."
Prass kam vor Ilzer und Schicker nach Hoffenheim
Gleich nach dem in Graz so frenetisch gefeierten Double, im Sommer 2024, wechselte der österreichische Nationalspieler, der fußballerisch in Linz und bei RB Salzburg groß wurde, für zwölf Millionen Euro zur TSG Hoffenheim. Wenige Monate nach dem Transfer von Alexander Prass kam dann auch der Grazer Sportmanager Andreas Schicker in den Kraichgau, der wiederum im November 2024 auch Sturm-Erfolgstrainer Christian Ilzer zur TSG nachholte. Es sollte – nach zähem Beginn und dem gerade so geschafften Klassenerhalt in der vergangenen Saison – eine wunderbare und völlig überraschende Erfolgsgeschichte werden.
"Christian Ilzer hat Zug in die Mannschaft gebracht"
Hoffenheim startete unter Christian Ilzer vom Abstiegskandidaten zum Champions-League-Anwärter durch. Und mittendrin im Reigen der Österreicher und Ex-Grazer Alexander Prass: "Andi und Christian haben letzten Sommer gute Entscheidungen getroffen und eine Mannschaft zusammengestellt, die gut harmoniert", verweist er auf die geschickte Kaderplanung seiner beiden Landsmänner auf den sportlichen Führungspositionen. "Der Trainer macht gute und erfolgreiche Arbeit." Und speziell bei Ilzer imponiert ihm, "wie er als Trainer die Mannschaft auf Zug gebracht hat, auf dem Trainingsplatz alles rauszuhauen. Und die Art des Fußballs, die er spielen will, impft er einem richtig gut ein."
So viel Zug und Energie ist in diesem TSG-Team, dass gefühlt jeder Spieler immer wieder ein Stück stabiler und besser wird. Wie eben auch Alexander Prass selbst, einem der Hoffenheimer Leistungsträger in diesem Kalenderjahr 2026. Ein Jahr, das für den jungen Profi gleich mehrere Highlights bereithalten könnte: Einerseits der immer wahrscheinlichere Einzug in den europäischen Wettbewerb mit der TSG, andererseits aber auch die Teilnahme mit Österreich an der WM in den USA, Kanada und Mexiko.
Das Prass-Highlight: WM 2026 mit Österreich
Im Team von Österreichs Bundestrainer und Ex-Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick gilt Alexander Prass (16 Länderspiele) als gesetzt. Seine Augen leuchten jedenfalls auffällig, wenn er über das Fußball-Highlight des Jahres 2026 spricht: "Die Qualifikation für die WM ist überragend, das gab es für Österreich schon länger nicht mehr", sagt Prass. "Wir wollen erstmal die Gruppenphase überstehen. In jedem Fall haben wir eine Mannschaft, mit der zu rechnen ist und die schwer zu besiegen ist. Das haben wir auch bei der Euro gezeigt."
Am Samstag gegen den VfL Wolfsburg mit Neu-Trainer Hecking
Zuvor aber will Alexander Prass mit der TSG Hoffenheim die famose Saison noch veredeln. Im besten Fall mit dem Einzug in die Champions League, die er aus der Qualifikation mit Sturm Graz bereits kennt: "Wir sind auf einem guten Weg", sagt er vor dem Heimspiel am Samstag (15:30 Uhr / live in SWR1 Stadion) gegen den VfL Wolfsburg mit dem neuen Trainer Dieter Hecking, "und wir sind nah dran, dass wir demnächst international spielen. Aber dafür ist noch viel zu tun." Am besten wäre es, gleich am Samstag gegen die strauchelnden "Wölfe" drei Punkte nachzulegen. Weitere Prass-Tore würden dabei sicherlich nicht schaden.