Ohne ihren Cheftrainer Christian Ilzer feierte die TSG Hoffenheim am Samstag (07.03.2026) gegen den krisengeplagten 1. FC Heidenheim einen 4:2-Auswärtssieg und ist nach einem kleinen Formtief in der Bundesliga wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Mit seinem ersten Bundesliga-Doppelpack brachte Alexander Prass (26., 45.+1 Minute) die Gäste bereits vor der Pause mit 2:0 in Führung. Nach dem Seitenwechsel erhöhten Fisnik Asllani (49.) und Tim Lemperle (78.) für die Kraichgauer. Luca Kerber (62., 84.) konnte mit einem Doppelpack für die unermüdlichen Gastgeber zwischenzeitlich zwar verkürzen, aber die Heimniederlage nicht verhindern.
"Ich glaube nicht, dass Heidenheim sich aufgegeben hat", sagte Doppeltorschütze Prass nach der Partie am ARD-Mikrofon. "Die stecken alles rein, was sie haben, und da muss man dann dagegenhalten."
TSG-Chefcoach Ilzer fehlt krankheitsbedingt
Im Vergleich zur überraschenden 0:2-Heimpleite gegen den FC St. Pauli am vergangenen Spieltag war die größte Veränderung in der TSG-Mannschaft das Fehlen von Cheftrainer Christian Ilzer, der sich aufgrund eines Infekts abgemeldet hatte. Für ihn nahm Co-Trainer Moritz Volz auf der Trainerbank Platz. In der Startelf der Kraichgauer verdrängten Bernardo und Alexander Prass den mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebrachten Grischa Prömel und Robin Hranac. Bei den Gastgebern, die in der Vorwoche beim 0:2 im Abstiegsduell in Bremen enttäuscht hatten, nahm Cheftrainer Frank Schmidt gleich fünf Änderungen vor, vor allem in der Offensive tauschte er auf vier Positionen. Dazu kehrte Stammkeeper Diant Ramaj zurück ins FCH-Tor.
In der ersten Viertelstunde mussten jedoch weder Ramaj noch sein Gegenüber Oliver Baumann wirklich aktiv werden. Beide Teams starteten vorsichtig in die Partie - Hoffenheim mit der besseren Spielanlage, aber ohne konkreten Zugriff, Heidenheim mit der aggressiveren Zweikampf-Führung im Mittelfeld. Und so erklang häufig die Pfeife von Schiedsrichter Robert Hartmann in der Heidenheimer Arena, die das Spiel unterbrach. Die erste gefährliche Torchance hatten die Gastgeber durch Mathias Honsak (17.) Dessen direkt abgezogener Schuss aus 18 Metern in halbrechter Position flog jedoch um wenige Zentimeter rechts am TSG-Tor vorbei.
Prass mit Doppelpack vor der Pause
Von den Kraichgauern kam bis Mitte der ersten Hälfte keine wirkliche Torgefahr. Nach 26 Minuten spielten sie jedoch ihre technische Überlegenheit in einem feinen Angriff bis zum Ende aus und gingen in Führung: Prass brachte sich nach einem Doppelpass mit Fisnik Asllani in zentrale Schussposition und setzte den Ball mit einem satten Schuss - und etwas Unterstützung durch die Unterkante der Latte - zum 1:0 ins Netz. Im Anschluss bejubelte die TSG-Elf den Führungstreffer mit dem Trikot von Ihlas Bebou, in dessen Familie sich ein Trauerfall ereignet hat.
Die TSG-Führung zu diesem Zeitpunkt glücklich, hatte Heidenheim die Partie bis dahin eigentlich gut im Griff gehabt. Und in der Nachspielzeit der ersten Hälfte rechtfertigte Prass seinen Einsatz von Beginn an erneut. Nach einem Steilpass von Andrej Kramaric tauchte Prass frei vor Ramaj auf und tunnelte den Schlussmann. Jedoch ging der Arm von Schiedsrichter Hartmann aufgrund einer vermeintlichen Abseitsposition von Kramaric zuvor hoch. Der VAR griff ein und nach einer mehr als dreiminütigen Überprüfung revidierte Hartmann seine Entscheidung: kein Abseits, Tor für Hoffenheim und 2:0-Pausenführung durch den ersten Bundesliga-Doppelpack des Österreichers Prass. Angesprochen auf seine Gefühle zu dieser Leistung blieb Prass später im Interview in seiner Antwort trocken und kurz: "Gut!"
Asllani erhöht für Hoffenheim
Nach dem Seitenwechsel brachte FCH-Trainer Frank Schmidt zwei neue Offensiv-Kräfte, da sein Team in der ersten Hälfte mit Ausnahme von zwei Situationen keinerlei Gefahr ausgestrahlt hatte. Jedoch waren es nach vier gespielten Minuten wieder die Hoffenheimer, die den Weg zum Tor fanden: Den ersten Schuss von Leon Avdullahu, der sich im Strafraum mit einem Solo freigespielt hatte, konnte Torhüter Ramaj noch parieren. Der Abpraller landete aber bei Asllani, der aus sechs Metern nur noch abstauben musste und mit dem Tor zum 3:0 für die Gäste vermeintlich alles klar machte.
"Wir können in der Bundesliga so nicht verteidigen, wieder vier Gegentore", ärgerte sich Frank Schmidt nach dem Spiel - auch wenn seine Mannschaft Moral gezeigt hatte. "Unterm Strich sind es zu zu viele Momente, die der Gegner ausnutzen kann und darf."
Kerber lässt Heidenheim hoffen
Im Anschluss an das 3:0 plätscherte die Partie eine Zeit lang vor sich, die Hoffenheimer Führung erschien komfortabel - bis zur 62. Minute. Ein weiter Einwurf durch Hennes Behrens flog über alle Spieler im TSG-Strafraum hinweg und landete bei Kerber, von dessen Schienbein der Ball an Baumann vorbei zum 1:3-Anschlusstreffer im Tor landete. Bei Heidenheim keimte wieder Hoffnung auf oder, wie Trainer Schmidt es nach dem Spiel formulierte: "Wir haben es geschafft, neue Energie, neue Körpersprache reinzubringen, machen das 3:1 und haben dann Pech."
Denn acht Minuten nach dem 1:3 jubelten die Gastgeber nach einem Treffer durch den eingewechselten Christian Conteh. Der Jubel hielt aber nur für einen kurzen Moment an, denn wieder griff der Videoschiedsrichter ein. In der Entstehung des Tores hatte Sirlord Conteh, der seinen Bruder bedient hatte, im Abseits gestanden. Es blieb beim 1:3 aus Sicht des Tabellenletzten, der aber weiter Druck machte und in der 75. Minute Pech hatte, als nach einer missglückten Abwehraktion durch Ozan Kabak der Ball an den Innenpfosten und von dort wieder in den Strafraum sprang.
Offener Schlagabtausch in der Schlussphase
Das Momentum schien beim FCH zu liegen, TSG-Co-Trainer Volz reagierte und brachte unter anderem Tim Lemperle für Kramaric. Eine Entscheidung, die sich keine zwei Minuten später auszahlte. Touré und Asllani brachten den Ball über die linke Seite in den Heidenheimer Strafraum, wo Lemperle lauerte und nur noch den Fuß zum 4:1 reinhalten musste.
Aber es war an diesem torreichen Nachmittag in Heidenheim immer noch nicht Schluss. Wieder schlug der FCH nach einem ruhenden Ball zu. Eine Ecke von Behrens verlängerte Kerber per Kopf aufs TSG-Tor. Lemperle fälschte unhaltbar für Baumann zum 2:4 ab (84.). Die Hoffenheimer Defensive schwamm, drei Minuten später klärte der eingewechselte Robin Hranac vor der Torlinie, das hätte der Anschluss der unermüdlich kämpfenden Heidenheimer sein können. Glück für die TSG, die im Anschluss auch noch die sieben Minuten Nachspielzeit überstand und den unterm Strich verdienten Auswärtssieg einfuhr.
Hoffenheim empfängt Wolfsburg, Heidenheim in Frankfurt
Durch den Sieg bleibt die TSG mitten drin im Kampf um die Champions-League-Plätze. Mit 49 Punkten belegen die Kraichgauer weiter den dritten Tabellenplatz und haben durch den Patzer von Leverkusen (3:3 gegen Freiburg) nun vier Punkte Vorsprung auf die Werkself und zwei Zähler auf die Verfolger VfB Stuttgart und RB Leipzig auf den Plätzen vier, fünf und sechs. Mit Blick auf die Tabellensituation und die Möglichkeit, in der nächsten Saison Champions League zu spielen, gab Alexander Prass nach dem Spiel zu, dass man schon hier und da auf die Tabelle schaue. "Aber wir sind gut beraten, dass nicht allzu oft zu tun", fügte er noch hinzu.
Anders dürfte die Stimmungslage beim FCH sein. Die Heidenheimer zeigten beim 2:4 zwar Moral, blieben derweil jedoch im zwölften Liga-Spiel in Folge ohne Sieg. Mit 14 Punkten ist der FCH weiter Tabellenletzter und taumelt ungebremst in Richtung zweite Liga. Für beide Teams geht es in der Bundesliga am nächsten Samstag (14.03., ab 15:30 Uhr) weiter. Der Champions-League-Kandidat Hoffenheim empfängt den VfL Wolfsburg, Heidenheim reist zum schweren Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt.